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Autor Thema: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad  (Gelesen 713 mal)

Saltanah

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Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« am: 24. Mai 2009, 03:48:05 »



In diesem Büchlein hat Seid einige Erzählungen gesammelt, die man sich laut Vorwort in den Dörfern Tschads beim abendlichen Beisammensein erzählt(e). Teils sind dies Geschichten aus der Vergangenheit des Landes, in denen über frühere Herrscher berichtet wird, teils Märchen und Fabeln.

Die historischen Geschichten stießen bei mir auf Abneigung; heldenhaft verklärte Überfälle auf Nachbarländer, die man ja nur sozusagen prophylaktisch vorgenommen hatte, weil die Nachbarn sonst sicher von sich aus angegriffen hätten, mag ich auch in afrikanischem Gewand nicht.
Besser haben mir dagegen die Märchen gefallen, die einerseits in ihrer Tier- und Pflanzenwelt "exotische" Züge aufweisen, andererseits aber auch stark an wohlbekannte Märchen erinnern - wie das eben mit Märchen so ist. In exotischem Setting werden auch hier Geschichten von bösen Stiefmüttern, magischen Gegenständen oder unsterblicher Liebe erzählt.

Dies ist nett zu lesen, wobei mich die Sprache mit einer gewissen Steifheit nicht ganz überzeugen konnte. Oder ist sie vielleicht ein Zeichen von "afrikanischem Englisch", das sich sicher von europäischem oder amerikanischem unterscheidet.
Ein Buch, das aufgrund seiner Kürze schnell gelesen, aber keinen tieferen Eindruck hinterlässt.

3ratten
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Aldawen

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #1 am: 24. Mai 2009, 06:36:18 »

Unglaublich, eine Rezi von Saltanah  :breitgrins:  Was die Sprache angeht: Die Ausgangssprachen der mündlichen Erzählungen sind vermutlich nilo-saharanische oder tschadische Sprachen. Arabisch ist recht verbreitet, das dürfte vor allem den Norden des Landes betreffen. Und offizielle Amtssprache ist Französisch. Ich habe jetzt keine Lust das Buch rauszusuchen, aber wenn Seid die Erzählungen auf Englisch niedergeschrieben hat, dann dürfte es sein Dritt- oder gar Viertsprache sein. Das wäre dann genauso, als wenn ich deutsche Märchen auf Französisch niederschriebe, da fehlten mir auch viele Ausdrucksmöglichkeiten.

Böse Stiefmutter? Hm, dann müßte ich es vielleicht doch mal schnell raussuchen, das käme mir für eine Diskussion andernorts gerade gut gelegen ...

Schönen Gruß,
Aldawen
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Saltanah

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #2 am: 24. Mai 2009, 06:50:11 »

Zu der Sprache: ich habe mich da ungenau ausgedrückt. Seid hat das Buch auf Französisch geschrieben, aber seine Übersetzerin ins Englische stammt - wenn ich ihre kurze Anmerkung zur Übersetzung richtig verstanden habe - ebenfalls aus Afrika. Daher nahm ich an, dass sie aus einem afrikanisch beeinflussten Französisch ein ebenso angehauchtes Englisch machte.

Die böse Stiefmutter findest du in Geschichte 7, "Gamar and Guimerie".
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Aldawen

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #3 am: 24. Mai 2009, 06:57:32 »

Zu der Sprache: ich habe mich da ungenau ausgedrückt. Seid hat das Buch auf Französisch geschrieben, aber seine Übersetzerin ins Englische stammt - wenn ich ihre kurze Anmerkung zur Übersetzung richtig verstanden habe - ebenfalls aus Afrika. Daher nahm ich an, dass sie aus einem afrikanisch beeinflussten Französisch ein ebenso angehauchtes Englisch machte.

