Ende des 15. Jahrhunderts entsteht in Würzburg die Marienkapelle, und der Bildschnitzermeister Tilman Riemenschneider hat den Auftrag erhalten, die Portalfassade mit Figuren auszustatten, darunter Adam und Eva. Um sie möglichst naturgetreu erschaffen zu können, sucht Til ein Modell und findet die perfekte Eva in der Bauersfrau Magdalena aus einem kleinen Dörfchen in der Nähe. Nackt Modell zu stehen ist für die damalige Zeit reichlich skandalös, doch Meister Til geht mit viel Feingefühl zu Werke, und Magdalena verliert ihre anfängliche Scheu recht schnell.
Die große Plage jener Zeit sind die marodierenden Söldnerhorden, die im Auftrag des Bischofs den Bauern den Zehnten abpressen und denen auch bald Haus und Hof von Magdalenas Mann zum Opfer fallen - wie auch er selbst. Mittellos und schwanger ist sie der Verzweiflung nahe, auf Tils Vermittlung hin kommt sie jedoch in Würzburg unter.
Til arbeitet inzwischen an verschiedensten Aufträgen für große Altäre, Heiligenfiguren und Grabmälern und wird als angesehener Bürger in den Rat der Stadt Würzburg berufen. Währenddessen schließen sich im ganzen Land die Bauern zum "Bundschuh" zusammen, geheimen Vereinigungen, die sich an Adel und Klerus für Unterdrückung und Ausbeutung rächen wollen, und in Thüringen sagt ein junger Mönch den Mißständen in der Kirche den Kampf an.
Vor diesem historischen Hintergrund voller Zündstoff malt Tilman Röhrig ein detailliertes Bild seines berühmten Namensvetters. Es gelingt ihm, die geschichtlichen Fakten mit Leben zu füllen und den Alltag in der Bildhauerwerkstatt ebenso anschaulich zu schildern wie die rauhen Töne in den Heereslagern eines gewissen Götz von Berlichingen oder die Ränkespielchen im Rathaus.
Eingehendere Charakterzeichnungen gibt es nur bei den Hauptpersonen wie Til und Magdalena, was aber nicht weiter schlimm ist, weil die Nebenfiguren zwar manchmal eher eindimensional, aber trotzdem glaubwürdig sind. Erfreulich auch, dass auf schmalzige, unglaubwürdige Wendungen verzichtet wird.
Das mittelalterliche Würzburg ist sehr gut eingefangen und die Beschreibungen von Tils Kunstwerken einfach wunderschön. Für mich hätte es auch gereicht, sich lediglich auf Riemenschneiders eigene Geschichte zu konzentrieren. Die Exkurse zu den Bauernführern, zu Götz von Berlichingen oder Martin Luther waren nicht uninteressant, lieber habe ich jedoch von Til selbst gelesen. Insgesamt ein lesenswerter, süffig geschriebener und wohl auch gut recherchierter Roman über einen der berühmtesten Söhne Würzburgs.
