„Das Lied der Dunkelheit“ ist der Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe, die schon jetzt zu meinen Lieblingsreihen zählt und einen Ehrenplatz im Best-Of-Regal bekommt.
In einer mittelalterlich anmutenden Welt fürchten sich die Menschen zu Recht vor der Dunkelheit. Jede Nacht werden sie von Dämonen heimgesucht, die Jagd auf sie machen. Ihre Häuser schützen die Menschen mit magischen Zeichen, doch wehe dem, der sein Siegel nicht gründlich genug gezeichnet hat, oder dem die Witterung auch nur einen Strich undeutlich werden ließ. Die Horclinge finden jede Lücke im Schutzschild und nutzen sie gnadenlos aus. Wer ihnen in die Krallen gerät, von dem bleibt meist nicht mehr viel übrig.
Arlen muss mit ansehen, wie seine Mutter bei einem solchen Dämonenangriff ums Leben kommt, während sein Vater sich voller Angst hinter den Siegeln versteckt. Darauf hin schwört er, lieber zu kämpfen als sich der Höllenbrut ängstlich zu ergeben. Vor dieser Entscheidung stehen die Menschen dieser Tage ständig, sollen sie um das kämpfen was ihnen wichtig ist, oder sich einfach in ihr Schicksal ergeben?
Doch die Geschichte berichtet nicht nur von Arlen und seinem Kampf gegen die Dämonen. Auch Leesha und Rojer begleiten wir auf ihrer Suche nach dem für sie richtigen Weg, in einer Welt, deren Regeln sie ebenso einschränken wie die Horclinge.
Nicht immer mussten die Menschen in Thesa ohne Technik auskommen. Erst der erneute Ausbruch der Dämonen zerstörte die einst technisierte Welt, die als unserer heutigen sehr ähnlich beschrieben wird und warf sie zurück auf einen mittelalterlichen Stand. Da Reisen die länger als einen Tag währen sehr gefährlich sind, nachts gibt es kaum Schutz auf den Straßen, wagen nur wenige die weiteren Wege. Dadurch wird nicht nur der Handel erschwert, auch wertvolles Wissen geht durch den fehlenden Austausch verloren.
„Das Lied der Dunkelheit“ ist ein wundervolles Buch, das es schafft durchgehend spannend zu sein. Nie wurde mir langweilig, immer wieder steigert sich die Spannung kurzzeitig sogar noch und ich vergas fast zu atmen. Nur zu gut kann man sich vorstellen, wie sich die Menschen fühlen, wenn sie nachts in ihren Häusern eingesperrt sind und die Horclinge an den Siegeln kratzen und versuchen einzubrechen. Auch die absolut unterschiedlichen Lebensweisen der Dörfler und der Stadtbewohner sind sehr gut beschrieben, man kann sich in jede von ihnen hineindenken. Die Charaktere sind plastisch, entwickeln sich während der Geschichte immer weiter und man möchte sie am Ende gar nicht verlassen. Peter V. Brett hat es geschafft, dass mir alle drei Hauptcharaktere gleich sympathisch waren, es gab kein Kapitel bei dem ich gerne zu einem anderen Charakter gewechselt hätte.
Es fällt mir schwer, meine Begeisterung für das Buch in Worte zu fassen. Zusammen mit „Der Name des Windes“ von Patrick Rothfuss ist es die beste Fantasy, die ich seit langem gelesen habe. Mit Tolkien würde ich es nicht vergleichen, da seine Leistung die Schaffung einer exakt ausgearbeiteten komplexen Welt war. Aber mit Robin Hobb, Tad Williams oder auch George R. R. Martin würde ich sowohl Rothfuss als auch Brett gleich setzen.
Für April 2010 ist die Fortsetzung angekündigt, mit dem Titel „Das Flüstern der Nacht“. Ich freue mich schon sehr darauf und kann es kaum erwarten.
Wer mal wieder in eine atmosphärische mittelalterliche Welt versinken möchte, aus der man am liebsten gar nicht mehr auftauche würde, sollte sich dieses Buch gönnen.
