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Autor Thema: Das Dekameron - Fünfter Tag  (Gelesen 2233 mal)

Doris

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Das Dekameron - Fünfter Tag
« am: 31. Januar 2009, 22:55:19 »

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Lucius Annaeus Seneca

mohan

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #1 am: 19. Februar 2009, 12:18:07 »

Nahezu alle Erzählungen dieses Tages sind Abenteuergeschichten über Liebende, die, so das Tagesmotto: „nach Ungemach und Kümmernis Glückseligkeit gefunden haben“.

Alle Geschichten des Tages wirken wie eine Reaktion auf den bedrückenden vierten Tag. Manche ähneln denen des Vortages, nur dass sie glücklich enden. So verwendet Emilia in ihrer Erzählung, der zweiten des Tages, Elemente aus Elissas Geschichte vom Vortag (sizilianisches Umfeld, ein Mädchen namens Co(n)stanza, Piraten, den König von Tunis). Aber während in Elissas Geschichte der Pirat mitansehen muss, wie seine geliebte Constanza getötet wird, wird sie in der Erzählung Emilias gerettet.

Die Mehrzahl der Geschichten empfinde ich als Decamerone-Standardware, Variationen, die sich in Form und Inhalt ähnlich sind - was sie natürlich nicht zu schlechten Geschichten macht. Die folgenden Erzählungen haben mir ausgesprochen gut gefallen:

Filostrato erzählt nach den Ereignissen des vierten Tages überraschend die komischste Geschichte, von zwei Liebenden, Caterina und Ricciardo. Caterinas Bett muss wegen der Hitze auf den Erker gerückt werden, und weil sie den Gesang der Nachtigall hören möchte. Ricciardo steigt zu ihr ins Bett. Am Morgen sind sie noch so erschöpft, dass sie nicht rechtzeitig aufwachen. Caterinas Vater findet beide schlafend vor, sie hält mit der linken Hand fest, was „ihr Mädchen euch, zumal vor Männern, zu nennen scheut.“, seine Nachtigall, wie der Vater zur Mutter sagt. Boccaccio scheint zwar einzuräumen, dass vorehelicher Sex gegen göttliches Gesetz verstößt, die mitunter harten Strafen jedoch abzulehnen. Der Vater toleriert Ricciardos Versündigung unter der Bedingung, dass der Junge die Tochter heiratet, wozu er natürlich bereit ist. Und, wie Filostrato endet: “ging dann in Ruhe und Freuden, bei Tag und bei Nacht, soviel es ihm nur beliebte, noch lange mit ihr auf den Nachtigallenfang.”

Filomena erzählt in Geschichte acht von Nastagio, der den Ort seiner Ablehnung durch die Tochter des Messer Paolo Traversari verlässt. Eines Tages trifft er im Wald auf eine nackte Frau, die von einem furchterregendem Ritter verfolgt wird, der sich ihm als Guido degli Anastagni (auffallend die Ähnlichkeit der Namen Nastagio und Anastagni) vorstellt. Er sagt, er sei tot, habe sich aus Verzweiflung über die Grausamkeit der Frau, die er verfolgt, das Leben genommen. Die Frau sei ebenfalls tot, beide seien zu Strafen der Hölle verurteilt, eine fortlaufende Wiederholung der Verfolgungsjagd, die immer am Freitag damit ende, dass Anastagi das Herz der Frau an seine Jagdhunde verfüttere.
Nastagio bringt die Frau, die er liebt, unter dem Vorwand eines Mittagessens dazu, das Spektakel einmal mit ihm anzuschauen. Sie erkennt Parallelen zu ihrem Verhalten Nastagio gegenüber und ist bereit, ihn zu heiraten. Filomena hat die Geschichte mit den Worten eingeleitet: “So wie mitleidige Gesinnung an uns gelobt wird, ihr holden Damen, ahndet die göttliche Gerechtigkeit eine grausame auf das strengste, wo sie dergleichen unter uns antrifft. Um euch davon ein Beispiel zu geben und euch dadurch zu bewegen, daß ihr der Hartherzigkeit völlig entsagt.” Aber was hat das mit Liebe zu tun? Dies erinnert mich an einige der anderen Geschichten, in denen Lust, körperliches Begehren mit Liebe gleichgesetzt wurde.

