Stand: Teil II, Mitten in Kapitel 6Hallo zusammen.

Mir geht es momentan ähnlich wie Avila. Das Buch reizt mich nicht so ganz, zwischendurch schiebt sich immer wieder eine interessantere Lektüre dazwischen.
In Kapitel sechs festigt sich der Eindruck, Raskolnikow wolle entlarvt werden. Es entsteht eine Art Widerstreit in ihm zwischen diesem Wunsch und dem, der Verdächtigung entgehen zu können.
Es ist ausgesprochen interessant zu sehen, wie es Raskolnikow zum Tatort zurückzieht und wie er das Schicksal herausfordert, indem er es nicht lassen kann, über den Mord zu reden. Es sieht so aus, als versuche er das Schicksal.
Ich habe das Gefühl, dass Raskolnikow lieber überführt werden möchte, als sich selbst stellen zu müssen. So klammert er sich an jeden Strohhalm, um seinen Entschluss sich zu stellen, noch ein wenig aufschieben zu können. Andererseits gibt er ständig irgendwelche Hinweise und macht äuffällige Bemerkungen, die ihn mit dem Mord in Verbindung bringen müssen.
Raskolnikow's Unterhaltung mit Sametow hat mich verwirrt. Es scheint, als überlasse er sein Schicksal nun dem Zufall, indem er Sametow recht eindeutige Hinweise zu dem Mord gibt. Er selbst verspürt währenddessen auch eine abstrakte Art von Freude. An diesem Punkt kam mir auch der Gedanke, dass er langsam wahnsinnig wird. Es scheint, als amüsiere er sich zeitweise an den Gedanken der ihn umgebenden Menschen zum Mordfall, während ihn andererseits bei Gesprächen über denselben Panik befällt.
Vielleicht sieht er sein Schicksal nun auch als eine Art Spiel an - als wäre er ein Unbeteiligter, der mit dem Schicksal eines Anderen spielt und die Wirkung seiner Eingriffe gespannt beobachtet. Ob diese Wirkung nun positiv oder negativ ist, interessiert ihn nicht.
Wie auch immer - seine Gedanken scheinen sich nur noch um den Mord zu drehen. An seine Schwester oder Mutter denkt er fast nicht mehr.
Die Begegnung Raskolnikow's mit Luschin empfinde ich auch als sehr aufschlussreich. Dostojewskij skizziert mit der Person Luschin's eine intensive Kritik am Kapitalismus. Zur Erscheinungszeit von
Schuld und Sühne wurde wenig später auch
Das Kapital von Marx veröffentlich, man kann also davon ausgehen, dass Marx' Ideen eventuell auch schon vorher heiß diskutiert wurden und somit auch Dostojewskij prägten.