Ich habe nun den ersten Teil beendet.
Die Begegnung Raskolnikow's mit dem betrunkenen Mädchen zeigt hier, dass Raskolnikow seine Mitmenschen nicht so gleichgültig sind, wie er es ansonsten gerne darstellt. Er will ihr helfen, merkt aber, dass es keinen Zweck hat. Er ist nicht in der Lage, das Mädchen vor dem gierigen Mann, welcher es auf sie abgesehen hat, zu beschützen.
Sein Traum in der darauf folgenden Nacht zeigt ebenfalls seine Hilflosigkeit gegenüber diesen - seiner Meinung nach - schlechten Menschen. Er selbst ist der Gnade anderer Menschen, wie seiner Hauswirtin überlassen.
Im Vergleich zu den relativ langwierigen Vorüberlegungen zum Mord wurde die Tat selbst innerhalb einer Seite abgehandelt. Raskolnikow zögert nicht, er tötet sie ohne dass ihn Zweifel plagen. Diese Rücksichtlosigkeit von Raskolnikow hat mich sehr überrascht, ich hätte eher erwartet, dass er das Unternehmen abbricht und zu einem anderen Zeitpunkt zuschlägt. Noch rücksichtloser ermordet er schließlich Lisaweta, die unerwartet am Ort des Geschehens auftaucht. Nach der Tat war er überraschenderweise noch soweit bei Verstand, dass er seine Spuren getilgt hat und sogar aus der schon auffällig gewordenen Wohnung flüchten konnte. Allerdings handelt er nun nicht mehr komplett gefühllos, sondern bekommt nun, nach dem zweiten Mord, und insbesondere als er die nahenden Menschen hört, Angst und gerät in Panik. Wenn die beiden Männer tatsächlich mit Hilfe des Hausknechtes die Tür aufgebrochen und eingetreten wären, während Raskolnikow noch in der Wohnung gewesen wäre, hätte die ganze Sache sicher kein so - bislang - gutes Ende nehmen können. Ob er den Mut gehabt hätte, auf 3 Männer loszugehen? Mit Sicherheit hätten sie andere Bewohner des Hauses auf die Morde aufmerksam gemacht, bevor Raskolnikow sie hätte stoppen können.
Die Darstellung Raskolnikow's gefällt mir noch immer recht gut, seine Zweifel und Angst lassen ihn menschlich erscheinen und verwischen den Eindruck eines gnadenlosen Mörders.