Die neunte Geschichte beginnt mit dem Leiden unter nicht erwiderter Liebe und erzählt vom Niedergang des adligen Federigo di Messer Filippo Alberighi, der sich ruiniert in dem Bemühen um die glücklich verheiratete Monna Giovanna. Er verlässt den Ort mit seinem Falken. Monna Giovannas Mann stirbt, ihr Sohn erkrankt aus Zuneigung zum Falken Federigos, den er gerne sehen möchte. Um den Wunsch des Kindes erfüllen zu können, nimmt sie Federigos Einladung an. Der jedoch bereitet den Falken zum Mahl, weil er ihr sonst nichts bieten kann. Ihr Sohn stirbt, sie heiratet den großmütigen und aufopferungsvollen Federigo.
Das Leitmotiv des Falken finde ich ganz hervorragend (fort-)entwickelt. Der Vogel spielt bei jeder Wendung der Geschichte eine zentrale Rolle. Nicht nur eine der schönsten, auch eine der anspruchsvollsten Erzählungen des Decamerone.
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Myriel

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #2 am: 19. Februar 2009, 14:09:50 »

Tja, der fünfte Tag als Wiedergutmachung des trübseligen vierten Tages … als Motto quasi wieder Dramen, aber diesmal mit Happy-End.

Die weibliche Hauptperson aus der ersten Geschichte, Iphigenie, kenne ich aus Goethes "Iphigenie auf Tauris", das wir in der Schule gelesen haben. Allerdings hat sie da eine andere Rolle gespielt. Auch Kassandra ist eine Figur aus der griechischen Sagenwelt. Schade, dass die beiden Figuren so völlig zweckentfremdet wurden.

Die zweite Geschichte gefiel mir da schon besser. Constanza denkt, ihr Liebhaber, den einst ihr Vater wegen seiner Armut abgewiesen hatte, kommt in Tunesien zu Reichtum und Ansehen und auch Constanza landet schließlich in Tunesien, wo sie ihren Geliebten wiedersieht.
Was für mich immer wieder erstaunlich ist, ist wie zuvorkommend die Muslime größtenteils die Christen behandelt haben, während christliche Ritter die Tugenden des Christentums (Liebe deinen Nächsten, Du sollst nicht töten) völlig bedenklos missachteten.

Die dritte Geschichte war mal wieder etwas gruseliger. Wenn ich daran denke, wie Pietro die Nacht im Wald auf einem Baum verbringen musste, während sein Pferd quasi unter seinen Füßen von Wölfen zerrissen wurde …  :entsetzt: und auch Agnolella war nicht besser dran, die sich in einem Heuhaufen vor Räubern verstecken musste und dabei beinah aufgespießt worden wäre …  :entsetzt: Am Ende haben sie sich entsprechend dem Tagesmotto doch gefunden und geheiratet – verdientes Glück!

Filostrato erzählt nach den Ereignissen des vierten Tages überraschend die komischste Geschichte, von zwei Liebenden, Caterina und Ricciardo.
Die vierte Geschichte gefiel mir sehr gut, insbesondere wegen der "Nachtigallen"  totlach  Anscheinend hat Filostrato, nachdem er sich am vorherigen Abend die Qualen von seiner Seele singen konnte, wieder gefangen.

Die fünfte, sechste und siebte Geschichte sind alle nicht herausragend. Ständig kommt die Rettung "deus ex machina"-artig daher, bloß damit am Ende alles gut wird. In der Folge war mir das einfach zu viel des Guten.

