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Autor Thema: Jutta Profijt - Kühlfach 4  (Gelesen 484 mal)

campsy

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Jutta Profijt - Kühlfach 4
« am: 22. Juni 2009, 20:35:16 »



Kühlfach 4
von Jutta Profijt
Erschienen bei „Deutscher Taschenbuch Verlag“ (dtv), München 2009
ISBN 9783423211291
Taschenbuch, 256 Seiten, 9,95 € [D]

Zur Autorin
Jutta Profijt, 1967 geboren, arbeitete viele Jahre im Bereich der Fremdsprachen (Französisch und Englisch, als Fremdsprachenkorrespondentin, Dozentin und Übersetzerin) und seit dem Jahr 2000 nebenberuflich für eine lokale Tageszeitung. Schließlich wurde ihr die Realität zu langweilig, und so kam es, dass sie 2003 ihren ersten Krimi veröffentlichte: „Motiv: Münsterschatz“. Dieser Roman war so erfolgreich, dass weitere folgten und sie 2006 das Schreiben zum Hauptberuf machte. Jutta Profijt ist Mitglied in der deutschen Krimi-Autoren-Gruppe „Das Syndikat“ und bei den Krimi-Autorinnen „Mörderische Schwestern“. Sie engagiert sich außerdem ehrenamtlich im Bereich Umweltschutz und im sozialen Bereich.
Mehr Informationen über die Autorin findet man auf ihrer Website http://www.juttaprofijt.de/

Inhalt
Der kleinkriminelle, schnoddrige Autodieb mit Spitznamen Pascha wird gleich zu Beginn des Romans ermordet - was außer ihm leider niemand weiß, weil seine Todesumstände für alle wie der Unfall eines Suffkopps aussieht. Das kann er nicht auf sich sitzen lassen, und so existiert er fortan als Geist weiter. Der einzige lebende Mensch, der ihn wahrnehmen kann, ist zufälligerweise eine komplett konträr veranlagte Persönlichkeit, nämlich der stets akkurate, etwas langweilige Gerichtsmediziner Martin.
Mit unterschiedlichen Motiven (Pascha will seinen Mörder finden und Martin will Pascha wieder los werden) macht sich das ungleiche Paar also an die Ermittlungen, was zu jeder Menge peinlichen und manchen brenzligen Situationen führt, und kommen schließlich im Kölner Rotlichtmilieu auf eine heiße Spur …

Kritik
Die Handlung wird in der Vergangenheitsform aus der Perspektive von Pascha erzählt, der in einem ziemlich derben und unverblümten Gossenslang redet. Seine Sicht der Dinge ist entsprechend amüsant, denn zu allem und jedem hat er gleich einen flotten Spruch und ein (Vor)Urteil parat. Martin ist in seinen Augen ein bemitleidenswert uncooler Labersack, Frauen sind granatengeile Schnecken. Natürlich merkt Pascha im Laufe der Handlung, dass Martins analytischer Verstand auch einige Vorzüge und die ein oder andere Frau neben „wohlgeformten Hupen“ auch was auf dem Kasten hat. Der Roman lebt vor allem von Paschas Betrachtungsweise auf Martins Durchschnittsleben und den komischen Dialogen zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren. Dadurch, dass Pascha für Martin nur als Stimme wahrnehmbar ist, und er mit seinem Wissensvorsprung durch seinen Geisterkumpan oft in Erklärungsnot gegenüber den Lebenden kommt, entstehen außerdem witzige, teils fast slapstickartige Situationen.
Der Kriminalfall rund um Paschas Ermordung ist eher nebensächlich und nicht besonders überraschend oder intelligent konstruiert. Es gibt auch kaum spannende Situationen, bzw. die Spannung wird durch Paschas Erzählweise wieder aufgehoben. Am Ende kommt plötzlich Tempo auf, und umso abrupter wirkt das halboffene Ende. Es ist eindeutig, dass hier noch eine Fortsetzung geplant ist, auch wenn der Kriminalfall aufgelöst ist. Und richtig, auf der Verlagsseite wird bereits der nächste Roman mit Pascha in der Hauptrolle angekündigt: „Im Kühlfach nebenan“ erscheint im Dezember 2009.

Fazit
Kurzweilige Unterhaltung für Urlaub, langweilige Reisezeiten oder gemütliche Sofasessions zum Abschalten und Lachen. Wer diese Art Humor nicht mag und wer sich vor allem für die Krimihandlung interessiert, ist mit diesem Buch schlecht bedient. Mir hat es aber gefallen, und so freue ich mich schon auf die Fortsetzung.

