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Autor Thema: Alex Capus – Fast ein bißchen Frühling  (Gelesen 601 mal)

Aldawen

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Alex Capus – Fast ein bißchen Frühling
« am: 08. März 2008, 18:02:46 »



Inhalt: Mitte Dezember 1933 kommen Kurt Sandweg und Waldemar Velte nach Basel. Sie haben im Süddeutschen eine Bank überfallen, dabei aus Versehen den Bankangestellten erschossen und wollen einfach nur weg, am liebsten nach Indien, da Amerika in der Wirtschaftskrise auch kein attraktives Ziel ist und das erbeutete Geld für die Reise dorthin sowieso nicht reicht. In Basel bleiben sie einige Tage, vor allem, weil sich Waldemar in einem Kaufhaus in die Schallplattenverkäuferin Dorle verguckt und jeden Tag bei ihr eine Schallplatte bestellt, die er am nächsten Tag abholt. Zwei Abende treffen sich Waldemar und Kurt mit Dorle und einer ihrer Kolleginnen zu ausgedehnten Spaziergängen durch die Städt. Diese zweite Frau, eine Aushilfskraft vom Dorf und die Großmutter des Erzählers, bekommt dann aber Ärger mit ihrem Quasi-Verlobten und „steigt aus“. Da den beiden langsam das Geld ausgeht, überfallen sie in Basel erneut eine Bank, wo sie zwei Tote hinterlassen, und machen sich anschließend auf den Weg nach Frankreich. Dort kommen sie aber nicht weiter, nach Spanien läßt man sie nicht hinein und so kehren sie in die Schweiz zurück. Aber ein glückliches Ende ist angesichts dieser Vorgeschichte natürlich nicht mehr denkbar, die Spirale zu ihrer Verhaftung und weiterer Gewalt ist längst in Gang gesetzt.


Meine Meinung: Vorweg geschickt: Die Geschichte, die Capus hier ausgegraben, sehr akribisch recherchiert und detailliert präsentiert hat, ist ohne Frage interessant. Trotzdem hat der Roman mich nicht in letzter Konsequenz überzeugt. Zum einen erzählt der Autor mit einigen Zeitvor- und -rücksprüngen, die ich hier weder sachlich noch für die Erzähldramaturgie notwendig fand. Dann gibt es viele Details um Maria und Ernst (die Großeltern des Erzählers, ob tatsächlich die von Capus wird nicht klar), die in erheblichen Teilen für die Erzählung recht irrelevant sind und auf die ich gut hätte verzichten können. Über Waldemars Vorgeschichte und Familie erfährt der Leser ein bißchen, über Kurt praktisch nichts. Das ist sehr bedauerlich, mag aber damit zusammenhängen, daß mit diesem Zeitabstand einfach nicht mehr darüber zu ermitteln war. Erstaunlich fand ich allerdings, daß mich Capus auch sprachlich hier nicht so überzeugen konnte wie in Eine Frage der Zeit, da hatte ich mir einfach mehr versprochen.

 3ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
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Heimfinderin

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Re: Alex Capus – Fast ein bißchen Frühling
« Antwort #1 am: 13. März 2008, 11:18:27 »

Danke für deine Einschätzung, Aldawen.

Das bestätigt jetzt irgendwie mein Zögern, als ich über das Buch gestolpert bin und ich bin doch froh, dass ich es nicht gekauft habe, so interessant der Klappentext auch erscheint. Wenn ich es in unserer Bücherei finden sollte, werde ich aber mal einen Blick reinwerfen.
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LIEBE GRÜßE
HEIMFINDERIN

Aldawen

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Re: Alex Capus – Fast ein bißchen Frühling
« Antwort #2 am: 13. März 2008, 21:04:52 »

Wenn ich es in unserer Bücherei finden sollte, werde ich aber mal einen Blick reinwerfen.

Davon werde ich nicht abraten  :zwinker:
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Muertia

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Re: Alex Capus – Fast ein bißchen Frühling
« Antwort #3 am: 15. März 2008, 01:37:30 »

Inhalt:
Siehe oben in Aldawen´s Beitrag

Autor (von amazon.de):


Alex Capus, geboren 1961 in Frankreich, studierte Geschichte und Philosophie in Basel. Zwischen 1986 und 1995 arbeitete er als Journalist bei verschiedenen Schweizer Tageszeitungen, davon vier Jahre als Inlandredakteur bei der Schweizerischen Depeschenagentur SDA in Bern. Alex Capus lebt heute als freier Schriftsteller in Olten, Schweiz.

Meine Meinung:

Dieses Buch versprach zunächst, ein spannender, temporeicher und leicht melancholischer Lesegenuss zu werden. Gehalten hat es dieses Versprechen allerdings leider nicht. Zeitweise fühlte ich mich tatsächlich an einen Artikel in einer Zeitung erinnert, so emotionslos werden die Ereignisse geschildert. Man taucht zu keiner Zeit in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten ein, sie bleiben dem Leser leider verschlossen. Die einzige Person, der man ein wenig näher kommt, ist die junge Verkäuferin Dorle, allerdings auch nicht so sehr, als dass sie sympathisch würde.

Fazit: Es ist nicht alles schlecht in diesem Buch, aber überzeugen konnte es mich wirklich nicht.

 2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

Viele Grüße
Muertia
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:lesen: Craig Clevenger - Der geniale Mister Fletcher
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illy

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Re: Alex Capus – Fast ein bißchen Frühling
« Antwort #4 am: 21. März 2009, 17:13:01 »

Im November 1933 überfallen zwei Wuppertaler eine Bank in Stuttgart, doch der Überfall läuft nicht wie geplant und auch das erbeutete Geld reicht nicht für die geplante Reise der Zwei nach Indien. In Basel bleiben sie hängen und während sie mit einer Plattenverkäuferin Tango hören und spazieren gehen, wird das Geld immer knapper und irgendwann zieht sich das Netz der polizeilichen Ermittlungen um sie herum langsam zu.

„Fast ein bißchen Frühling“ (Wieso trägt ein Buch eines Schweizer Autoren eigentlich einen Titel mit ß?) ist ein kurzer sachlicher Bericht über eine Anekdote der Kriminalgeschichte. Die Brutalität, die die beiden während des Überfalls an den Tag legen, steht in absolutem Gegensatz zu der Meinung die ihre Freunde und Familie von ihnen haben und dem Eindruck, den sie auf Fremde machen, so dass man nicht weiß, wie man sie einschätzen soll. Der Autor hilft einem dabei leider gar nicht weiter, denn Capus erklärt weder die Taten noch die Gedankengänge der Täter. Das Abdriften in die Erlebnisse der Nebenfiguren, die als Großeltern des Erzählers (es wird nicht klar, ob dieser mit Capus identisch ist) die erste Quelle der Geschichte bilden, erläutert ebenfalls nichts. Der Autor macht sich nicht die Mühe irgendetwas zu erklären, er beschreibt nur, lässt die Taten für sich sprechen und überlässt dem Leser die Interpretation. Dadurch zeichnet er ein unerhört realistisches Bild des Alltags in den 1930er Jahren, sein Vorgehen dient aber leider nicht wirklich dem Lesegenuss.

3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

Wer gerade die sachliche Beschreibung der Verbrechen interessant fand, für den habe ich noch einen Buchtipp: VaBanque. Bankraub - Theorie. Praxis. Geschichte


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Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)