Tja, der fünfte Tag als Wiedergutmachung des trübseligen vierten Tages … als Motto quasi wieder Dramen, aber diesmal mit Happy-End.
Die weibliche Hauptperson aus der
ersten Geschichte,
Iphigenie, kenne ich aus Goethes "Iphigenie auf Tauris", das wir in der Schule gelesen haben. Allerdings hat sie da eine andere Rolle gespielt. Auch
Kassandra ist eine Figur aus der griechischen Sagenwelt. Schade, dass die beiden Figuren so völlig zweckentfremdet wurden.
Die
zweite Geschichte gefiel mir da schon besser. Constanza denkt, ihr Liebhaber, den einst ihr Vater wegen seiner Armut abgewiesen hatte, kommt in Tunesien zu Reichtum und Ansehen und auch Constanza landet schließlich in Tunesien, wo sie ihren Geliebten wiedersieht.
Was für mich immer wieder erstaunlich ist, ist wie zuvorkommend die Muslime größtenteils die Christen behandelt haben, während christliche Ritter die Tugenden des Christentums (Liebe deinen Nächsten, Du sollst nicht töten) völlig bedenklos missachteten.
Die
dritte Geschichte war mal wieder etwas gruseliger. Wenn ich daran denke, wie Pietro die Nacht im Wald auf einem Baum verbringen musste, während sein Pferd quasi unter seinen Füßen von Wölfen zerrissen wurde …

und auch Agnolella war nicht besser dran, die sich in einem Heuhaufen vor Räubern verstecken musste und dabei beinah aufgespießt worden wäre …

Am Ende haben sie sich entsprechend dem Tagesmotto doch gefunden und geheiratet – verdientes Glück!
Filostrato erzählt nach den Ereignissen des vierten Tages überraschend die komischste Geschichte, von zwei Liebenden, Caterina und Ricciardo.
Die
vierte Geschichte gefiel mir sehr gut, insbesondere wegen der "Nachtigallen"

Anscheinend hat Filostrato, nachdem er sich am vorherigen Abend die Qualen von seiner Seele singen konnte, wieder gefangen.
Die
fünfte, sechste und siebte Geschichte sind alle nicht herausragend. Ständig kommt die Rettung "deus ex machina"-artig daher, bloß damit am Ende alles gut wird. In der Folge war mir das einfach zu viel des Guten.
Die
achte Erzählung betritt mal wieder übersinnliche Gefilde. Der Ritter und seine hartherzige Angebetete müssen, obwohl sie tot sind, doch ihre Zeit auf Erden verbringen, wo die Geliebte ständig von ihrem Ritter getötet wird.

Die Moral ist hier sehr eindeutig, aber gerade wegen dieser hartherzigen (göttlichen) Strafe empfand ich die Geschichte als eher unpassend. Sicherlich hat sie für Nastagio und seine Geliebte ein Happy End, aber der Ritter und dessen Geliebte schmoren weiter in den Höllenqualen.

Die
neunte Geschichte fand ich wieder toll. Beeindruckend, dass Federigos Liebe zu Monna Giovanna trotz seines Abstiegs vom reichen Edelmann zum armen Bauern so stark bleibt und dass er ihr sogar seinen geliebten Falken serviert, nur um ihr ein angemessenes Mahl bieten zu können. Von solch einer Zuneigung kann man echt nur träumen.

Dioneos
Abschlusserzählung hat mich in einem Punkt etwas überrascht und zwar hat sich der Erzähler nicht gescheut, von Homosexualität zu berichten. Ich war immer der Meinung, dass dies im Mittelalter ein absolutes Tabu-Thema war.

Die Art, wie er jedoch sowohl Pietro als auch seine Frau am Ende zum Zug kommen lässt, war für eine von Dioneos Geschichten wieder mal typisch.

Insgesamt gefiel mir der fünfte Tag deutlich besser als der vierte, weil die Stimmung wieder gelöster war. Von der Qualität der Geschichten sind immer ein paar schöne und ein paar recht gewöhnliche dabei und daran wird sich wohl auch an den restlichen Tagen nichts ändern.
LG Myriel