Stand: Ende Teil VRodja hat Sonja seine Tat gestanden und ihr auch die Gründe genannt. Er wollte lediglich
ausprobieren, ob er ein "besserer", d.h. überragenderer Mensch ist als alle anderen. Ehrlich gesagt weiß ich im Augenblick nicht, was ich von Rodja halten soll. Seine Tat ist grauenvoll (seine Ansichten nicht minder) und durch nichts zu entschuldigen - aber irgendwie wirkt Rodja so hilflos und verzweifelt, dass ich auch wieder Mitleid mit ihm habe...
Noch interessanter als das Gespräch fand ich aber die "Atmosphäre" des 4. Kapitels. Ich konnte das kleine Zimmer sehen, die räumliche Enge und die Anspannung, die in der Luft lag, richtig fühlen. Ich kann mir wirklich keinen anderen Ort, keine andere Gelegenheit vorstellen, in der dieses Gespräch hätte stattfinden können. Aber auch das Nichtgesagte hat einen großen Eindruck auf mich gemacht: Sonjas Liebe und Verbindung zu Rodja, die auf den ersten Blick ob ihres plötzlichen (?) Vorhandenseins merkwürdig wirken, auf den zweiten Blick aber richtig erscheinen.
Tja, und was wollte uns Dostojewskij mit Katerina Iwanownas Ende mitteilen? Zuerst war ich ziemlich überrascht, dass plötzlich immer mehr Personen in dem Roman vorkommen und diese zudem noch ihre eigene, oft sogar sehr ausführliche "Geschichte" haben. Inzwischen denke ich, dass diese Figuren zwei bestimmte "Aufgaben" haben: 1. Mit ihrem jeweiligen Schicksal/Leben, die damalige Realität der Armut, der Missstände etc. wiedergeben. 2. Durch ihre Ansichten über Rodja wird dem Leser ein ausführliches Bild von ihm vermittelt. Vor allem der zweite Punkt ist mir erst sehr spät klar geworden. Rasumichin hat, glaube ich, den Charakter Rodjas schon zu Beginn sehr ausführlich beschrieben. Und dank Porfirij haben wir erst den eigentlichen Grund für Rodjas Tat erfahren. Ziemlich cool, oder?
Und nun bin ich gespannt, was Swidrigailow im Schilde führt...
Liebe Grüße,
bimo