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Autor Thema: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort  (Gelesen 3074 mal)

yanni

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #15 am: 25. Februar 2009, 23:21:38 »

Ich bin jetzt mehrmals auf die Ausdrucksweise gedruckt 1470 gestossen. Dann kann es ja handschriftlich schon viel früher erschienen sein. Hat mohan nicht irgendwo geschrieben, dass die Kirche sich die schönste Handschrift des Decamerone zugelegt hat? Zu Lebzeiten Boccaccios gab es die Buchdruckkunst noch nicht, oder täusche ich mich da?
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Saltanah

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #16 am: 25. Februar 2009, 23:56:26 »

Ich bin jetzt mehrmals auf die Ausdrucksweise gedruckt 1470 gestossen.

Genau da liegt wohl der Hase im Pfeffer. Gutenberg hat ja erst Mitte des 15. Jahrhunderts den Buchdruck "erfunden"; vorher wurden Bücher über handschriftliche Kopien verbreitet. So auch das Dekameron laut Vorwort meiner Ausgabe. "Es verbreiete sich schnell in Abschriften" heißt es da.
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Doris

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #17 am: 26. Februar 2009, 20:57:06 »

Danke! Da habt ihr mich auf etwas gebracht. In Wikipedia habe ich nach "Buchdruck" gesucht und herausgefunden, dass der von Gutenberg praktizierte Buchdruck sich auf den Druck mit metallenen Lettern bezieht (der dadurch effizienter wurde), aber bereits ab 1410 Bücher mit Holzschnitt-Drucktafeln hergestellt wurden. Es könnte also auch vor 1470 erscheinen sein.

Nach euren Antworten bin ich aber ziemlich sicher, dass das Dekameron handschriftlich kopiert und verbreitet wurde, schließlich war Boccaccio ja schon zu Lebzeiten berühmt, was wohl auf das Dekameron als Hauptwerk zurückzuführen ist. Ich werde daher für mich das Jahr 1353, in dem es fertig gestellt wurde, als Erscheinungsdatum festhalten, bis ich etwas Gegenteiliges finde.

Liebe Grüße
Doris
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Lucius Annaeus Seneca

foenig

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #18 am: 27. Februar 2009, 07:58:17 »

Hey,
wenn das Buch 100 Jahre nur durch handschriftliche Kopien verbreitet wurde, besteht dann die Möglichkeit, dass wir überhaupt nicht das Buch so lesen wir Boccacio es geschrieben hat?

Bei handschriftlichen Kopien schleichen sich schnell mal Fehler ein oder auch absichtliche Veränderungen. Daher meine Frage.
Aber wahrscheinlich kann man das Problem der Veränderung aufgrund der kurzen Zeit vernachlässigen. Wie viele Bücher wurden wohl in 100 Jahren kopiert? Wahrscheinlich nicht sehr viele. Ich möchte nicht wissen, wie lange ich brauchen würde um das ganze Buch abzuschreiben... und wahrscheinlich konnten sich auch nur sehr wenige Leute sich dann dieses dicke Buch leisten...
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mohan

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #19 am: 27. Februar 2009, 09:54:01 »

Boccaccio begann 1348 mit der Niederschrift seines Werkes. Er hat eine Handschrift von 1370 mit sechzehn zwei- und dreifarbig ausgeführten Zeichnungen von eigener Hand illustriert.
Weitere Handschriften wurden von Kaufleuten erstellt, die schön schreiben konnten. Diese Schriften waren im Regelfall teure Auftragsarbeiten, manche von ihnen illustriert durch Künstler, die ebenfalls Auftragnehmer waren. Vielleicht wurden die Künstler manchmal von den Käufern ausgewählt, aber da geraten wir in den Bereich der Spekulation. Es wurden nur wenige Handschriften erstellt, diese jedoch sorgfältig, wie Vergleiche gezeigt haben. Über die genaue Anzahl der Handschriften gibt es keine zuverlässigen Angaben.
Der Florentiner Kaufmann Giovanni d’Agnolo Capponi hat in den 1370ern eine Handschrift angefertigt. Lodovico di Silvestro Ceffini hat 1427 eine sehr schöne Fassung geschrieben, die von wenigstens drei Künstlern mit 115 überwiegend mehrfarbigen Zeichnungen versehen wurde.
Die erste Druckfassung stammt von 1470, die erste mit Illustrationen versehene, 104 an der Zahl, aus dem Jahr 1492 und erschien in Venedig.

