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Autor Thema: Tilman Röhrig - Riemenschneider  (Gelesen 599 mal)

HoldenCaulfield

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Tilman Röhrig - Riemenschneider
« am: 01. Juni 2009, 17:53:30 »



Titel: Riemenschneider
Autor: Tilman Röhrig

Allgemein:
621 S.; Piper Verlag; 2008; 19.90 €

Inhalt:
Würzburg 1492: Fast einen Skandal beschwört Tilman Riemenschneider mit seinem Adam und seiner Eva herauf, als er die beiden biblischen Menschen für den Eingang der Marienkapelle aus Stein meißeln soll. Nicht nur das die beiden nackt sind, nein es heißt auch das er das Vorbild für die Eva nackt Modell hat stehen lassen. Doch das Gerücht entspricht der Wahrheit, nur mit Mühe kann Riemenschneider dieses wieder aus der Welt schaffen. Dabei ist sogar seine Frau Anna rasend eifersüchtig auf Magdalena. So ganz unrecht hat sie damit allerdings nicht, wenn auch anders als sie glaubt. Riemenschneider und seine Eva, wie er Magdalena von nun an nennt, bleiben für immer miteinander verbunden, auch als der Künstler zum zweiten Mal, dritten und vierten Mal heiratet und auch als die Reformation und die Bauernkriege die Stadt erschüttern...

Meine Meinung:
Mit den Romanen von Röhrig tue ich mich Anfangs immer etwas schwer, auch hier war dies wieder der Fall. Doch nach ein paar Kapiteln und weil ich die Muse hatte mal länger als eine halbe Stunde am Stück dranzubleiben, konnte ich völlig darin eintauchen. Die Geschichte von Tilmann Riemenschneider vermischt sich hier mit den Bauernkämpfen und der Geschichte von Götz von Berlichingen, sowie der Reformation durch Luther. Wobei der Fokus schon sehr auf Riemenschneiders Leben liegt. Durch die Einbettung in die Geschehnisse wirkt aber alles viel lebendiger und echter. Zum Teil hatte man wirklich das Gefühl: genauso könnte es gewesen sein! Zum Teil waren mir aber so manche Verwicklungen etwas zu dick aufgetragen. Gerade Riemenschneiders Beziehung zu Magdalena war schon etwas arg übertrieben dargestellt.  Außerdem ist es manchmal schon etwas zu viel des Guten weil alles so seinen Gang nimmt, erst gegen Ende geschieht etwas wirklich negatives.
Aber dennoch:
Irgendwie möchte man weiter lesen. Der Autor schaffte es mich zu fesseln. Die Mischung aus geschichtlichen  Ereignissen, auch Martin Luther bekommt seinen Platz in diesem Roman, und der Lebensgeschichte des Künstlers Riemenschneider, hat mir gefallen. Vor allem auch Röhrigs Beschreibungen konnten mich überzeugen.  Ich war so neugierig das ich die beschriebenen Kunstwerke erstmal googeln musste um mir selbst ein Bild machen zu können. 
Wie gesagt ein bisschen schwer tue ich mich zu weilen mit den Roman von Röhrig, aber ich finde es lohnt sich immer wieder am Ball zu bleiben!

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Ciriana

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Antw:Tilman Röhrig - Riemenschneider
« Antwort #1 am: 01. Juni 2009, 22:52:10 »

Hi,
da warst du aber jetzt schnell mit dem Lesen.  :smile:
Danke für deine Rezi, hast mich jetzt schon neugierig gemacht. Ich bin gespannt, wie mir das Buch gefallen wird. Ich tue mich ja auch manchmal schwer mit Röhrig.
Viele Grüße
Ciriana
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Kirsten

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Antw:Tilman Röhrig - Riemenschneider
« Antwort #2 am: 02. Juni 2009, 05:25:34 »

Hallo!

