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Autor Thema: Patrick Redmond - Der Musterknabe  (Gelesen 848 mal)

illy

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Patrick Redmond - Der Musterknabe
« am: 17. März 2009, 18:12:55 »


Originaltitel: Apple of my eye

Klappentext:
Ronnie und Susan sind ein Traumpaar, strahlend und schön. Niemand ahnt, dass ein schreckliches Geheimnis sie verbindet, dass ein teuflischer Plan sie für immer zusammen schmiedet. Doch eines Tages wird Susan die Bindung zu eng und sie möchte sie lösen. Aber Ronnie lässt das Liebste, das er hat, nicht einfach gehen. Er zeigt sein wahres Gesicht - mit entsetzlichen Folgen ...

Nach Außen hin ist Ronnie ein Musterknabe: gut in der Schule, höflich, künstlerisch begabt, gut aussehend, also praktisch bereits als kleiner Junge der Traum aller Schwiegermütter. Zuhause hat er es allerdings nicht leicht, im Nachkriegsengland sind ledige Mütter zwar keine absolute Ausnahme, aber immer noch eine Schande. Seine Mutter sieht keine andere Chance als weiter im Haus ihrer missmutigen Tante zu leben, die die Situation ausnutzt und sie als Hausmädchen missbraucht und ihr und Ronnie ständige Dankbarkeit abfordert. Ronnie lernt schnell seine Wut und seinen sich entwickelnden Hass hinter einem höflichen Lächeln zu verbergen, während er sich Folterqualen für die ungeliebte Tante ausmalt. Die Beziehung zu seiner Mutter ist allerdings sehr innig, die beiden vergöttern einander und auch als Ronnies Mutter eine Arbeit als Gesellschafterin annimmt und ihn alleine bei der Familie der Tante zurücklässt kann das nicht wirklich einen Keil zwischen sie treiben. Susans Kindheit beginnt glücklich, sie liebt ihre Eltern und fühlt sich zurückgeliebt. Doch als ihr Vater plötzlich stirbt nimmt ihr Leben eine dramatische Wendung. Ihre bereits zuvor psychisch stark angeschlagene Mutter findet bald einen neuen Ehemann, der schnell ganz unväterliche Gefühle für Susan zeigt. Ronnie und Susan sind Teenager als sie sich das erste Mal begegnen und schnell merken, dass sie nicht so sind wie ihre Mitschüler.

Ich habe diese Rezension absichtlich mit einer ausführlicheren Inhaltsbeschreibung begonnen, da ich den Klappentext bestenfalls als irreführend empfinde. Nach diesem hatte ich nämlich den Eindruck als wäre die Beziehung zwischen Ronnie und Susan eine zwischen Erwachsenen und würde auch den Hauptteil des Buches ausmachen. Dies ist definitiv nicht so, stattdessen wird ziemlich ausführlich die Kindheit der beiden beschrieben, was für mich wie ein Vorspiel wirkte, ich habe lange darauf gewartet, dass endlich die "richtige Geschichte" anfängt. Die beginnt aber erst auf den letzten 100 Seiten, was ich noch akzeptieren könnte, wenn das Buch dann auf ein wirklich furioses Finale hinauslaufen würde, aber der Showdown war enttäuschend schwach, da der Autor sich dafür entschieden hat, auf Verständnis statt auf Action zu setzen. So bleibt das Buch von der Handlung her halbgar und die Figuren können die Geschichte nicht retten. Musterknabe Ronnie ist unsympathisch, auch wenn er es schwer hat, ist er einfach zu verschlagen, um sich mein Mitgefühl zu verdienen und für Susan kann man zwar Mitleid empfinden, sie bleibt aber ein wenig farblos und trägt die Geschichte nicht. Für mich ist "Der Musterknabe" schwächer als die bisherigen Bücher Redmonds und nur bedingt eine Lesempfehlung.

