Der vierte Tag unter Herrschaft von Filostrato steht unter dem Motto "Liebe mit einem unglücklichen Ende".
Bevor jedoch vom vierten Tag der Reisegesellschaft erzählt wird, meldet sich der Erzähler des Ganzen persönlich beim Leser, und beklagt, welche Anschuldigungen ihm wegen der bisherigen Teile des Dekamerons, die wohl schon erschienen seien, gemacht würden. Das hat mich etwas an Don Quijote und das Verwirrspiel mit dem Buch im Buch erinnert, bei dem der erste Teil über die Abenteuer des Don Q. immer wieder im zweiten Buch erwähnt wurde.
Was genau der Autor hiermit bezwecken will, erschließt sich mir nicht ganz. Das ganze Gelaber ist wohl vor allem als Rechtfertigung gedacht, warum er sich denn so um die Frauen bemüht, aber ehrlich gesagt hat es mich nicht die Bohne interessiert.

Als die Handlung sich dann endlich wieder unseren Damen und Herren zugewendet hat, beginnt Fiammetta mit der
ersten Geschichte, die gemäß dem Tagesmotto ziemlich traurig war. Nachdem der Fürst den Liebhaber seiner Tochter ermordet hat, bringt sie sich selbst auch um. Der Fürst, der nicht geglaubt hat, dass sie dazu fähig sei, hat sich nun doppelt schuldig gemacht.

Der König Filostrato macht anschließend eine Bemerkung, dass er selbst wegen der Hälfte der Liebe, die die Tochter und ihr Geliebter genossen haben, den Tod in Kauf genommen hätte. Anscheinend ist er selbst auch sehr unglücklich verliebt.
Nachdem diese Erzählung die Zuhörer (und auch mich als Leser) ziemlich mitgenommen hat, erzählt Pampinea die
zweite Geschichte, die zwar dem Tagesmotto gerecht wird, aber die auch humorvoll ist und bei der wie üblich die Geistlichen mal wieder aufs Korn genommen werden. Filostrato macht am Ende deutlich, dass er keine lustigen Geschichten hören will und lieber bei trübseligen Erzählungen bleibt.
Die
dritte Geschichte handelt von drei Paaren, die sich zum Teil gegenseitig wegen Eifersucht und Zorn umbringen und bei der die Überlebenden in Armut und Elend enden. Natürlich wird die Gelegenheit benutzt, um die Anwesenden vor den schlimmen Folgen von Eifersucht und Zorn zu warnen.

Bei der
vierten Geschichte hätte man den Gerbino besser vor den Folgen von blinder Liebe und dem Drang der Selbstbehauptung gewarnt. Seine (persönlich unbekannte) Geliebte soll an jemand anderen verheiratet werden. Der Vater der Geliebten erhält von Gerbinos Opa die Zusage, dass Gerbino nichts unternehmen wird. Von seiner Geliebten aber aufgestachelt greift er trotz der Zusicherung seines Vaters ihr Schiff an, woraufhin dessen Crew die Geliebte tötet und Gerbino später von seinem Opa ebenfalls zum Tode verurteilt wird.
Die
fünfte und sechste Geschichte beinhalten beide Träume und wie sie sich bewahrheiten können. Während in der fünften Geschichte einer Frau das Schicksal ihres verschollenen Liebhabers offenbart wird, der von ihren Brüdern ermordert wird, haben in der sechsten Geschichte zwei Geliebte ähnlich unheilvolle Träume, die mit dem Tod des Liebhabers enden. Der Liebhaber glaubt jedoch nicht an Träume und besucht dennoch seine Geliebte, wo er den Tod findet.
Diese mystische Note mit den Träumen in den Erzählungen hat mir sehr gut gefallen, auch weil es zur Abwechslung mal etwas Unheimliches war.
Die
siebte Geschichte handelt von zwei Geliebten, die beide sterben, weil sie Salbeiblätter von einem Strauch gekostet haben, unter dem eine große und giftige Kröte saß, die den ganzen Strauch verpestet hat. Das kommt mir reichlich unglaubwürdig vor. Eine Kröte kann doch nicht überleben, wenn sie nur an einem Platz verharrt und wie sollte sie noch dazu eine Pflanze vergiften? Hat sie die Pflanze vielleicht mit ihrem Gift getränkt oder sowas? Nee, die Erzählung gefiel mir nicht.

In der
achten Geschichte spielt eine intrigante Mutter, die für ihren Sohn nur das Beste will und ihn deshalb von seiner Jugendliebe fernhält den Todesengel. Als der Sohn nämlich nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt erfährt, dass seine Geliebte einen anderen geheiratet hat, stirbt er vor Gram und auch sie erinnert sich ihrer großen Liebe und stirbt in der Kirche bei der Aufbahrung seiner Leiche an gebrochenem Herzen.
Mal ganz dumm gefragt: Kann man denn wirklich von jetzt auf gleich an einem gebrochenem Herzen sterben? Ich kann mir das maximal so vorstellen, dass die Personen durch den Schock o.ä. einen Herzinfarkt bekommen haben. Aber so wie der Tod von Girolamo geschildert wird (
"Der Jüngling ... beschloß, nicht mehr leben zu wollen. Und so hielt er die Lebensgeister an, preßte die Hände zusammen und starb, ohne einen Laut von sich zu geben, an ihrer Seite.") ist das sehr kurios.

In der
neunten Geschichte führt mal wieder die Eifersucht über einen begangenen Seitensprung dazu, dass der Betrogene seinen Rivalen tötet und die Frau sich daraufhin das Leben nimmt. In der Masse der Erzählungen nichts herausragendes, maximal mit erhöhtem Ekelfaktor.

Mit der
zehnten Geschichte kommt wieder Dioneos Privileg zum Tragen und er erzählt etwas Lustiges, um die Gesellschaft aufzuheitern. Die Verwirrungen und Zufälle, die hier zusammenkommen, sind wahrlich sehr überzogen, aber genau das macht den Charm von der Erzählung aus. Gefiel mir gut.
Am Ende wird Fiammetta von Filostrato zur neuen Königin gekürt und sie verlangt von ihm, sich in einem Lied die Qualen von der Seele zu reden, damit er zukünftig nicht mehr so trübselig ist wie am vierten Tag und damit den Übrigen die Laune verdirbt. Daraufhin sing Filostrato dann von seiner Liebsten, die aber offenbar für ihn nicht das Gleiche empfindet wie er und die statt dessen einen Anderen liebt. Die Geliebte ist definitiv eines der Mädchen der Gesellschaft, wie deutlich gesagt wird. Nur welche?

Möglich wäre ja Lauretta, zu der er am dritten Tag etwas gesagt hat:
Nach der letzten Geschichte machte Filostrato eine Bemerkung gegenüber Lauretta, die mich vermuten lässt, dass diese beiden heimlich verbandelt sein könnten: "Nichts, was von dir ist, könnte anders als schön und lieblich sein." Und das Lied von der unglücklichen Liebe war dann auch wirklich schön.
LG Myriel