Ich habe heute meine Mittagspause genutzt, um mit dem Buch anzufangen. Allein schon das Wiedersehen mit meinem zerlesenen, zerfallenden und mittlerweile schon kräftig vergilbten Taschenbuch hat mich total gerührt

Übrigens: die Unendliche Geschichte feiert dieses Jahr ihren 30. Geburtstag

Die Gestaltung des Buches mag ich auch sehr gerne - wie im Buch beschrieben, gibt es grüne und rote Schrift, vorne drauf AURYN und an jedem Kapitelanfang eine große Initiale, ausgestaltet mit Themen aus dem jeweiligen Kapitel. Dass jedes Kapitel mit einem anderen Buchstaben des Alphabets beginnt, finde ich auch genial.
Ich versuche meine Eindrücke mal ein wenig nach Kapiteln zu gliedern.
PrologBastian ist echt ne arme Socke. Mobbing an Schulen war also auch schon vor 30 Jahren ein Thema

Schüchtern und optisch von der Natur nicht gerade begünstigt obendrein. Umso interessanter, dass er sich gegen die Vorurteile des grummeligen Koreander zur Wehr setzt.
Besonders schön fand ich diese Passage, in der sich auch so mancher von uns wiederfinden wird:
Wer niemals ganze Nachmittage lang mit glühenden Ohren und verstrubbeltem Haar über einem Buch saß und las und las und die Welt um sich her vergaß, nicht mehr merkte, dass er hungrig wurde oder fror-
(...)
Wer niemals offen oder im geheimen bitterliche Tränen vergossen hat, weil eine wunderbare Geschichte zu Ende ging und man Abschied nehmen musste von den Gestalten, mit denen man gemeinsam so viele Abenteuer erlebt hatte, die man liebte und bewunderte, um die man gebangt und für die man gehofft hatte (...)
Eigentlich wäre Bastian bei uns im Forum auch gut aufgehoben gewesen. Da hätte er sich wenigstens über seine Lieblingsbücher austauschen können

Der Dachboden mit den gammeligen Turnmatten und dem ganzen alten Gerümpel ist einer der Handlungsorte, die ich mir von allen meinen gelesenen Büchern am besten vorstellen kann.
Kapitel 1Szenenwechsel zu einigen Gestalten, die ein erster Vorgeschmack auf die Vielfalt der Wesen in Phantásien gibt, und erstmals hört man von dem bedrohlichen Nichts, das sich im Lande breitmacht. Und trotz dieser Sachlage blitzt gerade in der Begegnung der vier Boten auch ein schöner Humor durch. Auch das Aufeinandertreffen der 499 Ärzte fand ich witzig.
Die Beschreibung der Kindlichen Kaiserin hat mich an ein bestimmtes Gottesverständnis erinnert. Sie übt keine Gewalt aus, nutzt ihre Macht nicht, lässt alle gewähren, existiert einfach nur - doch ohne sie gäbe es auch alle anderen Wesen nicht.
Kapitel 2Atréju wird berufen, eine ungewöhnliche Wahl - ein kleiner Junge, der noch nicht mal seinen ersten Büffel erlegt hat ...
Kapitel 3Atréjus Reise beginnt, einzig geschützt durch AURYN, denn von nun an muss er wie die Kindliche Kaiserin ohne Gewalt und Willensausübung auskommen, und führt ihn als erstes in die Sümpfe der Traurigkeit zur Uralten Morla, die das Geheimnis hinter der Kraft der Kindlichen Kaiserin kennt.
Die Vorstellung der Singenden Bäume gefiel mir gut, obwohl die ja auch nicht so ungefährlich zu sein scheinen.
Eine der traurigsten Momente im Buch ist der Abschied von seinem kleinen treuen Pferdchen. Diese Szene treibt mir jedes Mal wieder heiße Tränen in die Augen.
Die Morla hätte ich schütteln mögen, als sie Atréju zunächst das Geheimnis nicht verraten wollte *grrrr* Nur weil sie selbst mit dem Leben abgeschlossen hat, braucht sie auch nichts mehr für die anderen zu tun, oder wie?
Kapitel 4Ygramul, die Viele. Iiiiihhhh.
Eklige Vorstellung, diese surrende Masse aus Tausenden von Insekten! Und sich dann auch noch davon beißen lassen, brrrr ...
Und der arme Fuchur hat ja gerade noch Glück gehabt, dass Atréju auf ihn gestoßen ist. Die Beschreibung der schillernden Perlmuttschuppen finde ich so wunderschön!
Kapitel 5Die Zweisiedler finde ich irgendwie putzig, ein kleines altes hutzeliges Ehepaar, das ständig aufeinander herumhackt, auf eine Weise, die aus langer Zweisamkeit geboren ist. Engywuck mit seinem Professorenehrgeiz gegen die bodenständige Heilerin Urgl, herrlich!
Kapitel 6Die drei magischen Tore sind wunderschön beschrieben

Und Bastians Verdacht, der bereits in Ygramuls Schlucht aufgekeimt ist, bestätigt sich: irgendwie scheint er eine Rolle in der Geschichte zu spielen, nun, da er im Spiegel des Tores zu sehen war. Ob das wirklich nur Zufall ist?