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Autor Thema: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses  (Gelesen 1127 mal)

qantaqa

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Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« am: 13. März 2009, 17:08:25 »

Ich kann gar nicht glauben, dass es zu diesem Buch noch keinen Thread gibt.



Kurzbeschreibung von Amazon:
Was geschah wirklich am 18. Oktober 1944 in dem Pyrenäenort Torena? Als Tina Bros sechs Jahrzehnte später in der alten Dorfschule ein hinter der Schiefertafel verborgenes Tagebuch entdeckt, ahnt sie nicht, daß sie an Dinge rührt, die in ihrer Verquickung aus Schuld und Scham, aus Leidenschaft und Fanatismus das ganze Drama einer schlimmen Zeit spiegeln. Noch weniger ahnt sie, daß der Schatten von damals bis in ihre eigene Gegenwart ragt.


Meine Meinung:
Seit Carlos Ruiz Zafons "Der Schatten des Windes" hat mich kein Buch so sehr begeistert, beschäftigt, ja bis in den Schlaf verfolgt und mich so mitleben und -leiden und versinken lassen

Zuerst war ich ein wenig skeptisch, denn der Klappentext hört sich sehr nach "Denver-Clan" an - aber ein katalanischer Autor ist für mich zunächst einmal eine Empfehlung, deshalb war ich sehr gespannt auf das Buch. Und meine Erwartung wurde nicht enttäuscht. Der Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen; die Wechsel verwirren anfangs ein wenig, weil sie nicht durch Absätze oder Kapitel gekennzeichnet sind, sondern man wechselt den Schauplatz, als wenn man durch einen Spiegel träte. Ganz schnell entpuppt sich dies als geniales Stilmittel, das den Leser noch mehr in die Geschichte hinein zieht. Die Atmosphäre ist stimmig, die Personen sind glaubwürdig. Ihre Handlungen sind immer nachvollziehbar und folgerichtig. Cabré gelingt es, auch die negativen Personen so zu zeichnen, dass man sie zwar nicht mag, ihre Motivation aber verstehen kann. Selten hat sich der Satz "Wo viel Licht ist, ist viel Schatten" als so wahr erwiesen. Die Menschen sind knorrig, rauh und hart zu sich selbst und zu anderen und so stelle ich mir auch das Land vor, in dem sie leben. Aber die Menschen in dem Pyrenäental sind auch leidenschaftlich - ob in der Politik oder in der Liebe und so entwickelt sich eine Geschichte, die das Zeug zur griechischen Tragödie hat und genauso unausweichlich läuft sie ab, in der Vergangenheit aber auch in der Gegenwart.

Zum Inhalt möchte ich gar nichts weiter sagen; ich finde, die Kurzbeschreibung von Amazon verrät viel zuviel, deshalb habe ich hier nur einen kleinen Teil wieder gegeben. Also lieber nicht lesen und selbst heraus finden!

Ein Buch aus einem Guss und ein absoluter  :tipp: . In Ratten:  5ratten


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kathchen

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #1 am: 13. März 2009, 17:30:51 »

Danke für die schöne Rezi, qantaqa.
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich schon das Buch in der Hand hatte, es aber wieder zurückgelegt hatte. Tja, das nächste Mal, wenn ich es sehe, wird es wohl meins werden  :breitgrins:

 :winken:
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Flor

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #2 am: 19. März 2009, 03:37:28 »

Das Buch steht doch tatsächlich seit der Frankfurter Buchmesse 2007 vom Autor signiert und mit einer netten Widmung versehen(ich nehme zumindest an das sie nett ist, ich kann sie nämlich nicht lesen :breitgrins:) in meinem Regal.
Wollte es mir immer mal vornehmen, habe sogar schon einmal kurz reingelesen habe dann aber gemerkt, dass das Buch eine ganz besondere Aumerksamkeit verlangt die ich zu dem Zeitpunkt nicht hatte.
Ich war mir auch nie so sicher ob das Buch nun wirklich so gut ist.

Nach dieser
Seit Carlos Ruiz Zafons "Der Schatten des Windes" hat mich kein Buch so sehr begeistert, beschäftigt, ja bis in den Schlaf verfolgt und mich so mitleben und -leiden und versinken lassen
Aussage muss ich mir wohl keine Gedanken mehr machen, dass mir das Buch nicht gefallen könnte :zwinker:.

Danke für die Rezi qantaqa jetzt freue ich mich auf das Buch :winken:.
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Thanquola

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #3 am: 25. April 2009, 22:20:56 »

Ich fand das Buch auch ganz toll! Gut, dass du endlich einen Thread aufgemacht hast, qantaga.

Wobei ich zugeben muss, das Buch beim ersten Versuch abgebrochen zu haben. Zum Glück habe ich aber meinem Gefühl vertraut und dem Buch noch eine Chance gegeben - es hat sich wirklich gelohnt.

