So, dann fange ich gleich mal damit an, mein Buch vorzustellen.


Meine Wahl fiel auf den Kurzgeschichtenband
Đoàn Lê - Dubbelsängen i Chua. Chua ist ein
Dorf in Vietnam, was sich durch den Titel der englischen Übersetzung "beweisen" lässt:
The Cemetery of Chua Village. Eine deutsche Übersetzung existiert soweit ich weiß nicht. Leider, kann ich nach 3 gelesenen Geschichten sagen.
Lê (oder Đoàn; keine Ahnung, was bei vietnamesischen Namen der Familienname ist

) bietet in einer schönen Sprache Einblicke in das Leben in Vietnam. Es vermischen sich fremde Elemente - die vietnamesische Kultur ist mir eher unbekannt - und bekannte, allgemeinmenschliche Probleme in einer Weise, die mich sehr anspricht.
In der ersten Geschichte
Der Friedhof berichtet einer der "Bewohner" von einem Neuankömmling auf dem Dorffriedhof. Die Gemeinschaft der Toten ist gleichermaßen aufgeregt und neugierig, hatten sie doch das Gespräch der Totengräber belauscht, die erzählten, der Neue würde in einem gläsernen Sarg - was auf eine illustre Herkunft schließen lässt - begraben werden. Und ganz richtig ist die Leiche auch in eine ordensgeschmückte Uniform gekleidet. Bei der üblichen Befragung des neuen Mitbewohners stellt sich dieser jedoch als einfacher pensionierter Elektriker vor. Im Leichenhaus war seine Leiche "irrtümlicherweise" mit der eines Generals vertauscht worden und beinahe wäre er unter falschem Namen beerdigt worden. Doch in letzter Minute hatte sein Sohn seine Leiche ausfindig gemacht, und da ein Toter unter keinen Umständen wieder aus seinem Sarg herausgeholt werden darf, wurde er eben mit faischen Federn geschmückt bestattet.
In
Die Kunst des Fliegens wird ein wohnungssuchender ehemaliger Zirkusartist bei Verlassen des Wohnungsamtes in eine Fliege verwandelt, denn wie der Beamte sagte: "So wenig Honig, so viele Fliegen", womit er meinte, dass die vorhandenen Wohnungen einfach nicht den Bedarf decken könnten. Noch völlig verwirrt von seiner neuen Gestalt wird ihm von einer anderen Fliege, die vor dem Wohnungsamt auf neue Verwandelte wartete, auf einen großen Kongress mitgenommen, auf dem die Fliegen, die das gleiche Schicksal erlitten hatten, Wege finden wollen, um die Menschen auf das Wohnungsproblem aufmerksam zu machen und eine Lösung zu verlangen. Doch auch die Fliegengesellschaft unterscheidet sich nicht wirklich von der der Menschen. Auch hier gibt es Leute, die nicht nur das Sagen haben, sondern auch dafür sorgen, immer das Beste für sich und die Ihren zu bekommen. Die einfache, kleine Fliege muss auch hier mit den Überresten begnügen.
Ein Fragezeichen für Gott erzählt von den Träumen einer verkrüppelten Zeitungsverkäuferin, die ein unbeachtetes Leben in einem kleinen Mietshaus führte. Was in ihr vorging, das erfährt ihr Nachbar erst, als er nach ihrem Tod ihre Tagebücher liest, was ihm deutlich werden lässt, wieviel sich auch hinter dem unauffälligsten Schicksal verbirgt. Welche Dramen sich in seiner eigenen Seele abspielen, darüber kann der Leser nur spekulieren.
Als nächstes kommt die Titelgeschichte
Das Doppelbett in Chua an die Reihe.