« Letzte Änderung: 27. Februar 2009, 09:58:00 von mohan »
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yanni

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #20 am: 27. Februar 2009, 11:11:11 »

Danke für die Informationen, mohan, an die ich alleine sicher nie oder nicht so ausführlich gekommen wäre.
Das ist das tolle an Leserunden.  :smile:
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Myriel

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #21 am: 27. Februar 2009, 12:14:16 »

Danke für die Informationen, mohan, an die ich alleine sicher nie oder nicht so ausführlich gekommen wäre.
Das ist das tolle an Leserunden.  :smile:

 

Leider konnte ich bisher im Internet nur dieses Bild von den Illustrationen finden, welches die Erzähler in trauter Runde zeigt. Schade, ich finde alte Handschriften mit schönen Illustrationen immer wieder sehenswert.
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foenig

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #22 am: 27. Februar 2009, 12:43:00 »

Danke für die Informationen, mohan, an die ich alleine sicher nie oder nicht so ausführlich gekommen wäre.
Das ist das tolle an Leserunden.  :smile:

 :bang:
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Doris

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #23 am: 27. Februar 2009, 21:47:39 »

Danke mohan! Wo hast Du nur all die Infos her?  :anbet:  Ich habe mal der Gaudi halber die Begriffe "boccaccio capponi ceffini" bei Google eingegeben und als einen von zwei deutschen Treffern Deinen Beitrag hier gefunden.

@ myriel
Im Buch der 1000 Bücher gibt es noch eine schöne Abbildung aus einer Boccaccio-Handschrift aus dem Jahr 1355, allerdings wahrscheinlich nicht aus dem Dekameron. Wenn man das sieht, kann man sich gut vorstellen, wie wertvoll diese Handschriften mit den Miniatur-Bildern sind. Meine Ausgabe ist immerhin mit 110 zeitgenössischen Holzschnitten versehen, die auch sehenswert sind.
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mohan

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #24 am: 01. März 2009, 14:32:32 »

Hallo Doris,

im Internet findet man wohl nicht viel darüber, deshalb hast du wohl nur die beiden Angaben erhalten. Ich interessiere mich seit Jahren für die Zeit und habe deswegen einen recht umfangreichen Bestand an Literatur.

Liebe Grüße,
mohan
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Myriel

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #25 am: 02. März 2009, 18:43:25 »

@ myriel
Im Buch der 1000 Bücher gibt es noch eine schöne Abbildung aus einer Boccaccio-Handschrift aus dem Jahr 1355, allerdings wahrscheinlich nicht aus dem Dekameron. Wenn man das sieht, kann man sich gut vorstellen, wie wertvoll diese Handschriften mit den Miniatur-Bildern sind. Meine Ausgabe ist immerhin mit 110 zeitgenössischen Holzschnitten versehen, die auch sehenswert sind.

Wie der Zufall es so will, habe ich das Buch gerade erst am Freitag verborgt. Wenn ich mich noch dran erinnere, schau ich mal nach, wenn ich es wieder habe. Auf alle Fälle danke für den Hinweis.  :winken:
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Babsi

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #26 am: 09. März 2009, 22:21:20 »

Hallo,

im Moment schaffe ich es einfach nicht, dieses Buch zu lesen.

