Ich muss etwas gestehen. Wenn Bücher durchgehend gut bewertet werden, bin ich oft ein bisschen skeptisch und lese sie entweder gar nicht oder suche extra nach irgendwelchen Schwächen. Das ist die kindische Revoluzzerin, die in mir steckt.

84, Charing Cross Road ist so ein Buch, über das man nur Gutes hört und liest.
Doch ich muss mich geschlagen geben und mich den positiven Meinungen anschließen. Ich habe 84, Charing Cross Road in einem Rutsch durch gelesen. (Na ja, nicht ganz. Ich habe meinem Freund davon vorgeschwärmt und in einer kurzen Pause hat er angefangen, die ersten Briefe zu lesen und wollte es mir nicht zurückgeben.)
Die Briefe sind lustig, süß, klug und rührend ohne sentimental zu sein. Und: Sie handeln von Büchern.
Man erfährt, dass Hanff alle Bücher zuerst ausleiht („Es widerstrebt meinen Prinzipien, ein Buch zu kaufen, das ich nicht gelesen habe. Das ist so, als würde man ein Kleid kaufen, das man nicht anprobiert hat [...].“ S. 72), warum sie keine Romane mag und dass sie keine Bedenken hat, Bücher wegzuwerfen („Ich für meine Person kann mir nichts weniger Heiliges vorstellen als ein schlechtes oder auch ein mittelmäßiges Buch.“ S. 88).
Doch aus dem anfangs rein geschäftlichen Austausch über Bücher entwickelt sich eine Freundschaft, die weit über Bücher hinausgeht. So nimmt Hanff lebhaft Anteil an der Nachkriegssituation Englands und versorgt ihre AntiquarInnen auf ihre direkte, unsentimentale Art mit Lebensmitteln und Feinstrumpfhosen.
84, Charing Cross Road ist ein wunderbares Büchlein. Absolute Empfehlung!

LG, kat
P.S. Ich hoffe, dass meine positive Meinung keine anderen Revoluzzer abschreckt.