Die achte Erzählung betritt mal wieder übersinnliche Gefilde. Der Ritter und seine hartherzige Angebetete müssen, obwohl sie tot sind, doch ihre Zeit auf Erden verbringen, wo die Geliebte ständig von ihrem Ritter getötet wird.  :entsetzt:  Die Moral ist hier sehr eindeutig, aber gerade wegen dieser hartherzigen (göttlichen) Strafe empfand ich die Geschichte als eher unpassend. Sicherlich hat sie für Nastagio und seine Geliebte ein Happy End, aber der Ritter und dessen Geliebte schmoren weiter in den Höllenqualen.  :Kreuz:

Die neunte Geschichte fand ich wieder toll. Beeindruckend, dass Federigos Liebe zu Monna Giovanna trotz seines Abstiegs vom reichen Edelmann zum armen Bauern so stark bleibt und dass er ihr sogar seinen geliebten Falken serviert, nur um ihr ein angemessenes Mahl bieten zu können. Von solch einer Zuneigung kann man echt nur träumen.  :herz:

Dioneos Abschlusserzählung hat mich in einem Punkt etwas überrascht und zwar hat sich der Erzähler nicht gescheut, von Homosexualität zu berichten. Ich war immer der Meinung, dass dies im Mittelalter ein absolutes Tabu-Thema war.  :confused:  Die Art, wie er jedoch sowohl Pietro als auch seine Frau am Ende zum Zug kommen lässt, war für eine von Dioneos Geschichten wieder mal typisch.  :breitgrins:

Insgesamt gefiel mir der fünfte Tag deutlich besser als der vierte, weil die Stimmung wieder gelöster war. Von der Qualität der Geschichten sind immer ein paar schöne und ein paar recht gewöhnliche dabei und daran wird sich wohl auch an den restlichen Tagen nichts ändern.

LG Myriel
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Doris

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #3 am: 19. Februar 2009, 21:47:06 »

Für mich bemerkenswert an diesem fünften Tag waren

die vierte Geschichte, in der Caterina auf dem Erker schlafen möchte, weil sie dort die Nachtigall singen hören kann. Was man sich unter der Nachtigall vorstellen muss, hat mohan oben schon beschrieben. Eine sehr humorvolle Geschichte von Filostrato, der langsam wieder besseren Mutes ist und uns mit weiteren depressiven Stimmungen verschont.

In der sechsten Geschichte erzählt Pampinea, wie die schöne Restituta entführt und dem König von Sizilien geschenkt wird. Gianni, der sie liebt, sucht und findet sie. Der König ertappt beide miteinander im Bett und lässt sie auf den Scheiterhaufen packen. Ruggieri erkennt in dem jungen Paar die Kinder von Leuten, denen der König seine Position auf Sizilien verdankt, woraufhin er die beiden laufen lässt und sie heiraten können.
Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie schieße ich mich auf Pampinea ein, zumindest bin ich schon immer gespannt, welche Geschichten sie wieder erzählt, in denen Frauen schlecht wegkommen. Hier wird eine Frau verschleppt, verschenkt und verurteilt, kurz gesagt wie Vieh behandelt, und lässt sich das alles widerstandslos bieten. Ich vermute immernoch, dass Pampinea alle anderen weiblichen Wesen als minderwertig darstellt, um sich selbst in ein besseres Licht zu rücken, was sie absolut nicht nötig hat. Oder ist es schlichtweg Eifersucht?

Die achte Geschichte fand ich schauerlich. Mal abgesehen davon, dass der Ritter und die nackte Frau wahrscheinlich bis in alle Ewigkeiten ihr Schauspiel weiter aufführen müssen, ist der Psychoterror, mit dem Nastagio seine Angebetete zur Liebe bekehren will, auch der falsche Weg. Kann man eine Frau erobern bzw. ihre Liebe gewinnen, wenn man ihr präsentiert, was anderen Liebespaaren Schicksalshaftes widerfahren ist? Das hat nichts mit Liebe oder auch nur körperlichem Begehren zu tun, sondern mit Gewalt und Zwang. Unter solchen Umständen kann man unmöglich glücklich werden. Ich sehe da kein Happyend für Nastagio und seine Holde.