Ich habe das Riemenschneider meiner Schwester geschenkt und von ihr auch nur gutes darüber gehört. Sie hat es mir vor einiger Zeit schon mal angeboten und mit dieser Rezi ist die Vorfreude nur noch größer geworden :smile:

Liebe Grüße
Kirsten
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HoldenCaulfield

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Antw:Tilman Röhrig - Riemenschneider
« Antwort #3 am: 02. Juni 2009, 08:53:55 »

@Ciriana
Na ja ich hab ja am Samstag ziemlich lang in der Bibliothek gelesen.

@Kirsten
Das freut mich!
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Valentine

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Antw:Tilman Röhrig - Riemenschneider
« Antwort #4 am: 09. März 2010, 12:32:56 »

Ende des 15. Jahrhunderts entsteht in Würzburg die Marienkapelle, und der Bildschnitzermeister Tilman Riemenschneider hat den Auftrag erhalten, die Portalfassade mit Figuren auszustatten, darunter Adam und Eva. Um sie möglichst naturgetreu erschaffen zu können, sucht Til ein Modell und findet die perfekte Eva in der Bauersfrau Magdalena aus einem kleinen Dörfchen in der Nähe. Nackt Modell zu stehen ist für die damalige Zeit reichlich skandalös, doch Meister Til geht mit viel Feingefühl zu Werke, und Magdalena verliert ihre anfängliche Scheu recht schnell.

Die große Plage jener Zeit sind die marodierenden Söldnerhorden, die im Auftrag des Bischofs den Bauern den Zehnten abpressen und denen auch bald Haus und Hof von Magdalenas Mann zum Opfer fallen - wie auch er selbst. Mittellos und schwanger ist sie der Verzweiflung nahe, auf Tils Vermittlung hin kommt sie jedoch in Würzburg unter.

Til arbeitet inzwischen an verschiedensten Aufträgen für große Altäre, Heiligenfiguren und Grabmälern und wird als angesehener Bürger in den Rat der Stadt Würzburg berufen. Währenddessen schließen sich im ganzen Land die Bauern zum "Bundschuh" zusammen, geheimen Vereinigungen, die sich an Adel und Klerus für Unterdrückung und Ausbeutung rächen wollen, und in Thüringen sagt ein junger Mönch den Mißständen in der Kirche den Kampf an.

Vor diesem historischen Hintergrund voller Zündstoff malt Tilman Röhrig ein detailliertes Bild seines berühmten Namensvetters. Es gelingt ihm, die geschichtlichen Fakten mit Leben zu füllen und den Alltag in der Bildhauerwerkstatt ebenso anschaulich zu schildern wie die rauhen Töne in den Heereslagern eines gewissen Götz von Berlichingen oder die Ränkespielchen im Rathaus.

Eingehendere Charakterzeichnungen gibt es nur bei den Hauptpersonen wie Til und Magdalena, was aber nicht weiter schlimm ist, weil die Nebenfiguren zwar manchmal eher eindimensional, aber trotzdem glaubwürdig sind. Erfreulich auch, dass auf schmalzige, unglaubwürdige Wendungen verzichtet wird.

Das mittelalterliche Würzburg ist sehr gut eingefangen und die Beschreibungen von Tils Kunstwerken einfach wunderschön. Für mich hätte es auch gereicht, sich lediglich auf Riemenschneiders eigene Geschichte zu konzentrieren. Die Exkurse zu den Bauernführern, zu Götz von Berlichingen oder Martin Luther waren nicht uninteressant, lieber habe ich jedoch von Til selbst gelesen. Insgesamt ein lesenswerter, süffig geschriebener und wohl auch gut recherchierter Roman über einen der berühmtesten Söhne Würzburgs.

4ratten
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Until I feared I would lose it, I never loved to read. One does not love breathing.
Harper Lee, To Kill a Mockingbird

Wer lesen kann, hat ein zweites Paar Augen, und er muss nur aufpassen, dass er sich dabei das erste Paar nicht verdirbt.
Erich Kästner