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HoldenCaulfield

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Re: Patrick Redmond - Der Musterknabe
« Antwort #1 am: 17. März 2009, 20:26:37 »

Für mich klingt schon die Inhaltsangabe eher wie ein abklatsch seiner anderen Romane. Danke  für deine Rezi! Ich hatte schon im Vorfeld gedacht das ich diesen Roman eher nicht lesen werde, deine Rezi ist eine weitere Bestärkung meiner Meinung^^
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Arjuna

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Antw:Patrick Redmond - Der Musterknabe
« Antwort #2 am: 06. November 2009, 22:43:07 »

Das Buch habe ich Anfang der Woche ausgelesen.

Nach diesem hatte ich nämlich den Eindruck als wäre die Beziehung zwischen Ronnie und Susan eine zwischen Erwachsenen und würde auch den Hauptteil des Buches ausmachen. Dies ist definitiv nicht so, stattdessen wird ziemlich ausführlich die Kindheit der beiden beschrieben, was für mich wie ein Vorspiel wirkte, ich habe lange darauf gewartet, dass endlich die "richtige Geschichte" anfängt. Die beginnt aber erst auf den letzten 100 Seiten, was ich noch akzeptieren könnte

Der irreführende Klappentext ist sogar ein sehr großer Mangel, finde ich, ich war genauso überzeugt, dass die beiden Erwachsenen sind, ich habe nichts gegen Schilderungen der Kindheit der Protagonisten, aber hier habe ich die ganze Zeit auf "15 Jahre später" gewartet, auf irgendeinen Zeitsprung. Dadurch konnte ich das Gelesene gar nicht "genießen".

Richtig sympathisch fand ich die Charaktere auch nicht, aber mir das Buch trotzdem gefallen, weil (wenn auch im überzogenen Sinn) man doch sehen konnte, was in den Kindheiten der beiden schiefläuft, schiefgelaufen ist. Viele falsche Versprechungen, Gemeinheiten, im Stich gelassen werden.

Was mir aber dann nicht ganz klar war:
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Doris

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Patrick Redmond - Apple of My Eye
« Antwort #3 am: 12. Juli 2010, 21:24:54 »

Apple of My Eye
(erschienen 2001?, dt. 2003)

 


Inhalt
England, in den frühen 1950er Jahren. Ronnie Sidney ist perfekt, der Sonnenschein seiner jungen Mutter. Aber die Lebensumstände der beiden sind denkbar schlecht, denn Ronnie ist ein uneheliches Kind, und ihre Umwelt lässt sie das spüren. Ronnie scheint gut damit umgehen zu können, doch wie viel davon ist nur Fassade?
Die kleine Susan Ramsey lebt ein normales und unbeschwertes Leben, bis ihre Mutter nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes wieder heiratet, denn der Stiefvater freut sich besonders über die kleine Tochter.
Als sich die beiden Jugendlichen begegnen, fühlen sie sofort eine starke Seelenverwandtschaft, doch sie haben unterschiedliche Vorstellungen davon…

Leider dauert es geraume Zeit, bis die beiden Hauptpersonen Susie und Ronnie erstmals aufeinander treffen. Die erste Hälfte des Romans beschäftigt sich ausführlich mit dem Leben der beiden als Kinder bzw. Jugendliche und beschreibt ihre Entwicklung unter dem Einfluss ihrer Eltern. Beide wachsen nicht in normalen Familienverhältnissen auf, obwohl der jeweils verbliebene Elternteil sein Bestes versucht, um sein Kind bestmöglich zu fördern und auf die Gesellschaft vorzubereiten. Doch in ihrer Rolle als Außenseiter, in der sich beide halb gewollt und halb gezwungen wiederfinden, gibt es für sie kein passendes Schema. Und nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern stecken in einem Abhängigkeitsverhältnis, aus dem sie sich nicht so ohne weiteres lösen können.

