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Autor Thema: Miguel Angel Asturias - Sturm  (Gelesen 1137 mal)

Breña

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Miguel Angel Asturias - Sturm
« am: 25. Februar 2009, 20:21:10 »



Inhalt
Die US-amerikanische Bananengesellschaft Tropical Platanera Company versucht ohne Rücksicht auf Anwohner, Arbeiter und Umwelt ihre Interessen durchzusetzten, was natürlich zu Konflikten mit den lokalen Bananenbauern führt. Lester, der erst als nordamerikanischer Vagabund auftritt, scharrt einige der Bauern um sich und sie gründen eine eigene Gesellschaft, bekommen aber konstant Steine in den Weg gelegt. Die Situation droht zu eskalieren.

Meine Meinung
Asturias bietet dem Leser verschiedene Erzählebenen. Das Leben der Plantagenarbeiter bietet interessante Einblicke, u.a. in den Alltag, aber auch in guatemaltekischen Aberglauben und Mythologie. Episodenhaft rücken immer wieder andere Protagonisten in den Mittelpunkt des Erzählten, so dass sich verschiedene Schicksale zu einem Bild der Gesellschaft zusammenfügen. Auch die leitenden Angestellten der Bananengesellschaft, also die besser gestellten Nordamerikaner, kommen zu Wort und der Leser erhält ebenso einen Einblick in das Leben dieser Einwanderer. Der Kampf der Arbeiter gegen die Gesellschaft nimmt einen großen Teil der Erzählung ein, Asturias lässt viel Sozialkritik einfließen. Ein weiterer wichtiger Erzählstrang ist die Geschichte von Lester und Leland, die all diese Elemente sinnvoll verbindet. Am Ende bleibt mir der Eindruck mehr als knapp 170 eng bedruckte Seiten gelesen zu haben.

Leider sehr gewöhnungsbedürftig sind die Sprünge in Zeit und Ort mitten im Erzählfluß. Diese hätte man wenigstens im Layout durch einen neuen Absatz kennzeichnen können, so war ich das ein oder andere Mal doch sehr irritiert. Außerdem bleibt vieles ungesagt und erklärt sich erst im weiteren Verlauf aus späteren Ereignissen oder Unterhaltungen (z. B. Luceros Annäherung an Roselio), manches bleibt ganz offen, z. B.
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Sturm ist der 1949 erschienene Auftakt der sogenannten Bananen-Trilogie, für die Asturias 1967 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Die Folgebände sind Der grüne Papst (1954) und Die Augen der Begrabenen (1960).



Kompromisse mit der Ungerechtigkeit sind der Beginn aller moralischen Niederlagen, die unsere sogenannte christliche Zivilisation erleidet. (S. 75)

Es ist durchaus möglich, dass wir den Sieg nicht erleben, dass wir sterben, bevor wir mit dem Grünen Papst fertig geworden sind. Aber jene, die unseren Platz im Schützengraben einnehmen, werden siegen, wenn sie wie wir kämpfen, wie der Sturm, der alles hinwegfegt, wo er vorüberbraust, oder nur stehenläßt, was er ausgedörrt hat. (S. 83)



Insgesamt mal wieder ein Nobelpreisträger, dessen Stil mir nicht durchgängig zusagte. Seine Sozialkritik ist jedoch durchaus zeitlos und sein Blick auf die Umweltsünden der großen Gesellschaft immer noch aktuell. Durch die weitgefächerten Einblicke und die teils doch sehr dichte Atmosphäre eine lohnenswert Lektüre, die beiden folgenden Teile der Trilogie habe ich auf dem Radar.

 3ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

Viele Grüße
Breña
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Aldawen

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Re: Miguel Ángel Asturias - Sturm
« Antwort #1 am: 11. März 2009, 20:15:44 »

Der Inhaltsangabe von Breña habe ich nichts hinzufügen (das hieße nämlich, sich entweder in Details zu verlieren oder die ein oder andere Wendung vorwegzunehmen). Die verschiedenen Perspektiven, die Asturias dem Leser hier anbietet, fügen sich insgesamt zu einem runden Bild, auch wenn dies auf Kosten der Charakterzeichnung geht. Mit ganz wenigen Ausnahmen, und interessanterweise sind dies gerade die Frauen des Romans, sind sie mir zu blaß geblieben, aber Roselia und Leland bekamen gute Kontur. Zustimmen muß ich Breña auch hier:

Leider sehr gewöhnungsbedürftig sind die Sprünge in Zeit und Ort mitten im Erzählfluß. Diese hätte man wenigstens im Layout durch einen neuen Absatz kennzeichnen können, so war ich das ein oder andere Mal doch sehr irritiert.

Das ging mir tatsächlich auch so, und daher habe ich manche Abschnitte wirklich doppelt gelesen, bis mir jeweils aufging, daß wieder ein solcher Sprung vorlag.

Außerdem bleibt vieles ungesagt und erklärt sich erst im weiteren Verlauf aus späteren Ereignissen oder Unterhaltungen (z. B. Luceros Annäherung an Roselio), manches bleibt ganz offen, z. B.
Spoiler (Klick zum Anzeigen/Verbergen)

Den Spoiler halte ich jetzt für ein bißchen übertrieben, so früh wie dies im Buch geschieht. Das fand ich gar nicht merkwürdig, denn Leland waren an Lester Dinge aufgefallen, die (ihr) eindeutig zeigten, daß er nicht der oder das ist, was er zu sein vergibt: vor allem seine Sprache und seine Augen. Im Gegensatz zu diesen ganzen tropengeplagten Amerikanern der Plantagengesellschaft, die ihr Gehirn in Whiskey eingelegt haben, sieht sie eben noch hinter die Kulisse.

