EndeEinzig Rodja hat mit keiner Silbe erwähnt, dass er sich schuldig fühlt. Bis jetzt haben nur andere gesagt, dass er Schuld empfindet und Rodja hat nicht widersprochen, er hat es sich wohl auch eingestanden - aber gesagt hat er es (noch) nicht.
Wird sich Rodja am Ende sogar stellen, nur um von den geliebten Menschen die Last des Wissens und die Schuld des Schweigens zu nehmen? Ich bin gespannt.
Spannend blieb es in dieser Beziehung bis zum Ende: Rodja hat bis zum Schluss
geleugnet, dass er für die Tat selbst (moralische) Schuld trägt und ist anscheinend nur aus persönlichen Gründen ins Gefängnis gegangen und nicht, weil es richtig wäre. Als ich das Buch beendet hatte, war ich erst einmal etwas enttäuscht ob diesem Ende. Inzwischen habe ich die Geschichte einige Tage sacken lassen und bin nicht mehr enttäuscht, sondern empfinde den Schluss eher unbefriedigend - aber nur weil Rodjas Schuldanerkennung, Wiedergeburt etc. in einigen wenigen Abschlusssätzen angedeutet wird und ich gern mehr darüber gelesen hätte (ja, ja, die weibliche Neugier

). Aber wie Dostojewskij selbst schrieb, das ist wieder eine andere Geschichte...
Naja, trotzdem denke ich, dass Rodja sich 1) aus Liebe zu Sonja und Dunja und 2) wegen seiner Gewissensbisse gestellt hat. Er leugnet dies zwar bis zum Ende, aber seine Gedanken und Handlungen sprechen ja für sich (so erhofft er sich mit dem Geständnis Ruhe - es steht nicht im Buch, aber für mich bedeutet dies 'Ruhe für sein Gewissen').
Am Ende hatte Dostojewskij sogar noch ein paar Überraschungen parat. Ich war ziemlich überrascht, dass Rodja - ohne Rücksicht auf sein Leben und sein Wohlergehen - anderen das Leben gerettet hat. Solche Taten hätte ich ihm wirklich nicht zugetraut. Dostojewskij hat diese Information wirklich geschickt bis zum Ende verborgen, vielleicht um dem Leser damit nicht zu früh zu verraten, dass Rodja am Ende doch das Richtige tun wird...
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Mir ist erst ziemlich spät aufgefallen, eigentlich erst nach Beenden der Lektüre, dass Rodja immer weniger Platz in dem Roman einnimmt. Während die ersten Kapitel fast ausschließlich seine Gedanken wiedergaben, ist dies immer mehr in den Hintergrund gerückt und andere Handlungen/Personen standen im Vordergrund. Das ist so unauffällig geschehen, dass mir das erst nach Beenden des Buches aufgefallen ist. So beschäftigen sich die ersten Kapitel mit den
wirren Gedanken und (Schuld-)Gefühlen des Täters, während danach die
rationalen Meinungen (bezüglich der Tat) von anderen Personen immer mehr im Vordergrund stehen und der Leser erst durch sie die ganzen Ausmaße und Zusammenhänge des Verbrechens und des Verbrechers erfährt.
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Das Nachwort meiner Ausgabe (Winkler) habe ich nur überblättert (ich fand es tatsächlich schwieriger zu lesen als den ganzen Roman

). Ein paar Punkte fand ich jedoch ziemlich interessant: Dostojewsij wollte keine Kritik an den Verantwortlichen üben (das Straflager hat ihn in dieser Hinsicht kuriert), sondern nur die Missstände aufzeigen. Die einzige Kritik gilt der "Vätergeneration", die versagt hat (als Beispiel wird Rodjas Vater und die Episode mit dem Pferd genannt und dass fast ausschließlich junge Leute im Roman vorkommen) und die die "Jungen" hilf- und ziellos zurückgelassen hat - darum auch die Betonung auf das Russische, die russische Tradtion, die als einzige gut ist. Die verschiedenen Titel -
Schuld und Sühne und
Verbrechen und Strafe - verweisen auf Sonjas und Porfirijs Ansichten zu der Tat. Swidrigailow fungierte als Rodjas "andere Möglichkeit". Und, was mich am meisten überrascht hat, die gesamte Handlung findet innerhalb von 15 Tagen statt - mir sind es wie Monate vorgekommen...
So, das sind meine wichtigsten Gedanken und nun fällt mir nix mehr ein.
bimo