Während Susie sich anpassen möchte, strebt Ronnie eher danach, sich von der Masse abzuheben und sich die Welt so zu schaffen, dass sie seinen Vorstellungen entspricht, selbst wenn er dabei zu außergewöhnlichen Mitteln greifen muss. Eines Tages stehen sie vor der Aufgabe, einem nahe stehenden Menschen zu helfen, doch während sich Susie dazu durch Liebe und Verzweiflung veranlasst sieht, ist es bei Ronnie Hass und Verachtung.

Die Geschichte zeigt, wie Menschen ungewollt Verhaltensmuster anerzogen oder aufgezwungen werden, indem sie dem ständigen Einfluss ihrer Familie und dem sozialen Umfeld unterliegen. Wenn man als stummer Beobachter ihren Lebensweg von Beginn an verfolgt, kann man nicht anders als Sympathie, Verständnis und Mitleid zu empfinden, selbst als sie später auf Abwege geraten. Susie ist mental zu schwach, um sich zu wehren und wird mit subtilen Drohungen unter Druck gesetzt, während der vermeintlich starke und selbstbewusste Ronnie den Ansprüchen, die er sich selbst stellt, nicht gerecht werden kann.

Von wirklicher Spannung ist in dem Roman nicht viel zu spüren, obwohl die Brisanz der wesentlichen Themen, die ich nicht alle nennen kann, ohne zu viel von der Handlung zu verraten, unterschwellig immer präsent ist. Redmond hat dies in seinem Roman „Das Wunschspiel“ viel besser umgesetzt als hier, wo vor allem in der ersten Hälfte des Buches einiges zu breit ausgewalzt wurde. Danach wurde der Ablauf etwas straffer und nahm Fahrt auf, doch der allzu kurze Showdown am Ende war alles andere als zufriedenstellend. Auch stilistisch ist der Roman kein Leckerbissen, aber immerhin: Die Themen regen zum Nachdenken an.

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Kirsten

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Re: Patrick Redmond - Der Musterknabe
« Antwort #4 am: 31. März 2011, 10:38:31 »

Hallo!

Interessant. Mein Buch hatte einen anderen Klappentext. Das ist auch gut so, denn mit dem von illy erwähnten hätte ich es wahrscheinlich stehen lassen:zwinker:

Der Musterknabe hat mich mit gemischten Gefühlen zurück gelassen. Der Anfang hat mir sehr gut gefallen. Ronnie wurde zwar nach außen hin als der perfekte junge beschrieben, aber der Leser  wußte trotzdem dass er eine andere, gefährliche Seite hat. Mich hat nur gewundert, wie alle in seinem Umfeld die Zeichen übersehen konnten. In den Bemerkungen in seinen Zeugnissen gab es meiner Meinung nach genug Hinweise, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Vielleicht haben sich die Leute von seinen guten Leistungen blenden lassen, oder sie wollten nichts sehen.

In Susans Geschichte gab es für meinen Geschmack (zu) viele Klischees. Trotzdem hat der Autor das Thema meiner Meinung nach gut behandelt. Wie sich Susan allerdings im Lauf der Geschichte verändert kann ich nicht ganz nachvollziehen. Arjunas Frage halte ich für durchaus berechtigt, auch wenn ich sie mir erst beim Lesen ihrer Rezi gestellt habe :redface:

Ronnies Mutter ist eine interessante Persönlichkeit. Anfangs dachte ich, dass sie bei weitem nicht so einfältig war wie sie oft dargestellt wurde. Später habe ich meine Meinung darüber geändert. Ich halte sie wirklich für so dumm wie es ihre Tante oft sagte. Dazu kommt noch, dass sie sich gerade gegen Ende sehr unsympathisch verhält. Sie weiß alles von Ronnie, aber sie hält trotzdem noch zu ihm und kämpft sogar noch gegen Susan um seine Sympathie. Das passt so gar nicht zu dem jungen Mädchen, dass alles für ihren kleinen Sohn tut.

Hätte ich das Buch nach etwa der Hälfte bewerten müssen hätte es die volle Punktzahl gegeben. Aber weil die zweite Hälfte deutlich schwächer war vergebe ich
3ratten

Liebe Grüße
Kirsten
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