
InhaltDie US-amerikanische Bananengesellschaft
Tropical Platanera Company versucht ohne Rücksicht auf Anwohner, Arbeiter und Umwelt ihre Interessen durchzusetzten, was natürlich zu Konflikten mit den lokalen Bananenbauern führt. Lester, der erst als nordamerikanischer Vagabund auftritt, scharrt einige der Bauern um sich und sie gründen eine eigene Gesellschaft, bekommen aber konstant Steine in den Weg gelegt. Die Situation droht zu eskalieren.
Meine MeinungAsturias bietet dem Leser verschiedene Erzählebenen. Das Leben der Plantagenarbeiter bietet interessante Einblicke, u.a. in den Alltag, aber auch in guatemaltekischen Aberglauben und Mythologie. Episodenhaft rücken immer wieder andere Protagonisten in den Mittelpunkt des Erzählten, so dass sich verschiedene Schicksale zu einem Bild der Gesellschaft zusammenfügen. Auch die leitenden Angestellten der Bananengesellschaft, also die besser gestellten Nordamerikaner, kommen zu Wort und der Leser erhält ebenso einen Einblick in das Leben dieser Einwanderer. Der Kampf der Arbeiter gegen die Gesellschaft nimmt einen großen Teil der Erzählung ein, Asturias lässt viel Sozialkritik einfließen. Ein weiterer wichtiger Erzählstrang ist die Geschichte von Lester und Leland, die all diese Elemente sinnvoll verbindet. Am Ende bleibt mir der Eindruck mehr als knapp 170 eng bedruckte Seiten gelesen zu haben.
Leider sehr gewöhnungsbedürftig sind die Sprünge in Zeit und Ort mitten im Erzählfluß. Diese hätte man wenigstens im Layout durch einen neuen Absatz kennzeichnen können, so war ich das ein oder andere Mal doch sehr irritiert. Außerdem bleibt vieles ungesagt und erklärt sich erst im weiteren Verlauf aus späteren Ereignissen oder Unterhaltungen (z. B. Luceros Annäherung an Roselio), manches bleibt ganz offen, z. B.
warum Leland sich für Lester entschied, als dieser noch als verrückt galt.
Sturm ist der 1949 erschienene Auftakt der sogenannten Bananen-Trilogie, für die Asturias 1967 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Die Folgebände sind
Der grüne Papst (1954) und
Die Augen der Begrabenen (1960).
Kompromisse mit der Ungerechtigkeit sind der Beginn aller moralischen Niederlagen, die unsere sogenannte christliche Zivilisation erleidet. (S. 75)
Es ist durchaus möglich, dass wir den Sieg nicht erleben, dass wir sterben, bevor wir mit dem Grünen Papst fertig geworden sind. Aber jene, die unseren Platz im Schützengraben einnehmen, werden siegen, wenn sie wie wir kämpfen, wie der Sturm, der alles hinwegfegt, wo er vorüberbraust, oder nur stehenläßt, was er ausgedörrt hat. (S. 83)
Insgesamt mal wieder ein Nobelpreisträger, dessen Stil mir nicht durchgängig zusagte. Seine Sozialkritik ist jedoch durchaus zeitlos und sein Blick auf die Umweltsünden der großen Gesellschaft immer noch aktuell. Durch die weitgefächerten Einblicke und die teils doch sehr dichte Atmosphäre eine lohnenswert Lektüre, die beiden folgenden Teile der Trilogie habe ich auf dem Radar.
Viele Grüße
Breña