Die neunte Geschichte mit dem Falken war schön. Federigo hat sein ganzes Vermögen verpulvert und sich in sein Schicksal ergeben, dass Giovanna ihn nicht erhört, und bewirkt mit seinem letzten und wertvollsten Opfer, dem Falken, einen Sinneswandel bei der standhaften Dame. Die Selbstaufopferung wird also letzten Endes doch belohnt.

Langsam werde ich der vielen Liebesgeschichten etwas überdrüssig, aber ich befürchte, das wird weiterhin das zentrale Thema bleiben. Die Kirche blieb an diesem Tag bedauerlicherweise außen vor und das gestaltet das Spektrum etwas eintönig. 
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Myriel

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #4 am: 20. Februar 2009, 09:23:24 »

Kann man eine Frau erobern bzw. ihre Liebe gewinnen, wenn man ihr präsentiert, was anderen Liebespaaren Schicksalshaftes widerfahren ist? Das hat nichts mit Liebe oder auch nur körperlichem Begehren zu tun, sondern mit Gewalt und Zwang. Unter solchen Umständen kann man unmöglich glücklich werden. Ich sehe da kein Happyend für Nastagio und seine Holde.

Ich habe es weniger als Zwang und Gewalt empfunden, sondern eher so, dass Nastagio seiner Angebeteten einen Spiegel vorgehalten hat und sie auf die möglichen Folgen ihres Handelns hinweist (wenn auch keinesfalls sehr zartfühlig). Dass die Geliebte daraufhin einsieht, wie ungerecht sie sich bisher gegenüber Nastagio verhalten hat und erkennt, dass er eigentlich doch ein Netter ist, macht es für mich schon zu einem Happy End - zumindest für diese Beiden.
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yanni

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #5 am: 20. Februar 2009, 09:37:50 »

Diesmal war die Einleitung glücklicherweise nicht so endlos lange. Irgendwie hat mich der vierte Tag geplättet und meine Lesemotivation ist gering. Das Motto des Tages unterscheidet sich nur durch den gegenteiligen Ausgang vom vorigen. Langsam gewinne ich den Eindruck, dass hörenswerte Liebesgeschichten damals mit einem ordentlichen Schuss Dramatik und oft mit bluttriefendem Gemetzel einhergingen.

Bei der ersten Geschichte wird auch ordentlich niedergemetzelt. Iphigenie und Kassandra sind bekannte Namen, wenn auch in anderem Zusammenhang. Die Damen scheinen mit ihrem Los ja ganz zufrieden zu sein.

Die zweite Geschichte könnte auch aus den Erzählungen aus 1001 Nacht sein. An manchen Tagen geht doch alles schief - sogar der Selbstmord.  :zwinker:

Die dritte Geschichte ist ganz nett, aber mehr auch nicht.

Die vierte Geschichte wird wohl diejenige sein, die in unser aller Gedächtnis haften wird.  :breitgrins: 

Die fünfte und ihr Familienzusammenführung war dann endlich mal etwas anders gestrickt. Lustig stellte ich mir die Szene vor, als die beiden Bediensteten sich gegenseitig loswerden wollten.
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mohan

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #6 am: 20. Februar 2009, 10:13:08 »

Die Moral ist hier sehr eindeutig, aber gerade wegen dieser hartherzigen (göttlichen) Strafe empfand ich die Geschichte als eher unpassend. Sicherlich hat sie für Nastagio und seine Geliebte ein Happy End, aber der Ritter und dessen Geliebte schmoren weiter in den Höllenqualen.  :Kreuz:

Die neunte Geschichte fand ich wieder toll. Beeindruckend, dass Federigos Liebe zu Monna Giovanna trotz seines Abstiegs vom reichen Edelmann zum armen Bauern so stark bleibt und dass er ihr sogar seinen geliebten Falken serviert, nur um ihr ein angemessenes Mahl bieten zu können. Von solch einer Zuneigung kann man echt nur träumen.  :herz:

Aber was hat das mit Liebe zu tun? Dies erinnert mich an einige der anderen Geschichten, in denen Lust, körperliches Begehren mit Liebe gleichgesetzt wurde.