Ich fand es anstrengend, aber auch vielfältig, durch die verschiedenen Stimmen und Zeitebenen. Wie ein Mosaik, dass sich nach und nach zusammensetzt. Von einem Satz zum anderen kann man in eine völlig andere Situation springen, was ich anfangs sehr verwirrend fand. (Oder es geht aus einem Gespräch heraus ohne Übergang beim nächsten Sprecher in ein anderes Gespräch. :spinnen: ) Am Anfang dachte ich echt, ich bin blöd, bis ich das mal kapiert hatte. :breitgrins: (Dann fand ich es allerdings genial.) Erhöhte Aufmerksamkeit ist also erforderlich und bloss nicht vom Anfang abschrecken lassen.

Auch mit den Namen hatte ich so meine Probleme. Erst nach 500 Seiten (also fast am Schluss... :rollen: ) dämmerte mir, dass in Spanien wohl jeder zwei Nachnamen haben muss. Das war mir vor vorher nicht bekannt, entsprechend fand ich es lange Zeit sehr verwirrend, warum die einen manchmal so und manchmal anders heißen. :breitgrins: Dazu kommt noch meine absolute Unkenntnis des spanischen Bürgerkriegs.

Stellenweise habe ich also schon gekämpft, aber es hat sich ja auch gelohnt. Belohnt wurde ich mit einer tollen Geschichte mit schöner Atmosphäre und interessanten, vielschichten Charakteren. Mit “Der Schatten des Windes” lässt es sich sicher nicht vergleichen, beide Bücher haben mich jedoch völlig in ihren Bann gezogen. Und obwohl ich beim Lesen öfters größere Lesepausen (mehrere Monate teilweise) hatte, hatte ich nie Probleme sofort wieder hineinzukommen.

Riesengroßer :tipp:
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Papyrus

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Antw:Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #4 am: 28. August 2009, 17:42:24 »

Dieses Buch wollte ich ganz entspannt in meinem Urlaub lesen um ihm die entsprechende Aufmerksamkeit widmen zu können.

Qantaqa, wie auch meine Buchhändlerin, ziehen Vergleiche zu "Der Schatten des Windes", allein vom erzählerischen Standard her.

Nun, ich habe mir wirklich Mühe gegeben und auch bis Seite 328 durchgehalten.  :rollen:

Leider konnte mich die Geschichte nicht gefangen nehmen.

Allein die unterschiedlichen Erzählperspektiven, die man teilweise fast nur erahnen kann da die Übergänge fließend sind, fand ich mehr als unangenehm und ein Eintauchen in eine atmosphärisch dichte Geschichte war mir nicht möglich.
Spannung und Neugier auf die weiteren Ereignisse hielten sich bei mir doch arg in Grenzen, so dass ich getrost auf die letzten 340 Seiten  verzichte. 
« Letzte Änderung: 29. Dezember 2010, 21:12:13 von Papyrus »
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Valentine

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #5 am: 30. Juni 2010, 20:28:00 »

Die Lehrerin Tina Bros bereitet eine Ausstellung über Schule im Wandel der Zeiten vor und stöbert zu diesem Zwecke im Schulhaus des kleinen Pyrenäenörtchens Torena, das am nächsten Tag abgerissen werden soll. In einem Versteck hinter der Tafel entdeckt sie ein Kästchen mit mehreren Schreibheften und findet so die Aufzeichnungen von José Oriol Fontelles, der 1944 Lehrer in Torena war.

Fontelles ist ein Mann, an dem sich auch noch fast 60 Jahre nach seinem Tod die Geister scheiden. Sein rätselhafter Tod in der Dorfkirche hat ihn für die einen zum Helden gemacht, für andere ist er heute noch ein rechtsgerichteter Opportunist. Was damals tatsächlich geschehen ist, was er gedacht, getan und empfunden hat, liest Tina mit wachsender Faszination in seinen Berichten.

Wie sich im Fluss die Wasserströme verschiedener Zuflüsse vereinigen, fließen in diesem Roman die Erzählstränge ineinander, die Zeitebenen wechseln ziemlich unvermittelt, was Konzentration erfordert, doch der schlichte und gleichzeitig eloquente Stil sorgt dennoch für einen guten Lesefluss.

Man liest nicht nur von Tina Bros in der Gegenwart, die sich um ihre kriselnde Ehe, ihre Gesundheit und ihren entfremdeten Sohn sorgt, und nicht nur von Oriol Fontelles, dem Lehrer, der für die Mitmenschen so viele Gesichter hatte und den doch niemand richtig kannte, sondern von der gesamten Dorfgemeinschaft, besonders auch von der steinreichen und attraktiven Elisenda Vilabrú, die schon in relativ jungen Jahren hervorragend verstand, ihren Willen durch- und in lukrative Geschäftsideen umzusetzen, von Franco-Anhängern und Widerständlern, von einem eiskalten Bürgermeister und einem sympathischen Untergrundkämpfern, unsäglichem Leid und tiefer Liebe, Intrigen und falsch verstandenen Gefühlen, gewürzt mit einer Prise Erotik und einem immer wieder aufblitzenden feinen Humor.

