Ganesh Gaitonde ist das Oberhaupt einer erfolgreichen Verbrecherorganisation, aus Sicherheitsgründen lebt er allerdings schon lange nicht mehr in Bombay. Doch eines Tages bekommt Inspektor Sartaj Singh einen anonymen Anruf, der ihn zu einem Versteck Gaitondes mitten in der Stadt führt. Eine Festnahme gelingt allerdings nicht, Gaitonde ist bereits tot, als die Polizisten seinen Bunker stürmen. Trotzdem nimmt Singh die Ermittlungen auf, um herauszufinden, was den Gangsterboss zurück nach Bombay geführt hat.
Man sollte trotzdem nicht auf die Idee kommen einen Krimi vor sich zu haben, es ist eher ein Indienportrait mit allen Facetten des Landes: Religiös motiviertem Hass, Armut, Bollywood, Korruption. Das Buch ist mehr ein Bilderbuch, es erzählt keine einzelne Geschichte. Indien ist farbenprächtig, schmutzig, gefährlich, aber unglaublich lebendig. Die Ermittlung, die eigentlich mal der Ausgangspunkt der Geschichte war, verliert man im Laufe der Zeit aus den Augen, während man sich komplett in dem Buch und den vielen kleinen Geschichten darin verliert. Auch wenn es zunächst nicht so schein, so hängt doch fast alles zusammen und wenn dann endlich, nach vielen hundert Seiten die Fäden zusammengeführt werden und die Geschichte Fahrt aufnimmt, ist man schon fast enttäuscht, zu sehr hat man sich an das gemütliche Tempo gewöhnt und zu reißerisch, zu „filmi“ kommt einem die Geschichte plötzlich vor.
Das Buch enthält rund 25 Seiten Glossar, was eindeutig zu viel ist. Einige Begriffe, die in dieser Form zur indischen Kultur gehören, sind sicherlich unübersetzbar und da ist es sinnvoll, sie beizubehalten, aber bei so einigen wäre eine Übersetzung oder einfach nur eine Fußnote leserfreundlicher gewesen. Ich hatte nur selten Lust einen Begriff nachzuschlagen, zumal man auch im Glossar aufgrund seines Umfangs ja durchaus ein paar mal blättern musste, um den Begriff dann zu finden.
Trotz des Umfangs empfand ich das Buch nicht als langwierig oder gar langweilig, auch wenn Chandra so einige Male abgeschweift ist, hat er immer interessant erzählt. Ich habe dank „Der Pate von Bombay“ einen interessanten Einblick in das alltägliche Leben in Indien und seine Religionsprobleme bekommen und vor allem auch, wie Modernität und Tradition dort zusammenprallen.
