Inhalt:In Stockholm gehen merkwürdige Dinge vor sich: Es ist ein heisser Sommer, der Luftdruck ist nahezu unerträglich und zu allem Übel lassen sich auch noch die elektrischen Geräte plötzlich nicht mehr ausschalten. Auf dem Höhepunkt dieser Anspannung wird plötzlich alles still, etwas hat sich verändert. Bald stellt man fest, dass die kürzlich Verstorbenen in Leichenschauhäusern und auf Friedhöfen beginnen, sich zu regen...
Meine Meinung:An diesem tragenden Erzählstrang hängt ein geniales Buch. Ja, ich würde sogar behaupten, Ajvide Lindqvists bestes Buch. Nach
So finster die Nacht dachte ich, das sei genial, eines meiner bislang absoluten Lieblingsbücher. Nach
Im Verborgenen dachte ich, dass dies offenbar so nicht stimmen kann, denn die Genialität... dann las ich
Menschenhafen und erklärte es zu meinem Lieblings-Ajvide Lindqvist, weil ich es noch besser fand, als die beiden anderen.
Und tatsächlich gibt es eine Szene in
So ruhet in Frieden, die mich sehr stark an
Menschenhafen erinnerte: Eine kleine Insel, eine Ferienhütte, eine Person darin gefangen und von aussen bedroht. Nur, dass es dieses Mal kein Mann, sondern eine Frau ist, die sich gegen das Übel, das in ihr Häuschen eindringen will, verteidigen muss. Was ich, möglicherweise auch, weil ich selbst eine Frau bin, noch genialer finde. Und so dachte ich während dem ganzen Buch.
Es ist gar nicht so leicht, eine Rezension dazu schreiben, denn ich habe während dem Lesen mehrmals gedacht, dass es da gar nichts darüber zu sagen gibt, ausser dass es halt eben genial ist. Doch ich versuche trotzdem mal, noch etwas aussagekräftiger zu werden.
Zum Beispiel ist die Frau aus erwähnter Szene mir als Charakter äusserst unsympathisch, trotzdem finde ich die Szenen mit ihr irgendwie faszinierend. Plötzlich wollte ich bei ihr sein. Und bei all den anderen Charakteren sowieso. Die Figuren und Ortsbeschreibungen sind eingängig und erzeugen eine gewisse Sehnsucht, obwohl man rational eigentlich froh sein kann, wenn man nicht dort ist. Trotzdem hatte ich dieses gewisse Bedürfnis, Anna auf die einsame Insel zu folgen, Flora auf „die Heide“ (in Englisch „The Heath“, den im deutschen Roman verwendeten Begriff weiss ich jetzt nicht) zu begleiten, mit David in seiner Küche einen zu heben.
Wie das kommt, kann ich nicht sagen. Nur was ich bestimmt sagen kann, ist, dass dies nicht die einzigen Aspekte sind, die mich John Ajvide Lindqvist vergöttern lassen. Immer wieder schlägt er Querbezüge innerhalb des Romans, macht Andeutungen, die grosse Fragezeichen vor dem inneren Auge aufblitzen lassen, beschreibt Details, die zunächst unwichtig scheinen mit dieser gewissen, ihm eigenen Signifikanz und führt das alles am Schluss schön zusammen.
Weiter fasziniert haben mich die „philosophisch-moralischen“ Überlegungen der Charaktere, wenn man das so nennen kann. Sie machen sich teilweise intensive Gedanken über die Ethik, die sie selbst vertreten und über das Leben um sie herum. Da dringt stellenweise wieder dieses Gesellschaftskritische durch, das mich schon bei den Erzählungen aus
Im Verborgenen begeistert hat. Da gibt es zum Beispiel eine Szene, in der erwähnt wird, dass die ganzen Ereignisse für die Comedians nur eines zu sein scheinen: Ein Scherz. Das hat meiner Meinung nach etwas.
Ausserdem schafft Ajvide Lindqvist es, selbst in der für die einen Charaktere emotional anstrengendsten Sequenz vor deren absolutem Spannungshöhepunkt immer noch einen Witz einzubauen. Die Witze sind mir in diesem Buch übrigens auch mehr aufgefallen, als in den anderen dreien.
Gut, ich gebe zu, ich bin nicht mehr objektiv in Bezug auf Bücher von John Ajvide Lindqvist. Aber wann ist man das schon? Bücher sind ja bekanntlich Geschmackssache und für meinen hat
So ruhet in Frieden oder - was ich als Titel irgendwie passender finde -
Handling The Undead
und ein

verdient.
Auch wenn man dazu sagen muss, dass manche Szenen etwas, naja... schwer nachzuvollziehen sind.