Das hat nichts mit Liebe oder auch nur körperlichem Begehren zu tun, sondern mit Gewalt und Zwang. Unter solchen Umständen kann man unmöglich glücklich werden. Ich sehe da kein Happyend für Nastagio und seine Holde.

Auffällig ist, dass die beiden Geschichten in direkter Abfolge erzählt werden und dass wir zu so gegensätzlichen Einschätzungen kommen.

Der Vergleich von 8 und 9 zeigt einen deutlichen Unterschied im Verhalten des Mannes zur Frau: Zwang vs. Opfer. Steht 8 für den aus meiner Sicht dummen Spruch, dass manche Menschen zu ihrem Glück gezwungen werden müssen? Diese Art von "Anbahnung" ist im Decamerone nicht selten. Was war für die Menschen in Boccaccios Zeit "Liebe"? Der Text bietet uns zwei Konzepte an, die von Herzen kommende romantische Liebe und das von Trieben bestimmte Begehren. Beides führt offensichtlich zu Eheschließungen. Im Moment kann ich mich nicht daran erinnern, etwas von einer aus Vernunftgründen geschlossenen Ehe gelesen zu haben. Manche Ehen im Decamerone mündeten offensichtlich in Hass oder Gleichgültigkeit.
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yanni

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #7 am: 21. Februar 2009, 20:24:59 »

In der sechsten Geschichte erwartet die Liebenden ja ein schauerliches Ende. Zum Glück kommt dell'Oria vorbei und erkennt den jungen Mann. Hätte die Geschichte auch ein gutes Ende gehabt, wenn der König nicht durch beide Familien seine Stellung gesichert hätte? Ich glaube nicht.  :rollen:
Ein Frau als Geschenk! Sitten waren das.

Auch in der siebten Geschichte kann sich der junge Mann nur durch seine Abstammung seinem Todesurteil entziehen. Ja, ja, Familienbande und Beziehungen sind wohl doch das Wichtigste im Leben scheint's.
Den Vater der jungen Frau fand ich schauderhaft. Aber der Gipfel war ja sein Verhalten, als er erfuhr wer der junge Mann in Wirklichkeit war und seine Tochter nun doch am Leben wissen wollte. Als Vater wäre der für mich gestorben. Zum Glück ist sie ja dann mit Mann und Schwiegervater weit weg gereist.

Die achte fand ich ebenso haarsträubend wie Doris. Von wegen sich von Hass in Liebe gewandelt. Die Frau hatte Panik und wollte solches Schicksal von sich wenden. Mit Liebe hatte das keinesfalls zu tun. Gemeine Erpressung wäre der richtige Ausdruck.

Geschichte Nummer neun gefiel mir wieder gut. Federigo hält an seiner Liebe fest, egal was kommt. Wie gross sie gewesen sein muss, sieht man schon daran, dass er seinen Falken opfert und dann gerade wegen dieses Opfers glaubt seine Geliebte schwer enttäuscht zu haben. Der einzige Wermutstropfen darin war der Tod des Knaben. Nicht weil mir die Mutter leid tut, sondern eher weil die Geschichte dadurch für mich etwas an Wert verliert. Denn erst durch den Tod des Jungen erbt die Frau das ganze Geld und Federigo wird durch sie wieder wohlhabend.

Geschichte Nummer zehn stellt am Ende alle Beteiligten zufrieden.  :zwinker: Zwar bekommt in gewisse Weise erst mal jeder sein Fett weg, aber am Ende ist alles gut!
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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #8 am: 23. Februar 2009, 13:37:35 »

Die Mehrzahl der Geschichten empfinde ich als Decamerone-Standardware, Variationen, die sich in Form und Inhalt ähnlich sind - was sie natürlich nicht zu schlechten Geschichten macht.

