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Autor Thema: Petra Ivanov - Fremde Hände  (Gelesen 557 mal)

Bettina

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Petra Ivanov - Fremde Hände
« am: 21. April 2009, 13:41:26 »



Kurzbeschreibung
In einer Kehrrichtverbrennungsanlage in Zürich Nord wird in einer Auto-Dachbox die Leiche einer jungen Frau gefunden. Bezirksanwältin Regina Flint und Kriminalpolizist Bruno Cavalli machen sich auf die Suche nach den Tätern. Im Zürcher Rotlichtmilieu kommen sie Frauenhändlern auf die Spur, die vor nichts zurückschrecken. Je verworrener die Spuren werden, desto klarer das Motiv: Geld. Bis ein zweiter Mord geschieht. Und dieser hat viel mit dem Fall, aber gar nichts mit Geld zu tun. Gleichzeitig kämpfen Flint und Cavalli gegen eine Liebe an, die sie in der Vergangenheit bereits einmal an den Abgrund geführt hat und nun droht, sie erneut aus dem Gleichgewicht zu werfen.

Meine Eindrücke
Für Regina Flint kommen bei diesem Fall eine ganze Menge Herausforderungen zusammen. In einer Müllverbrennungsanlage wird eine Tote gefunden, eingeschäumt in eine Dachbox. Doch keiner scheint die Tote zu vermissen. Zwar gibt es bald einen Verdächtigen, aber der ist verschwunden und am potenziellen Tatort finden sich darüber hinaus Spuren einer flüchtigen Zeugin - auch hier kein Hinweis auf deren Identität. Parallel dazu machen Regina ein sehr penibler Chef, ein dunkler Mercedes sowie ein gewalttätiger Ehemann Sorgen, der sowohl seine Ehefrau als auch eine Zeugin immer wieder von einer Anzeige abhalten kann. Genug ist das nicht: Sie arbeitet wieder mit Bruno Cavalli zusammen. Die beiden waren fünf Jahre ein Paar; doch trotz drei Jahren ganz ohne Kontakt scheinen die beiden nicht wirklich voneineinander lassen zu können. Sehr zum Leidwesen von Reginas Freund Felix, der vom Wiederauftauchen Bauchschmerzen bekommt.

Obwohl das Buch kein bisschen reißerisch daher kommt und eher von solider Polizeiarbeit in Zürich handelt als von wahnwitzigen Tätern, aufsehenerregenden Morden und spektakulären Effekten, hat mich das Buch vier Tage lang nicht losgelassen. Liegt es daran, dass der Lokalkolorit charmant bleibt, nicht penetrant wird? Liegt es daran, dass dieser Krimi im Gegensatz zu anderen Genremitgliedern so "normal" ist? Liegt es daran, dass ich wissen will, wie Bruno und Regina miteinander klar kommen?
Alles davon spielt eine Rolle. Regina lässt sich bei Südanflug auf den Flughafen Kloten vom Lärm der anfliegenden Maschinen den Rhythmus auf dem Weg zwischen Bett und Büro vorgeben und jeder Hundebesitzer sucht brav "Robidog"-Säckchen zur Entsorgung, falls der Vierbeiner Häufchen setzt. Ivanov beschreibt gut, wie die Polizeiarbeit abläuft, ohne dabei langweilig zu werden. Es sein denn natürlich, dieses Buch wird von Leuten gelesen, bei denen sich nicht nur die Polizeiwagen schneller als erlaubt bewegen sollten ... Auch die Beziehungsbalance von Regina und Bruno macht Spaß, denn erstens sind die beiden attraktiv, zweitens sind sie ein Paar, das gut eingespielt arbeitet und aus dem nochmals was werden könnte und drittens sind beide überzeugende Charaktere.

Mit schweizer Zurückhaltung klärt Ivanov das Problem um Unsympath und Staatsanwalt Hofer. Dank des Verzichts auf künstliche Aufbauschung bleibt das Buch stimmig. Kaum zu glauben, dass das Buch ursprünglich entstand, weil Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zum Thema Zwangs- und Minderjährigenprostitution nicht gefragt waren, obwohl das Thema aber einen Platz in der Öffentlichkeit braucht. "Fremde Hände" erzählt darüber sehr gut und verpackt die Informationen bündig in die Krimihandlung. Summa summarum ein Buch, das seinen Platz in meiner literarischen Weltreise mehr als verdient hat und das mich neugierig auf seine Nachfolger macht.

5ratten

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