Immer wieder schleiche ich drumherum, aber es erfordert im Moment zuviel Konzentration, die ich neben meiner Arbeit einfach nicht habe. Bereits beim "Vorwort" war es extrem schwer, aber jegliche Versuche sind immer nach ein paar Seiten gescheitert. Zu diesem Buch finde ich im Moment keinen Zugang. Vielleicht liegt es auch am Buch, keine Ahnung. (Auf jeden Fall werde ich es zu einem späteren Zeitpunkt nochmal probieren.)

Schade, dabei dachte ich, dass es gerade durch die Aufteilung in Geschichten einfach wäre dran zu bleiben. Schade, weil ich mich auf diese Leserunde sehr gefreut hatte.

Liebe Grüße

Babsi
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Liebe Grüße von Babsi

foenig

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #27 am: 10. März 2009, 07:20:28 »

Hey Babsi,
ich kann deine Entscheidung leider nur zu gut nachvollziehen  :sauer:
Ich habe zwar noch nicht aufgegeben und bin guter Hoffnung, dass ich das Buch in einem sehr langsamen Tempo schaffen werde, aber ich bin auch erst mitten im 5. Tag und dümpel so vor mich hin.
Ich habe auch nicht das Gefühl, dass du die einzige bist, die aufgegeben hat. Die Einträge werden immer weniger, je weiter das Buch geht und das fällt mir schon auf, wo ich doch erst beim 5. Tag bin!

Ich habe da auch noch eine Frage zum Dekameron oder besser zur Zeitrechnung zu jener Zeit:
Es ist immer mal wieder die Rede von der zweiten oder dritten Nachmittagsstunde, aber auch schon Vormittagsstunden sind mir begegnet. So grob kann ich mir natürlich vorstellen, was damit gemeint ist. Aber hat vielleicht jemand eine Ahnung, wie genau damals die Zeitrechnung funktionierte?

Viele Grüße
foenig
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mohan

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #28 am: 10. März 2009, 10:36:25 »

Ich habe da auch noch eine Frage zum Dekameron oder besser zur Zeitrechnung zu jener Zeit:
Es ist immer mal wieder die Rede von der zweiten oder dritten Nachmittagsstunde, aber auch schon Vormittagsstunden sind mir begegnet. So grob kann ich mir natürlich vorstellen, was damit gemeint ist. Aber hat vielleicht jemand eine Ahnung, wie genau damals die Zeitrechnung funktionierte?

Die Stundenzählung war im Mittelalter eine eher komplizierte Angelegenheit. Tag und Nacht hatten zwölf Stunden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Die Stunden selbst waren in Abhängigkeit von der Jahreszeit unterschiedlich lang.

Der Tag wurde in zwei Hälften geteilt, woraus sich die Trennung in Vormittags- und Nachmittagsstunden ergab.

Das änderte sich erst mit Durchsetzung der Räderuhren. Im 14. Jahrhundert wurden die Stunden dann gleich lang.

Grüße, mohan
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Doris

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Re: Das Dekameron - Allgemeine Fragen, Kommentare, Vor- und Nachwort
« Antwort #29 am: 10. März 2009, 21:33:05 »

Hallo Babsi und foenig,

immerhin habt ihr das Dekameron schon mal angefangen, was ja auch nicht jeder von sich behaupten kann, der das Buch besitzt. Sich durchzuquälen, bringt meiner Ansicht nach aber nicht viel. Wahrscheinlich ist es wirklich besser, die Lektüre abzubrechen und irgendwann später wieder einmal weiterzumachen. Es gibt ohnehin nicht viele Bücher, die so gut zum Unterbrechen geeignet sind wie das Dekameron, da es aus zusammenhanglosen Geschichten besteht und es deshalb nichts ausmacht, wenn man nach einem oder mehreren Jahren nicht mehr weiß, welche Personen in der Rahmenhandlung auftraten.  :smile:

Liebe Grüße
Doris
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