So geht es mir auch, ich habe gestern bis Geschichte sechs gelesen und empfand die Geschichten eigentlich eher als langweilig, als hätte man sie irgendwo im Dekameron schon mal in etwas abgewandelter Form gelesen. Ich hoffe das wird wieder besser, immerhin habe ich noch 54 Geschichten vor mir und hoffe auf ein paar einzigartige, herausragende Geschichten.

Einzig die vierte Geschichte mit der jungen Dame, die unbedingt auf dem Erker schlafen will, um die "Nachtigall" zu hören, hat mir gut gefallen. Das war ja fast so witzig, wie "den Teufel in die Hölle zurückschicken", nur diesmal sagt man eben "die Nachtigall fangen" dazu.
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Saltanah

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #9 am: 25. Februar 2009, 01:38:15 »

Ich bin auch endlich beim fünften Tag angelangt.

Erste Geschichte:
Ehrlich gesagt fand ich sie ganz schlimm. Es mag gerade noch angehen, dass aus dem Dorftrottel durch die Macht der Schönheit ein kluger Bursche wird (das ist eine wenn auch nicht realistische, so doch wenigstens eine romantische Vorstellung) und meinetwegen soll er auch der beste, schönste, intelligenteste, stärkste... von allen werden.
Dass er - und sein Freund auch - aber die Angebetete einfach so raubt, ohne dass auch nur angedeutet würde, dass sie seine Liebe erwiedert, nehme ich ihm übel. Dass sie weint, schreit und klagt, deutet jedenfalls nicht auf ihre Zustimmung hin. Und dass die beiden Männer im letzten Absatz "ihre Beute genießen", zeigt auch einen deutlichen Mangel an Gegenseitigkeit. Und es leben auch nicht etwa alle 4 glücklich in ihrem Heimatland, sondern nur "die beiden, jeder mit seiner Dame". Was die Damen davon halten, wird verschwiegen.
Hier wird Frauen Gewalt angetan und das ganze dann als glückliche Geschichte verkauft :grmpf: . Schlimm!

Zweite Geschichte:
Der Trick mit den dünnen Bogensehnen wurde laut Anmerkung in meinem Buch in Villanis Chronik beschrieben. Der König der Tartaren benutzte den Trick 1299 im Kampf gegen den äbyptischen Sultan.

Dritte Geschichte:
Die beiden haben ihr Happy End redlich verdient. Ich gönne es ihnen. Ansonsten fand ich die Geschichte allerdings eher nichtssagend.
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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #10 am: 25. Februar 2009, 10:24:48 »

Die neunte Geschichte hat mir als Abschluss des Tages nochmal richtig gut gefallen. Ich kannte sie zwar schon aus der Schule, wir haben sie da mal durchgenommen, aber ich erinnere mich genau, wie ich damals schon mitgefiebert habe und wie traurig ich war, als Federigo merkt, dass er der Dame ihren Wunsch nicht erfüllen kann  :heul: Zum Glück gibt es noch ein Happy End für beide!
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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #11 am: 10. März 2009, 18:42:07 »

Ach Leute, meine Rezensionsfaulheit hat sich nun leider auch in eine Diskutierschwäche verwandelt. Sorry, dass ich nichts mehr von mir habe hören lassen, obwohl ich den fünften Tag doch schon vor mehr als einer Woche beendet hatte.

Die 4. Geschichte - die mit der Nachtigall - war wirklich der Höhepunkt dieser und auch der vorhergehenden Nächte. Schade, dass nicht mehr Geschichten so wie diese waren.

Was ich schon in der 1. Geschichte zu bemängeln hatte, kam in der 5. auch wieder vor: Auch hier wird die Frau als Beute bezeichnet, und das ist etwas, auf das ich allergisch reagiere. Auch dass die weibliche Hauptperson erst im letzten Absatz einen Namen und damit eine Identität bekommt, ärgert mich.

