Die Diskussion des Zeitschriftenaufsatzes Raskolnikows über das Verbrechen legt nahe, dass Raskolnikow sich für einen Menschen hält, der anderen überlegen ist und deshalb das moralische Recht zu Töten hat, auch wenn er dadurch juristisch zum Kriminellen wird. Petrowitsch deutet diese Möglichkeit in der Diskussion an.
Im Grunde läuft dieser Artikel und die Diskussion auf zwei Punkte hinaus:
1. "Ungewöhnliche" Menschen haben das Recht ein Verbrechen zu begehen, weil sie Besonderes leisten/leisten werden.
2. "Ungewöhnliche" Menschen haben das moralische Recht ein Verbrechen zu begehen.
Dass der zweite Punkt von den anderen als inakzeptabel betrachtet wird, ist klar, wieso aber der erste nicht? Waren das wirklich die Ansichten in der damaligen Zeit?...
Das moralische Recht leitet sich im Weiteren ab aus der Religion, deshalb wird Aussage 2 einhellig von den anderen abgelehnt. Aber wo die Religion bedeutungslos ist, wie in Aussage 1, ist auch Gott bedeutungslos, ist alles erlaubt, gibt es keine Argumente gegen Raskolnikows Verbrechen, das aus seiner Sicht kein Verbrechen ist, sondern allenfalls eine Grenzüberschreitung. Gelten für ihn gesellschaftliche Normen (Gesetze) nicht mehr - Werte sind offenbar nur für die Schwachen da -, gibt es nur noch die Frage, wie er als Individuum mit der Tat umgeht. Und diese innere Auseinandersetzung Raskolnikows bestimmt ja auch zu einem guten Teil den Roman. Wie sich das entwickelt, kann ich nicht sagen, da ich noch einige Seiten vor mir habe. Sonja scheint hier eine bedeutende Rolle zu spielen, vielleicht in erlösender Funktion, als Substitut für Christus, an den Raskolnikow nicht glaubt? Dann müsste sie ihm Gnade gewähren. Aber beim Stand der Lektüre weiß ich noch nicht, wie das geschehen sollte, es sei denn durch Liebe, die alles verzeiht.
Deine Frage, ob die Menschen früher tatsächlich so gedacht haben, verstehe ich nicht wirklich. In unserer Deutsch-Sprachausbildung haben wir auch Folgen einer beliebten Krimiserie gesehen, in der von Derrick ungefähr gefragt wurde: „Harry, in was für einer Welt leben wir eigentlich?“
Oder anders: Ob die Menschen seinerzeit tatsächlich so gedacht haben, weiß ich nicht, kann es nur vermuten. Was ich aber weiß, ist, dass sie heute so denken. Eliten beanspruchen mehr oder weniger offen für sich bestimmte Ausnahmen von geltenden Regeln (War es Zumwinkel, der es letztens sogar offen gesagt hat, dass Menschen, die „besondere Leistungen“ erbringen, nach anderen Maßstäben bewertet werden müssten? Weshalb, lässt sich schließen, auch so etwas wie das Steuerrecht nur für die Masse gilt?).
Tja, und plötzlich kommen in der Handlung immer mehr Personen vor. Zu Beginn freute ich mich über gelegentliche personelle Abwechslung, inzwischen ist das Personenverzeichnis mein ständiger Lesebegleiter. 
Bis bald, bimo 
P.S. Die Diskussion mit Petrowitsch war aber schon ein ziemliches Psychoduell, oder? Und wieder einer, der nicht wirklich von Rodjas Unschuld überzeugt ist. Offiziell glauben Rodja alle, aber im Geheimen nur die wenigsten...
Ja, mit den Namen ist das so eine Sache. Auch mein ständiger Begleiter ist das Personenverzeichnis. Es ist nicht leicht, die Personen immer sofort zu erkennen, wenn die Anreden häufiger wechseln, in Abhängigkeit von der Qualität einer Beziehung oder dem Grundton einer Äußerung. Gezielt auswendig lernen will ich die Namen nicht, manche bleiben natürlich beim Lesen in der Erinnerung. Gelegentlich habe ich zwei Petrowitschs verwechselt - insgesamt gibt es ja drei.
Dass das Personal mehr wird, gefällt mir vor allem, weil Dostojewskij es wie Falten in einem Fächer erweitert. In der geschickten Auffächerung führen auch die hinzugefügten Personen immer zurück auf die Grundthemen.
Ja, es ist ein Psychoduell. Einer dieser vielen faszinierenden Bausteine im Roman, die ich immer wieder mal zwischendurch nur für sich genommen lesen mag. Manche davon (in den ersten drei Teilen) habe ich schon drei, vier Mal gelesen.
Liebe Grüße,
mohan
