Ich habe den 1. Teil fertig gelesen und bin ... geplättet. Irgendwie ist es richtig
anstrengend, Raskolnikows Gedankengänge zu lesen, da diese so unglaublich realistisch und intensiv beschrieben werden. Der Leser nimmt nicht nur an seinen Handlungen teil, sondern auch an seinen wirren Gedanken...
3. & 4. KapitelWie Avila bereits schrieb, ist es wirklich interessant zu beobachten, dass Raskolnikow einen so "klaren" Verstand hat und auch zwischen den Zeilen des Briefes lesen kann (wie schon im 2. Kapitel). Als ich den Brief gelesen habe, gingen mir die gleichen Gedanken durch den Kopf, die später auch Raskolnikow hatte: Dass sich seine Schwester ebenso verkauft/opfert, wie es Sonja getan hat. Dass sie dies aus den gleichen Motiven tut (um die Familie zu unterstützen) und dass ihre Familie (die Mutter) es akzeptiert.
Die Rolle von Rasumichin finde ich auch interessant. Er ist ebenso arm wie Raskolnikow und schafft es trotzdem, indem er nicht aufgibt. Er ist beinahe das Gegenteil von Raskolnikow, welcher diesen steinigen & mühseligen Weg bereits abgeschrieben zu haben scheint und stattdessen den scheinbar leichteren Weg gewählt hat.
5. KapitelIn diesem Kapitel wird zum ersten Mal erwähnt, dass Raskolnikow
krank ist, allerdings wird (noch) nicht näher darauf eingegangen. Auch erfahren wir zum ersten Mal, dass er die Wucherin mit einem Beil erschlagen will, um gleich darauf wieder von seinen inneren Zweifeln & Gewissensbissen erschlagen ('tschuldigung, konnt' ich mir nicht verkneifen

) zu werden.
Interessant finde ich, dass, je näher der Tag der Tat kommt, Raskolnikow immer öfter mit Gott spricht und überall Zeichen sieht, die zur Tat führen. Ist das seine Art der Rechtfertigung?
6. KapitelIst es gerecht einen Menschen zu 'opfern', um das Leben anderer zu schützen? Spontan sage ich, Nein! Aber...
Irgendwie scheint Raskolnikow bei seinen Vorbereitungen wirklich vom Glückspfeil getroffen worden zu sein. Zufällig hört er dieses Gespräch, zufällig findet er das Holz und das Eisen etc. Dabei scheint er jedoch vergessen zu haben, dass noch immer
er die endgültige Entscheidung treffen muss. Ist dies vielleicht auch ein Merkmal seiner "Krankheit", das Nichtakzeptieren seiner Schuld & Verantwortung? Darauf deutet auch die Vorwegnahme des Erzählers an (welcher plötzlich von "wir" spricht), dass Raskolnikow diesen Mord nicht als ein "richtiges Verbrechen" ansieht.
7. KapitelTrotz seiner Angst, begeht Raskolnikow den ersten Mord sehr kaltblütig und handelt anschließend sehr methodisch. Der zweite nicht geplante Mord, mit dem er sich schützen will, ist ebenso kaltblütig, wirft ihn jedoch aus der (moralischen?) Bahn. Für's erste ist er mit den Morden ungestraft davongekommen. Aber das Buch heißt ja nicht umsonst
Schuld und Sühne, wir dürfen also gespannt sein.
Liebe Grüße,
bimo