 4ratten
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"The difference between fiction and reality? Fiction has to make sense."
Tom Clancy

Heimfinderin

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #1 am: 29. November 2010, 21:18:12 »

Ich habe das Buch auch gerade gelesen und mich sehr amüsiert. Meine Meinung deckt sich mit campsys Kritik, auch ich habe den Fall an sich eher als nebensächlich empfunden, aber viel Spaß mit den lustigen Dialogen und skurillen Situationen gehabt, die unweigerlich entstehen, wenn eine menschliche Person von einem Geist "gelenkt" wird und die Umgebung dies natürlich nicht nachvollziehen kann.  :breitgrins:

Allerdings brauchte ich anfangs einen Moment, bis ich mich mit dem doch eher derben Charakter und seinen respektlosen Machosprüchen angefreundet hatte. Das war aber dann doch gar nicht so schwer, denn er war sprachlich tatsächlich lernfähig und wurde mir sogar noch sympathisch, auch wenn mir der arme Rechtsmediziner, der seine Anwesenheit ertragen musste, oft ganz schön leid tat. Aber so kam dieser wenigstens mal aus seiner eintönigen Routine heraus.  :zwinker:  Manchmal war es mir ein Zuviel an Sprüchen, was eben auch mal etwas überstrapaziert wirkte, meinem Spaß aber insgesamt keinen Abbruch tat.

Gelungen fand ich, wie der Ich-Erzähler den Leser immer mal wieder direkt ansprach und an seinen Beobachtungen teilhaben ließ. Etwas überrascht war ich dann von dem abrupten Ende. Es wirkte ein bisschen, als wäre der richtige Schluss vergessen worden, aber im Nachhinein passte es für mich. Und es gibt ja weitere Bände von denen der zweite offensichtlich gleich an diesen hier anschließt.

Ein schnell gelesener vergnüglicher Krimi mit einem extrem ungleichen Ermittlerduo, der mir Lust auf die weiteren Fälle gemacht hat.

 4ratten
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LIEBE GRÜßE
HEIMFINDERIN

Teetrinker

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #2 am: 09. Juni 2011, 07:24:16 »

Jutta Profijt - Kühlfach 4



Zitat
Kurzbeschreibung

    »Wer bist du?«, fragte er flüsternd.
»Ich bin Pascha, der Kerl aus dem Kühlfach vier.«
»Aber du bist tot, du kannst nicht mit mir sprechen«, wandte er ein.
»Hast du noch nie was von Nahtod gehört?
Die   Seele verlässt dem Körper und macht sich dann irgendwann auf den Weg   durch den Tunnel. Aber hier ist kein Tunnel, ich weiß nicht, wo ich hin   soll.«
Dr. Martin Gänsewein trägt Dufflecoat, fährt Ente und   sammelt Stadtpläne. Außerdem hat er täglich mit Leichen zu tun, denn er   ist Rechtsmediziner - und zwar ein gewissenhafter. Wo die Seelen der   Verstorbenen bleiben, überlässt er den Glaubenseinrichtungen der   Angehörigen. Bis die Seele eines kleinkriminellen Prolls sich im   Institut einnistet und behauptet, ermordet worden zu sein. Pascha   verlangt von Gänsewein die Aufnahme der Ermittlungen ...


Die Seele von Pascha (eigentlich Sascha), einem verstorbenen Kleinkriminllen, nimmt Kontakt zu einem konservativen Pathologen auf um ihm klar zu machen, dass sein Tod kein Unfall war, sondern Mord... und so ziehen beide los um den Mord zu klären. Dabei kommt es zu vielen durchaus witzigen Situationen und Beschreibungen... die recht derbe Sprache des Pascha kollidiert dabei stark mit der von Martin, dem Pathologen... manchmal auch ein bisl zu übertrieben. Die Erzählung erfolgt aus sicht von Pascha, der "von oben" beobachtet...
Insgesamt sehr schön erzählt, recht spannend und vorallem witzig... Der überraschende abrupte Schluss dagegen ist etwas störend...


 4ratten


ich werd wohl demnächst Band 2 lesen müssen...


« Letzte Änderung: 09. Juni 2011, 15:14:59 von Teetrinker »
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Mrs.MiaWallace

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #3 am: 09. Juni 2011, 13:59:41 »

Klingt toll, die Reihe. Mal etwas ganz anderes aus der Pathologie  :breitgrins:
Im Moment brauche ich eher "leichte Kost", da paßt das Buch ideal. Wird gleich gemerkt.


Schöne Rezensionen habt ihr alle geschrieben  :winken:
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Kiala

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #4 am: 24. Januar 2012, 11:56:35 »

Dieser Roman war auf meinem Sony schon vorinstalliert. Ein Geschenk sozusagen. Eigentlich wollte ich ihn auch jetzt nicht lesen, aber mit akuter Magen-Darm-Grippe und einer Wärmflasche auf dem Bauch war ich nicht sonderlich mobil und irgendwie öffnete ich das Buch aus Versehen.
Und da es nun schon mal geöffnet war, begann ich gleich zu lesen.