Jedenfalls war das endlich mal wieder ein Literaturnobelpreisträger, der mich ziemlich begeistert hat, den „Rest“ der Bananen-Trilogie will ich auf jeden Fall auch noch lesen. Das liegt sicher auch daran, daß mich dieses Buch in Konzeption und Erzählweise ein bißchen an B. Travens Die weiße Rose erinnert hat, das ich mit ähnlich großer Wut im Bauch über die Ausbeutung gelesen habe, auch wenn es dort um Öl und nicht um Bananen ging, die Mechanismen sind die gleichen ...

 4ratten

Schönen Gruß,
Aldawen
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Breña

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Re: Miguel Ángel Asturias - Sturm
« Antwort #2 am: 12. März 2009, 13:51:16 »

Den Spoiler halte ich jetzt für ein bißchen übertrieben, so früh wie dies im Buch geschieht. Das fand ich gar nicht merkwürdig, denn Leland waren an Lester Dinge aufgefallen, die (ihr) eindeutig zeigten, daß er nicht der oder das ist, was er zu sein vergibt: vor allem seine Sprache und seine Augen. Im Gegensatz zu diesen ganzen tropengeplagten Amerikanern der Plantagengesellschaft, die ihr Gehirn in Whiskey eingelegt haben, sieht sie eben noch hinter die Kulisse.

Asturias zaubert ganz andere Überraschungen aus dem Ärmel, stimmt, aber besser zu viel spoilern als zu viel verraten, oder? :zwinker: Und so ganz schlüssig war mir das Verhältnis der beiden bzw. Lesters Lebensweg nicht. Auch wenn sich im Verlauf der Geschichte manches erklärt, dieser Punkt wurde in meinen Augen vernachlässigt.

Jedenfalls war das endlich mal wieder ein Literaturnobelpreisträger, der mich ziemlich begeistert hat, den „Rest“ der Bananen-Trilogie will ich auf jeden Fall auch noch lesen.

Mit etwas Geduld wandern auch die Folgebände in deine Richtung. Sie sind, wie erwähnt, schon angefragt.  :breitgrins:

Viele Grüße
Breña
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Re: Miguel Ángel Asturias - Sturm
« Antwort #3 am: 12. März 2009, 13:57:38 »

Und so ganz schlüssig war mir das Verhältnis der beiden bzw. Lesters Lebensweg nicht. Auch wenn sich im Verlauf der Geschichte manches erklärt, dieser Punkt wurde in meinen Augen vernachlässigt.

Es wird eigentlich sehr explizit gesagt, ich suche heute abend die Stellen noch mal raus  :zwinker:
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Breña

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Re: Miguel Ángel Asturias - Sturm
« Antwort #4 am: 12. März 2009, 14:17:54 »

Und so ganz schlüssig war mir das Verhältnis der beiden bzw. Lesters Lebensweg nicht. Auch wenn sich im Verlauf der Geschichte manches erklärt, dieser Punkt wurde in meinen Augen vernachlässigt.
Es wird eigentlich sehr explizit gesagt, ich suche heute abend die Stellen noch mal raus  :zwinker:

Ja bitte! Dann kann ich vielleicht einschätzen, wann ich die betreffenden Abschnitte gelesen habe und ob ich mir Sorgen um meine Konzentrationsfähigkeit machen muss...  :zwinker:
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Aldawen

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Re: Miguel Angel Asturias - Sturm
« Antwort #5 am: 12. März 2009, 17:34:28 »

Es gibt bei der ersten Begegnung von Leland und Lester einige Sätze, von denen nicht klar ist, ob Leland sie „denkt“ oder nur der Erzähler, z. B. wird auf sein gepflegtes Äußeres verwiesen (abgesehen von der Kleidung) und auf sein noch gepflegteres Oxford-Englisch „wie ein Professor, ein protestantischer Geistlicher oder ein Diplomat“. Und dann heißt es:

Zitat von: S. 27 (Hervorhebung von mir)
Leland versuchte, Doña Roselia zuzulächeln. Aber sie vermochte es nicht, konnte nur schmerzlich die Lippen verziehen. Bevor sie aufbrach, richtete sie noch einmal forschend die goldbraunen Augen auf den seltsamen Menschen, den sie kennengelernt hatte. Offenbar war er nicht der arme Narr, dessen Rolle er spielte. Aber wer war er? (...) Cosi ließ sie vorbei, und nur seine Augen sprachen zu ihr, folgten ihr, zwei bewimperte Hoffnungen. Dann ging auch er. Sein unechtes Clownslachen verhallte in der Ferne.

Das sind m. E. die Gedanken von Leland, sie ist also schon stutzig geworden. Als sie nach Hause kommt und ihren Mann und ein paar Gäste begrüßt, erzählt sie von dieser Begegnung:

Zitat von: S. 28
Bevor die anderen etwas sagen konnten, berichtete Leland über ihre sonderbare Begegnung mit jenem scheinbar geistesgestörten Menschen, der ein so tadelloses Englisch sprach.

Scheinbar, nicht anscheinend, damit ist für mich eigentlich klar, daß sie ihn durchschaut hat.

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Re: Miguel Angel Asturias - Sturm
« Antwort #6 am: 14. März 2009, 00:03:43 »

Danke sehr! :klatschen:
Du hast Recht, diese Passagen sind eindeutig. Ganz so ungestört kann ich in der Bahn offenbar nicht lesen.  :rollen:
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