Der neunte Tag ... nun ja, etwas besser als die vorherigen Tage war er schon, aber nicht so sehr. Fast nur die gleichen Themen, immer unter dem Hinweis, dass es, egal wie viel man darüber erzählt, immer noch mehr zu erzählen gibt.
Geschichte 1: Liebhaber und die "Streiche", die ihnen gespielt werden.

Interessiert hätte mich, was sie gemacht hätte, wenn die beiden nicht gestört worden wären.
Das würde mich auch mal interessieren. So einfach sich aus der Affäre ziehen, wäre der guten Frau wohl nicht geglückt.
Geschichte 2: Diesmal ist es die weibliche Geistlichkeit, die sich nicht beherrschen konnte. Allerdings hätte ich zu gerne die Äbtissin mit der Hose auf dem Kopf gesehen.
Geschichte 3: B&B back in action. Obwohl es mittlerweile die 4. (?) Geschichte um das Gespann ist, gefiel sie mir gut, da ständig verschiedene Themen aufgegriffen werden. Diesmal soll ihr Daueropfer Calandrino schwanger sein!!

Eine nette Erzählung, einfach, aber wirkungsvoll. Schön zu lesen, dass Männer eingestehen können, dass ihnen die Schmerzen bei einer Geburt angst machen, aber schade, dass dieses Eingeständnis erst kommt, wenn einer von ihnen selbst diese Erfahrung vermeintlich auf sich zukommen sieht.
Ich fürchte, dass die Gesamtheit der männlichen Wesen dieser Welt sich nicht unbedingt an Calandrinos Äußerung gebunden fühlt, da er nicht wirklich das typische Bild eines Mannes (stark, furchtlos, ... ) verkörpert.

Für Boccaccio als Autoren hingegen ist es wirklich ein bemerkenswertes Entgegenkommen, dass das Bild, alle Frauen seien schwach, dadurch zunichte macht, dass er anerkennt, was sie bei der Geburt durchmachen müssen.

Die
vierte Geschichte gefiel mir ebensowenig wie Yanni und passt meiner Meinung nach überhaupt nicht zur Stimmung der Gesellschaft. Sie wollen sich doch eigentlich ihres Lebens erfreuen und der trübseligen Atmosphäre durch die Pestepidemie entgegentreten. Allerdings an einem Tag ohne Motto so eine negative Geschichte hervorzuholen, widerspricht dem. Anscheinend empfanden es die anderen jungen Leute ähnlich, denn es heißt am Anfang der fünften Geschichte:
Als Neifile ihre nicht lange Geschichte beendet hatte und die Gesellschaft, ohne viel über sie gelacht oder gesprochen zu haben, darüber hinwegging, ...
Fünfte Geschichte und gleichzeitig fünfter Auftritt von B&B.

Diesmal muss aber nicht seine Frau als Unglücksursache herhalten, sondern im Gegenteil: sie richtet ihren Gatten nach dem versuchten Ehebruch ordentlich zu!
Nummer fünf ist eine weitere mit Calandrino. Mir fällt auf, immer wenn der Streich sich bei Calandrino zu Hause abspielt, ist seine Frau die Leidtragende und wird von ihm dominiert. Während es genau anderes herum ist, wenn es außer Haus geschieht. Anders herum würde ich sagen, seine Frau hat in ihrem Heim die Hosen an, aber so...
Interessante Beobachtung! Als Pantoffelheld kann man Calandrino aber auch nicht wirklich bezeichnen, sonst hätte er weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit die Hosen an. Merkwürdige Figur!
In der
sechsten Geschichte geht es ja ganz schön zur Sache. Reichlich dreist finde ich es, in einem Raum, in dem fünf Personen sich gleichzeitig aufhalten, zu seiner Geliebten ins Bett zu steigen. Auch die Wirtsfrau scheint in der Sache keine Hemmungen zu haben, auch wenn sie meint, sich zu ihrem Mann gelegt zu haben. Dank ihrer Geistesgegenwart nimmt die Erzählung noch ein glückliches Ende.
Bei der
siebten Geschichte wird wieder das Traummotiv aufgegriffen. Auch wenns Böse klingen mag, aber die Frau tut mir nicht leid. Ihrem Mann ohne jeden Grund eine schlechte Absicht zu unterstellen, wo er sie doch nur warnen wollte ...

Das Verhalten des Ciacco in der
achten Geschichte ist mal wieder ohne jegliches Verhältnis zu dem Streich, dem ihm der Biondello gespielt hat. Anscheinend hat dies Ciacco äußerst persönlich genommen und sich so schwer gekränkt gefühlt, dass nur Gewalt ihn beruhigen konnte.

Aaah, der König Salomo hat auch einen Auftritt im Dekameron. Obwohl er kaum in Erscheinung tritt, sind seine Ratschläge nicht wirkungslos, allerdings moralisch z.T. stark bedenklich.
Frauen brauchen den Stock, entweder als Bestrafung oder als Abschreckungsmittel für die eigentlich Folgsamen? Was ist das für eine Einstellung - selbst zur damaligen Zeit - bei einer unverheirateten Frau, die ohne adäquates Anstandspersonal mit ledigen jungen Männern in einer abgelegenen Villa zwei Wochen verbringt?
Wahrnehmungsdissonanzen hin oder her, das klingt schon fast so ähnlich wie das Stockholm-Syndrom. Wenn sie lange genug geschlagen werden, entwickeln Frauen eine umso engere und liebenswürdigere Beziehung zu ihrem Mann? Wie ging doch gleich das Lied von den Ärzten?

Die
zehnte Geschichte ist mal wieder typisch für Dioneo. Relativ derb geht es zu, als Don Gianni die Frau seines Gevatters in eine Stute verwandeln will.
In diesem Zusammenhang findet Dioneo ein Bild für eine unerwünschte Erektion: einer wacht auf, der nicht gerufen worden ist.
Diese Umschreibung hat mich zum Schmunzeln gebracht. Sehr eindeutig, ohne die Sache beim Namen zu nennen.

Zum Glück steht nun nur noch der zehnte Tag aus, den ich so schnell wie möglich lesen will, damit ich mich endlich wieder anderer Lektüre widmen kann. So schwierig hätte ich mir das nicht vorgestellt.
