Udo Jürgens / Michaela Moritz - Der Mann mit dem Fagott


Nach dem ich vor einigen Jahren einmal zufällig ein Udo Jürgens Konzert im TV gesehen habe, war ich recht begeistert und habe mir in den letzten Jahren schon 2 Konzerte von Ihm Live angesehen. Was Herr Jürgens dort auf der Bühne leistet, fasziniert mich. Klar man muss die Musik etwas mögen, aber in der richtigen Stimmung habe ich nichts dagegen, vorallem da viele Lieder auch kritische und zum Nachdenken anregende Texte haben.
Diese Faszination hat mich dann dazu gebracht auch diese "Biografie" zu kaufen und ich kann nur sagen, ich habe es nicht bereut, das Buch ist sehr unterhaltsam, bringt viele Einblicke in die Geschichte des 20. Jh. und zeigt somit gelebte Geschichte am Beispiel einer Familie.
Das Buch beschreibt nicht nur das Leben und die Karriere von Udo Jürgens, nein es kombiniert Erinnerungen und Lebensabschnitte vom Großvater und Vater Bockelmann. Die Geschichte wird dabei nicht chronologisch erzählt sondern lebt von Erinnerungen und Beschreibungen die aufeinander aufbauen z.B. wenn den Generationen einer Familie ähnliche Dinge wie Flucht, Vertreibung, Haft, Verbannung widerfahren. Es zeigt auch wie "anders" die Entwicklung und das Leben von Udo Jürgen Bockelmann sich im Bilde der Familiengeschichte entwickelt, das von vielen Geschäftmänner, Politiker, Juristen geprägt ist. Er beschreibt Konflikte, Ansichten, Diskussionen die trotz der unterschiedlichen Lebensarten die Familie immer wieder zusammenbringen.
Es haben sich für mich auch ganz neue Einblicke in ein "Künstlerleben" ergeben, da ich selbst nicht so viel damit in Berührung gekommen bin bis jetzt, hat mich diese Lebensweise besonders fasziniert. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, wie sie bei bürgerlicher Lebensart auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen ist.
Auf den Titel möchte ich noch kurz eingehen "Der Mann mit dem Fagott" zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Vom Großvater an werden bestimmte Entscheidungen oder Umwälzungen im Leben damit in Verbindung gebracht, durch das Spiel eines Straßenmusikanten wurden Anstöße gegeben und eine Metallstatue wurde als Glücksbringer in der Familie weitergegeben; ähnlich wie ein alte, "verzauberte" Taschenuhr.
Es zeigt die Macht und den Zauber von Familienerbstücken, etwas das in heutiger Zeit oft in Vergessenheit gerät oder nicht mehr als bedeutend angesehen wird, was ich aber immer noch als schöne Geste ansehe und mag.
Es ist wirklich schwer dieses Buch zu beschreiben, die Spannung oder den Zauber - ich habe viel mitgenommen und kann nur jedem empfehlen es einmal zu lesen. Eine Geschichte des 20. Jh. wie man sie nicht in einem Geschichtsbuch lesen kann, viel persönlicher und näher und leicht zu lesen. Kein Buch der Fakten, sondern unterhaltend.
Von mir bekommt es

Grüße
schokotimmi