
Urs Widmer, Das Buch des Vaters (2004)
An seinem zwölften Geburtstag bekommt sein Vater, Karl Widmer, ein Buch geschenkt. Es ist ein „weißes Buch“, ein Buch voll leerer Seiten, die von ihm beschrieben werden sollen. Er erfüllt diese Aufgabe, Tag für Tag, sein Leben lang, und erst nach seinem Tod, so will es die Tradition, darf das Buch von dem Sohn gelesen werden. Doch als der Vater stirbt, ist das Buch verschwunden, von der Mutter entsorgt – und kann nicht mehr von seinem Sohn gelesen werden. Darum beschließt Urs Widmer das Buch ein zweites Mal zu schreiben,
Das Buch des Vaters.
Sein Vater hatte, so scheint es, ein reiches Leben, geprägt von der Liebe zu Frauen und der noch größeren Leidenschaft für seine Bücher. Karl Widmer war ein Genussmensch mit Hingabe, ein Freund zahlreicher Künstler und Schriftsteller, ein eifriger Übersetzer französischer Klassiker, ein kommunistischer Lehrer ohne politische Ambitionen, ein fast treuer Ehemann, ein widerborstiger Choleriker und ein Vater, der seinen Sohn immer mit Kosenamen ansprach. Seine Geschichte berichtet auf stets humorvolle Weise von glücklichen Zeiten, mit ruhigen aber doch berührenden Worten von unruhigen Zeiten.
Das Buch des Vaters, geschrieben über Jahrzehnte eines Lebens, ist aber zugleich auch ein Stück Schweizer Zeitgeschichte. Und so erzählt der Vater von der Angst vor dem Einmarsch der Deutschen und der Utopie einer kommunistischen Gemeinschaft, erzählt von den großen Hoffnungen und schmerzlichen Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts, von historischen Ereignissen, die sein Leben beeinflussten. - Ja, Karl Widmer
hatte ein (ereignis)reiches Leben und es ist schwer, eigentlich unmöglich, dieses mit nur wenigen Worten zu beschreiben, denn es war noch so viel mehr...
Fazit: Ich habe bis jetzt nichts weiter von oder über Urs Widmer gelesen und kann daher nicht beurteilen, wie viel in diesem autobiographischen Roman Fiktion und Realität ist. Nichtsdestotrotz eröffnet sich dem Leser das erfüllte Leben eines Mannes, Vaters, Freundes und Büchernarren, der sein Leben in vollen Zügen genossen hat und in guten wie in schlechten Zeiten Zuflucht bei seinen Büchern fand.
Das Buch des Vaters ist eine bezaubernde und humorvolle Geschichte über ein interessantes Leben, geschrieben von einem liebenden Sohn.

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