Unter Dioneo wird von Streichen erzählt, „WELCHE, SEI ES AUS LIEBE ODER UM SICH AUS EINER VERLEGENHEIT ZU ZIEHEN, FRAUEN IHREN MÄNNERN GESPIELT HABEN, MÖGEN NUN DIESE ES GEWAHR GEWORDEN SEIN ODER NICHT.“
Am 7. Tag haben wir wieder ein schönes Beispiel für den Zusammenhang von Essen und Sex. Die erste Erzählung des Tages, vorgetragen von Emilia, ist eine Ehebruchsgeschichte, in deren Zentrum die Beschwörung von Gespenstern steht. Der Ehemann kommt überraschend nach Hause, weshalb der Geliebte sich mit einem Mahl als Ersatz für Sex zufrieden geben muss. Die Speisen beider Paarungen deuten ironisch auf die unterschiedliche Qualität der sexuellen Beziehungen hin.
In Filostratos Geschichte, der zweiten des Tages, kommt ein Ehemann früher nach Hause und findet die Tür verschlossen vor, weil seine Frau sich mit dem Geliebten vergnügt. Er betet zum Himmel, zwar sei er arm, aber seine Frau treu, die gleich nach seinem Weggang die Tür verschlossen habe. Erst durch das Gebet wird die Situation so richtig lächerlich. Das Ausschaben des Fasses ist auch wieder eine dieser obszönen Anspielungen, mit denen Boccaccio seine Geschichten durchsetzt.
Die ersten beiden Erzählungen nehmen Motive wieder auf, die wir aus der vierten Geschichte des dritten Tages kennen: mit dem Mönch Don Felice, der sich mit Isabetta, der Frau des Puccio vergnügt, während dieser Buße tut und betet. Auch dort gibt es einen Hinweis auf zwei Qualitäten von Speisen und die damit einhergehende Bedeutung der beiden Männer für die Frau.
Lauretta scheint in der Vorbemerkung zur vierten Geschichte für Boccaccio zu sprechen, als sie sagt: “O Liebe, wie groß und gewaltig ist deine Macht! Wie mannigfach sind deine Ratschläge und Erfindungen! Welcher Weise, welcher Künstler könnte jemals solche Listen, Ausflüchte und Eingebungen ersinnen, wie du sie denen, die deinen Spuren folgen, plötzlich darbietest? Fürwahr, jede andere Unterweisung ist langsam und schwerfällig im Vergleich zu der deinen, wie jeder aus den Geschichten ersehen kann, die euch schon erzählt wurden.“
Fiametta erzählt von einer Frau, die auf die Eifersucht ihres Mannes, der sie wie eine Gefangene behandelt, reagiert, indem sie eine Affäre mit dem Nachbarn anfangen will. Zu Weihnachten will sie angeblich die Beichte ablegen, ihr eifersüchtiger Mann will natürlich wissen, was sie zu beichten hat, spricht sich mit dem Pfarrer ab und gibt sich bei der Beichte als Geistlicher aus. Seine Frau erkennt ihn und erzählt ihm in einer falschen Beichte, ein Priester käme jede Nacht zu ihr ins Bett. Der Ehemann verbringt daraufhin seine Nächte vor dem Haustor und will den Priester ertappen, derweil der Nachbar übers Dach zur Frau schleicht. Der Ehemann erträgt seine Eifersucht nicht länger und stellt seine Frau zur Rede. Sie „gesteht“, sie habe mit dem Priester ihn gemeint und ihm nur eins auswischen wollen. Der doppelte Missbrauch der Beichte ist hier clever konstruiert.
Panfilos Geschichte, die neunte, ist eine der berühmtesten aus dem Decamerone. Sie spielt als eine von wenigen Erzählungen nicht in Italien, sondern in Argos, Griechenland. Lydia, die Gattin des Nikostratus, liebt Pyrrhus. Der fordert von ihr drei heftige Liebesbeweise: „erstlich, daß sie in des Nikostratus Gegenwart seinen guten Falken töte; dann, daß sie mir eine Locke aus dem Bart des Nikostratus schicke und zuletzt einen von seinen Zähnen, und zwar der besten einen.“ Darüber hinaus vergnügt sie sich mit Pyrrhus unter einem Birnbaum, während Nikostratus zusieht. Dies ist möglich, weil Pyrrhus Nikostratus manipuliert und ihn glauben lässt, auf dem Birnbaum sitzend würde man Dinge sehen, die gar nicht geschehen.
Die Geschichte spielt mit der Illusion und dem Aberglauben, wobei der Trick in der Behauptung besteht, es gebe keinen Trick, sondern alles spiele sich im Kopf des Betrachters ab. Alles eine Frage der Perspektive und Selbsttäuschung. Pyrrhus ist der Mensch, dem Nikostratus am meisten vertraut.
Insgesamt ein Tag, den ich mir unter der Leitung Dioneos vielleicht etwas frivoler vorgestellt hätte. Seltsam genug, dass die „Streiche“ so oft an Ehebruch gebunden sind.