Hallo ihrs!

Hihi, Twiceybaby - als ich gesehen habe, wie weit du bist, habe ich erstmal eine 180°-Drehung weg vom PC zurück zum Buch hingelegt.

Ich bin am
Ende von Kapitel 5 (II Einkaufen) auf Seite 48.
Den erwähnten etwas abgehackten Schreibstil habe ich auch bemerkt, allerdings gefällt er mir in diesem Buch sehr gut. Er passt zu der Thematik und rückt gewisse abstrakte Situationen besser ins Licht.
Das 1. Kapitel hat mir sehr gut gefallen. Die Sehnsucht von Desfred nach den "alten Zeiten" wird hier gut dargestellt, ebenfalls die Härte, mit der die Privilegierteren mit den Mägden umgehen. Wobei mich das Erwähnen der
elektrischen Stachelstöcke der "Tanten"
schon ziemlich erschreckt hat. Da Frauen in dieser Gesellschaft generell minderwertiger als die Männer waren, würde der Gedanke naheliegen, dass zumindest sie zusammenhalten.
Ich dachte zunächst, dass hier die Geschichte schon beginnt. Dass die Mägde wie im Gefängnis gehalten werden und den Männern eventuell in speziellen Räumen zugeführt werden. Aber anscheinend war dies ja nur ein Rückblick auf die Vergangenheit, wo Desfred noch keiner Familie zugeteilt wurde.
Auffällig sind ja auch die Namen der Mägde: Defred, Desglen, Deswarren. Ob es da einen Zusammenhang gibt?
Das Verhältnis von Cora zu Rita erscheint mir im 2. Kapitel doch sehr nah. Als eigentliche Dienstmagd redet sie ziemlich offenherzig mit ihrer Herrin. Und ebenso wie bei den Frauen scheint es auch bei den Männern eine gewisse Hierarchie zu geben, wobei hier das Heiraten und das Bekommen einer eigenen Magd das oberste Ziel zu sein scheint.
Während der Unterhaltung zwischen Desfred und Desglen kam mir der Gedanke, dass in diesem System die Kirche anscheinend (noch) eine große Rolle spielt, und das sie wahrscheinlich das geforderte Verhalten der Mädge stark prägte. Allein der Dialog schien mit seinen gebräuchlichen Begrüßungen und Floskeln so standardisiert zu sein, dass andere Antworten wohl schon ein Verstoß zu sein scheinen. Aber das sind ersteinmal nur Vermutungen.
Hier lassen sich auch schöne Bezüge zu anderen Kulturen - wie Twiceybaby schon mit den Mormonen angesprochen hat - ziehen. Es erinnert mich auch ein wenig an den Islam, wo die Frauen sich verschleihern müssen und insbesondere mit anderen Männern nicht näher in Kontakt treten dürfen - oder auch an die Zeit des Mittelalters, wo sich die Frauen "sittsam" verhalten mussten und die Kommunikation mit anderen Männern, selbst ihren Verlobten, oft gar nicht zustande kam.
Das Ende des 5. Kapitels gefiel mir besonders gut:
"Er fragt sie, ob sie glücklich sind", sagte der Dolmetscher. Ich kann sie mir vorstellen, ihre Neugier: Sind sie glücklich? Wie können sie glücklich sein? ... Doch manchmal ist es ebenso gefährlich, nicht zu sprechen. "Ja, wir sind sehr glücklich", murmele ich. Denn irgend etwas muss ich sagen. Und was kann ich anderes sagen?
Hier wird ihre ausweglose Situation und ihre Angst, mit jemandem zu reden, weil dieser sie verraten könne, sehr gut deutlich. Denn die Gefahr scheint in diesem Staat anscheinend überall zu lauern...
So, nun wende ich mich ersteinmal meinem Englisch-Stoff für die morgige Kursarbeit zu. Ausgerechnet diese Woche ist voll bis zum Ende.
