Apple of My Eye
(erschienen 2001?, dt. 2003)

Inhalt
England, in den frühen 1950er Jahren. Ronnie Sidney ist perfekt, der Sonnenschein seiner jungen Mutter. Aber die Lebensumstände der beiden sind denkbar schlecht, denn Ronnie ist ein uneheliches Kind, und ihre Umwelt lässt sie das spüren. Ronnie scheint gut damit umgehen zu können, doch wie viel davon ist nur Fassade?
Die kleine Susan Ramsey lebt ein normales und unbeschwertes Leben, bis ihre Mutter nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes wieder heiratet, denn der Stiefvater freut sich besonders über die kleine Tochter.
Als sich die beiden Jugendlichen begegnen, fühlen sie sofort eine starke Seelenverwandtschaft, doch sie haben unterschiedliche Vorstellungen davon…
Leider dauert es geraume Zeit, bis die beiden Hauptpersonen Susie und Ronnie erstmals aufeinander treffen. Die erste Hälfte des Romans beschäftigt sich ausführlich mit dem Leben der beiden als Kinder bzw. Jugendliche und beschreibt ihre Entwicklung unter dem Einfluss ihrer Eltern. Beide wachsen nicht in normalen Familienverhältnissen auf, obwohl der jeweils verbliebene Elternteil sein Bestes versucht, um sein Kind bestmöglich zu fördern und auf die Gesellschaft vorzubereiten. Doch in ihrer Rolle als Außenseiter, in der sich beide halb gewollt und halb gezwungen wiederfinden, gibt es für sie kein passendes Schema. Und nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern stecken in einem Abhängigkeitsverhältnis, aus dem sie sich nicht so ohne weiteres lösen können.
Während Susie sich anpassen möchte, strebt Ronnie eher danach, sich von der Masse abzuheben und sich die Welt so zu schaffen, dass sie seinen Vorstellungen entspricht, selbst wenn er dabei zu außergewöhnlichen Mitteln greifen muss. Eines Tages stehen sie vor der Aufgabe, einem nahe stehenden Menschen zu helfen, doch während sich Susie dazu durch Liebe und Verzweiflung veranlasst sieht, ist es bei Ronnie Hass und Verachtung.
Die Geschichte zeigt, wie Menschen ungewollt Verhaltensmuster anerzogen oder aufgezwungen werden, indem sie dem ständigen Einfluss ihrer Familie und dem sozialen Umfeld unterliegen. Wenn man als stummer Beobachter ihren Lebensweg von Beginn an verfolgt, kann man nicht anders als Sympathie, Verständnis und Mitleid zu empfinden, selbst als sie später auf Abwege geraten. Susie ist mental zu schwach, um sich zu wehren und wird mit subtilen Drohungen unter Druck gesetzt, während der vermeintlich starke und selbstbewusste Ronnie den Ansprüchen, die er sich selbst stellt, nicht gerecht werden kann.
Von wirklicher Spannung ist in dem Roman nicht viel zu spüren, obwohl die Brisanz der wesentlichen Themen, die ich nicht alle nennen kann, ohne zu viel von der Handlung zu verraten, unterschwellig immer präsent ist. Redmond hat dies in seinem Roman „Das Wunschspiel“ viel besser umgesetzt als hier, wo vor allem in der ersten Hälfte des Buches einiges zu breit ausgewalzt wurde. Danach wurde der Ablauf etwas straffer und nahm Fahrt auf, doch der allzu kurze Showdown am Ende war alles andere als zufriedenstellend. Auch stilistisch ist der Roman kein Leckerbissen, aber immerhin: Die Themen regen zum Nachdenken an.