Und da ich mich schon am Ärgern bin: Wenn ich wie in der 8. Geschichte lesen muss, dass eine Frau grausam und sündhaft ist, wenn sie einen Anbeter nicht erhört, geht mir die Hutschnur hoch! Ja, ja, wenn ER will, hat SIE das gefälligst auch zu tun :grmpf: .

Die 10. Geschichte stellte mich vor ein großes Rätsel: Ich kannte sie nämlich schon. Der unter dem Korb versteckte Liebhaber, dem etwas auf die Hand tritt, der Spruch "ich verstoße nur gegen das Gesetz, du aber gegen das Gesetz und die Natur" und die Frage des jungen Mannes am nächsten Morgen, wer sich denn jetzt mehr mit ihm vergnügt habe, die Frau oder der Mann - das alles hatte ich schon einmal gelesen. Dabei kannte ich doch bisher nur den 2. Teil des Dekameron, den ich vor gut 30 Jahren schon mal gelesen hatte.
Des Rätsels Lösung: der 2. Teil, das ergab eine Kontrolle, fängt in meiner alten Ausgabe mit dem 5. Tag an, nicht wie vermutet mit dem sechsten. Interessant ist schon, dass mir die anderen Geschichten des fünften Tages völlig unbekannt erschienen; nur die letzte hat einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass hier Homosexualität angesprochen wird, ein Thema, das Ende der Siebziger noch lange nicht so präsent war wie heutzutage.
In dem Zusammenhang hat mich übrigens gewundert, dass Homosexualität nur in dieser Geschichte vorkommt - ich hatte gedacht, sie wäre öfter ein Thema. Entweder ändert sich das in den nächsten Tagen noch, oder ich habe das gedacht, gerade weil diese eine Geschichte in meinem Gedächtnis geblieben ist.

Jedenfalls verabschiede ich mich nun von euch. Ich musste leider feststellen, dass mir die Geschichten viel weniger gut gefallen haben als vor 30 Jahren. Ich habe mich oft genug bei der Lektüre gelangweilt und da ich den Rest ja schon "kenne" (auch wenn ich mich nicht mehr an ihn erinnere :zwinker: ), kann ich nun guten Gewissens behaupten, das gesamte Dekamerone gelesen zu haben und es für mich abhaken. Noch einmal werde ich sicher nicht zu dem Buch greifen.
Euch noch viel Spaß!
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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #12 am: 10. März 2009, 22:07:25 »

Es war trotzdem interessant, Deine Beiträge zu lesen.  :winken:

Bei mir hat die Begeisterung in der zweiten Hälfte auch nachgelassen, was aber daran lag, dass ich ohnehin kein Liebhaber von Kurzgeschichten bin und die Themen doch sehr eingeschränkt waren und sich in unterschiedlichen Variationen wiederholten.
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Myriel

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #13 am: 11. März 2009, 13:11:03 »

Hast Du's gut Saltanah, dass Du das Dekameron schon als abgehakt betrachten kannst. *neid*

Zum Glück nähere ich mich auch schon dem Ende, denn die Erzählungen sind sich thematisch streckenweise so ähnlich, dass die Lektüre in einen K(r)ampf ausartet.  :schwitz:
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Doris

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Re: Das Dekameron - Fünfter Tag
« Antwort #14 am: 11. März 2009, 20:48:59 »

So schlimm? Da sieht man mal, wie stark wir geprägt sind durch die Vielfalt an Einflüssen und Themen, die heutzutage auf uns einströmen. Die vielen Wiederholungen in Sachen Liebe und Ehebruch waren zwar etwas einseitig, aber ich fand es trotzdem abwechslungsreich und zwischen den Zeilen gab es ja auch noch einiges zu lesen. Mich hat eher gestört, dass die Geschichten so kurz waren.
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