Ein Buch, dem ich zunächst - vor der Lektüre - ziemlich skeptisch gegenüberstand und das sich letztendlich als großer Glücksgriff erwiesen hat.

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suray

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #6 am: 30. Juni 2010, 20:56:50 »

Oh ja, dieses Buch habe ich auch verschlungen! 

:tipp:

Lieben Gruß
suray
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Viky

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #7 am: 03. August 2010, 11:02:17 »

Das hört sich alles interessant an... ich glaub, ich schau auch mal rein!
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Daenerys Targaryen

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #8 am: 08. Oktober 2010, 16:49:05 »

Habe das Buch auch vor kurzem gelesen und bin begeistert.
Es hat nicht weniger als
 5ratten
verdient und ist meiner Meinung nach ein absoluter  :tipp: !

Für mich als "Unwissende" war es zu Beginn wirklich nicht leicht, mit den spanischen Namen zurechtzukommen. Auch meine Unkenntnis der Zeit, also des Franco Regimes, war etwas hinderlich, aber nach einigem erhellenden Stöbern in Wikipedia, habe ich dann doch mit der Zeit durchgeblickt.
Verwirrend am Anfang sind auch die Zeitsprünge, die ohne jeglichen Absatz oder "Warnung" stattfinden. Praktisch im fließenden Text wird die Perspektive und/oder Zeit gewechselt. Wenn man sich aber erstmal an all das gewöhnt hat, ist man fasziniert und kann gar nicht mehr aufhören. Die Charaktere sind stark und glaubwürdig gezeichnet, man erfährt viel über diese Zeit und die Menschen, die in ihr gelebt haben.
Mich hat dieses Buch sehr bewegt und ich kann es nur wärmstens empfehlen.
Am Anfang muß sich der ein oder andere vielleicht durchbeißen, aber es lohnt sich! Ich habe seit längerem kein Buch gelesen, das mich nachhaltig so bewegt hat wie "Die Stimmen des Flusses". 
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illy

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #9 am: 24. November 2010, 09:10:37 »

Die Lehrerin Tina Bros, die an einem Fotoband arbeitet, findet in der abbruchreifen Schule eines kleinen Pyrenäendorfes die Tagebücher des Lehrers Fontelles, der dort zur Zeit des Bürgerkriegs lebte und ermordet wurde. Während die alte Grande Dame des Ortes, Elisanda Vilabrú, die Seligsprechung vorantreibt und sein Andenken als Held der Falange hochzuhalten versucht und andere ihn aus den gleichen Gründen seit Jahrzehnten hassen und verfluchen, kommt Tina Bros der Wahrheit über Fontelles auf die Spur. Diese Wahrheit wird zu ihrem Ankerpunkt, während ihr eigens Leben immer mehr in Stücke zerfällt.

Ich bin übrigens über einen bösen Spoiler bei einer Rezension (nicht hier) gestolpert, man sollte also vorsichtig sein, was man wo über dieses Buch liest.

Der Anfang ist schwierig, es wird nicht immer deutlich, was wer zu welchem Zeitpunkt sagt oder nur denkt und die Geschichten laufen eher nebeneinander ab, so dass man nicht weiß, was man damit anfangen soll. Doch dann, leider erst nach fast einem Drittel, macht es plötzlich Klick und die Zusammenhänge werden ab da immer deutlicher.

Der Autor schafft es, einem alle Figuren nahe zu bringen, man kann ihre Wut, ihren Haß, aber auch ihre Liebe und ihren Glauben an die Rechtmäßigkeit ihrer Aktionen letztendlich immer nachvollziehen, auch wenn man ihre Meinung nicht unbedingt teilen möchte. Als Leser ist man traurig über den großen Hass, der auch Jahrzehnte später noch in den Menschen schwärt und der so lange nach dem Bürgerkrieg immer noch die Menschen voneinander trennt und kann ihn anhand der Vorkommnisse doch verstehen.

„Die Stimmen des Flusses“ ist ein berührendes Buch, wenn man erst einmal in die Geschichte eingetaucht ist, lässt sie einen so schnell nicht mehr los.

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Valentine

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Re: Jaume Cabré - Die Stimmen des Flusses
« Antwort #10 am: 24. November 2010, 11:09:00 »

Ich freu mich, dass es Dir auch so gut gefallen hat! :klatschen:
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