Dann ist immer noch die Frage, woher die Übersetzerin stammt. Wenn sie auch aus dem frankophonen Afrika kommt, ändert das am oben beschriebenen Problem nämlich gar nichts. Und jetzt geh ich die Stiefmutter suchen  :breitgrins:


Etwas später:
So, jetzt habe ich das Büchlein auch vorliegen. Auf der Rückseite steht, die Übersetzerin komme ursprünglich aus Irland, sie hat in New York promoviert und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in Südafrika an der North-West University gearbeitet. Wenn dann das Englisch steif daherkommt, ist es vermutlich eher ein Problem der Übersetzerin als der Ausgangsgeschichten, möglicherweise, weil ihr über das linguistische hinaus die kulturelle Nähe fehlt, um es gut übersetzen zu können. Aber das sind jetzt bloße Vermutungen ...
« Letzte Änderung: 24. Mai 2009, 07:09:19 von Aldawen »
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bumbelbee

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #4 am: 24. Mai 2009, 11:13:55 »

@Saltanah
Danke für die Rezi! :klatschen:
Tja, ich wusste wohl noch nicht, dass du angeblich ein Rezi-Muffel bist, deshalb finde ich es toll eine von dir zu lesen. :breitgrins:
Told by Starlight klang für mich nach einem recht guten Buch, aber da du die Übersetzung nicht so gut findest, überleg ich mir mal, ob es auch bei mir einzieht... :gruebel:
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tinius

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #5 am: 24. Mai 2009, 21:50:19 »

Dr. Karen Haire - Hoenig stammt aus Irland, hat in New York promoviert und arbeitet derzeit in einem Forschungsprojekt in Südafrika.
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Aldawen

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #6 am: 24. Mai 2009, 22:22:17 »

Dr. Karen Haire - Hoenig stammt aus Irland, hat in New York promoviert und arbeitet derzeit in einem Forschungsprojekt in Südafrika.

Ja, das hatte ich ja auch schon geschrieben, weil es hinten auf dem Buch stand  :breitgrins:
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Saltanah

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #7 am: 25. Mai 2009, 01:34:10 »

 :redface: Ach je, was hinten auf dem Buch über die Übersetzerin stand, habe ich anscheinend verdrängt.
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tinius

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #8 am: 25. Mai 2009, 02:44:26 »

Und ich sollte nicht gleichzeitig in die USA telefonieren und Forenbeiträge lesen.  :redface:
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Aldawen

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Re: Joseph Brahim Seid - Told by Starlight in Chad
« Antwort #9 am: 26. November 2011, 15:07:51 »

Im Gegensatz zu Saltanah haben mir die Geschichten insgesamt recht gut gefallen, ohne eine Gruppe explizit auszunehmen. Neben einigen Märchen und Fabeln, die sich von unseren nur durch ein etwas anderes Setting unterscheiden, gibt es auch einige, mit denen richtiges Verhalten gelehrt (bspw. warum man nicht mit einem Netz jagt) oder die Umwelt erklärt (bspw. warum der Mond ab- und zunimmt) werden soll und eben solche, die auf frühere Herrscher und die Geschichte Bezug nehmen. Auch bei den Erzählungen über diverse Herrscher steht aber, trotz der Kriege, die geführt werden, die Frage nach guter und gerechter Herrschaft im Mittelpunkt, wobei durchaus Herrschern und Beherrschten Rechte und Pflichten zugewiesen werden. Daß der heutige Tschad von diesen Idealbildern weit entfernt ist und es selbst zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung von Seids Sammlung 1962 wohl war, macht sie dabei nicht weniger interessant, sondern beweist vielmehr, daß die Menschen überall ein Gespür dafür haben, daß Gesellschaften nicht zu ungleichgewichtig organisiert sein dürfen.

Sprachlich hätte ich es mir an manchen Stellen auch etwas „farbiger“ gewünscht, aber dafür waren die Geschichten zum überwiegenden Teil auch einfach zu kurz, obwohl sie sicher Raum für Ausschmückungen geboten hätten. Letzteres ist aber für die eigentliche Zielgruppe wohl auch nicht nötig, sondern eher spannendes „Beiwerk“ für jemanden, der nicht dieser Kultur entstammt. Abgesehen davon dürfte manches auch dem mindestens zweifachen Transfer von einer Sprache in die andere (Ausgangssprache -> Französisch -> Englisch) geschuldet sein, das tut der Sprache selten gut, weil wie beim Stille-Post-Spiel einfach Verluste eintreten.

 3ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß
Aldawen
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