
KurzbeschreibungPrivatdetektiv Pepe Carvalho, Flaneur und Bonvivant, Kommunist und Feinschmecker, muss nicht mehr nur treulosen Ehefrauen nachspionieren - endlich wieder ein lukrativer Fall aus der unheiligen Allianz von Politik und Kapital: Der reiche Unternehmer Stuart Pedrell hat sich für immer in die Südsee verabschiedet, doch ein Jahr später liegt er auf einem Baugelände bei Barcelona - erstochen. Offensichtlich hat er keinen Tag in der Südsee verbracht. Als einziges Indiz findet sich in seiner Tasche ein Zettel mit einer merkwürdigen Notiz. Pepe Carvalho steht vor einem großen Rätsel, denn es ist alles viel komplizierter, als die Polizei ahnt.
Meine EindrückeWo kann man sich ein Jahr lang verbergen, noch dazu offensichtlich in seiner eigenen Heimatstadt, ohne dass man auffällt? Stuart Pedrell scheint es geschafft zu haben: Statt Südsee-Aroma pure Barcelona-Luft. Carvalho wird von der Witwe beauftragt, dieses mysteriöse Jahr zu rekonstruieren. Aber eher, weil sie es einfach wissen will als aus Liebe zu ihrem Mann, der idealistisch und verträumt zu sein schien. Carvalho tappt lange im Dunkeln, bis ihm ein Blick auf den Stadtplan eine Lösung verrät.
Das Beste am Buch war Seite 84. Dort beschreibt Vázquez so ausführlich, wie Carvalho Auberginen zubereitet, dass ich das gleich ausprobiert habe. Ansonsten aber ein eher dröppeliges Buch. Zwar fand ich es interessant zu verfolgen, wie Stuart Pedrell sein letztes Jahr verbracht hat und wie ihm Carvalho auf die Schliche kommt. Aber für mich langatmig bis eintönig fielen die Gespräche und Gedankengänge über Revolution, Politik, Literatur, Liebe, das Leben und den ganzen Rest aus. Die philosphischen Litaneien habe ich immer wieder quergelesen.
Ganz zum Schluss nochmal, als wir gerade die Lektion lernen, dass sowohl Reiche als auch Arme unmoralisch und fies sind, kommt es zu einem zweiten sinnlosen Ausbruch an Gewalt. Das Ende hätte besser plätschernd bleiben sollen, auch wenn es passt, denn Carvalho mag zwar Privatdetektiv sein, aber schlau bin ich aus ihm nicht geworden. Er ist ein Lebenskünstler, aber bei mir ist dieser Begriff nicht unbedingt mit Bewunderung gepflastert.