Und ich habe es nicht bereut!
Der kleine Krimi lenkte mich für einige Stunden gut ab! Und was will man mehr, wenn man sich hundeelend fühlt? 

Pascha, der uns seine Geschichte als Geist selber erzählt, ist der reinste Antiheld. Ein Kleinkrimineller mit frecher Klappe, drogensüchtig, spielsüchtig und sauch onst mehr als antriebslos. Man sollte meinen, dass er dadurch Sympathiepunkte verliert, aber durch seine immer wieder einfließende Selbstreflektion ist das nicht der Fall.
Im Laufe der Handlung wird dem Leser klar, wie Pascha so abrutschen konnte und Pascha selbst wird klar, wie idiotische er sein eigenes Leben vermurkst hat.

Das ist allerdings kein Grund zum Trübsalblasen!
Aber als dummer Betrunkener, der aus eigener Schuld eine Baustellenüberführung hinuntergepurzelt ist, will er nun nach seinem Tod nun auch nicht da stehen!
Deshalb muss der einzige Mensch ran, der ihn nach seinem Tod hören kann: Der Pathologe Martin Gänsewein.
Und der ist das totale Gegenteil zu Pascha. Ein hochintelligenter Wissenschaftler, kultiviert, aber eher linkisch im Umgang mit dem schönen Geschlecht.
Warum ausgerechnet Martin Pascha hören kann wird nicht erklärt. Das ist auch nicht nötig, damit die Geschichte funktioniert. Es ist eben so.
Das Buch lebt so hauptsächlich von Paschas respektlosen Sprüchen und vom Gegensatz der beiden Hauptcharaktere.

Allzu viel darf man von der Geschichte aber nicht erwarten. Sie lebt hauptsächlich von der Situationskomik. Der Kriminalfall selbst ist eher banal und mehr Kulisse als wirkliche kriminalistische Herausforderung. Zumindest als Leser ahnt man schnell wie die Zusammenhänge aussehen und gerade zum Ende hin, konnte ich nur den Kopf schütteln, weil sowohl Pascha als auch Martin anscheinend einfach nicht nachdenken und naiv/trampelig von einer gefährlichen Situation in die nächste schlittern.
Leider bleiben auch die Nebenpersonen eher blass und sind wenig präsent.

Zum Schluss hin ging mir alles etwas zu schnell. Zwar kann das Ende durchaus so stehen bleiben, ist durchaus witzig und originell, aber ich war schon etwas frustriert, weil man als Leser etwas im Regen stehen gelassen wird. Zum Glück hatte ich dank Sony jedoch gleich eine Leseprobe für den Folgeband auf dem Reader.
Jetzt bin schwer am Kämpfen, ob ich mir nicht die Fortsetzung kaufen soll...

Fazit: Witzige Idee!

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Kirsten

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #5 am: 24. Januar 2012, 12:09:44 »

Hallo!

Zum Schluss hin ging mir alles etwas zu schnell. Zwar kann das Ende durchaus so stehen bleiben, ist durchaus witzig und originell, aber ich war schon etwas frustriert, weil man als Leser etwas im Regen stehen gelassen wird. Zum Glück hatte ich dank Sony jedoch gleich eine Leseprobe für den Folgeband auf dem Reader.
Jetzt bin schwer am Kämpfen, ob ich mir nicht die Fortsetzung kaufen soll...

Das ist auch eine gute Verkaufsstrategie :zwinker: Die Idee einen Geist ermitteln zu lassen hat etwas für sich. Ich habe vor einiger Zeit einen Krimi aus der Sicht des vermeintlichen Opfers gelesen, das ermittelt hat und der auch einen gewissen Witz hatte. Diesen Krimi habe ich mir notiert, denn es muss ja nicht immer bierernst zugehen wenn man (s)einen Mörder sucht.

Liebe Grüße
Kirsten
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Kiala

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #6 am: 24. Januar 2012, 12:35:41 »

Das ist auch eine gute Verkaufsstrategie :zwinker:
Wohl wahr!
Bei mir ist sie voll aufgegangen!  :redface: :breitgrins:
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Mascha

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #7 am: 24. Januar 2012, 15:28:53 »

Ich hatte es auch auf dem Sony, sonst wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen das Buch zu lesen. Es hat aber dann großen Spaß gemacht und ich habe oft schmunzeln und manchmal sogar richtig lachen müssen. Genau das richtige zum Zeitvertreib.
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Gruß Mascha

kleinerHase

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Re: Jutta Profijt - Kühlfach 4
« Antwort #8 am: 25. Januar 2012, 18:15:41 »

Habe das Buch schon so oft in diversen Buchhandlungen betrachtet und ich glaube, ich packe es nun erst mal auf meine Wunschliste. Ich hoffe, es dann bald lesen zu können, ihr habt mich wieder einmal neugierig gemacht.  :smile:
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