„Maigret und Pietr der Lette“ von Georges SimenonInhaltMaigret erwartet die Ankunft eines internationalen Verbrechers, gegen den trotz gründlichster Vorarbeit durch Interpol noch keine stichhaltigen Beweise vorliegen. Am Bahnhof erlebt der Kommissar eine Überraschung: Ein vornehmer Herr, auf den die Beschreibung des Mannes passt, steigt aus dem Zug und wird kurze Zeit später im Zug tot aufgefunden. Maigret folgt dem vornehmen Herrn in das Palasthotel "Majestic" und wird Zeuge, wie dieser sich mit einem amerikanischen Milliardär trifft, woraufhin sich beide scheinbar in Luft auflösen!
RezensionAn meinen ersten Maigret- Roman stellte ich hohe Erwartungen. Schließlich kann sich der Kommissar in die berühmtesten Detektivfiguren der Welt einreihen.
Leider wurde ich sehr enttäuscht.
„Maigret und Pietr der Lette“ ist der erste Roman der fast 100bändigen Reihe. Und ich fürchte, man merkt ihn den Erstling gewaltig an. Zumindest habe ich gelesen (und hoffe es für die Reihe), dass die folgenden Bände an Qualität zulegen.
Ich selbst werde das aber nicht überprüfen, da ich erst einmal von Simenon geheilt bin.
Denn leider fand ich die Handlung trotz Verfolgungsjagden und Schüssen eher langweilig. Ich war wirklich froh nur knapp 200 Seiten lesen zu müssen.
Maigret selber blieb mir ziemlich fremd. Eigentlich erfährt man nur wenig von ihm. Dass er heiße Öfen und Bier mag, ist einfach nicht genug für eine Charakterisierung. Zudem werden seine Handlungsweisen auch nie erklärt. Ständig fährt er irgendwohin oder verhört jemanden, ohne dass einem als Leser klar ist, warum er das tut.
Welchen Verdacht hat er? Wie ist er darauf gekommen? Diese Fragen bleiben bis zum Schluss nahezu unbeantwortet.
Nur an einer Stelle kam etwas Gefühl in die Geschichte: Als sein treuer Gehilfe Torrence (der, wie ich höre, in den folgenden Bänden höchst lebendig ist) ermordet wird.
Am meisten hat mich jedoch gestört, dass Maigret niemals schläft. Gefühlte zehn Tage land observiert er Tag für Tag und Nacht für Nacht die Verdächtigen. Was für eine Kondition!
Und dann noch weitere zwei durchwachte Nächte nachdem er angeschossen wurde! Ja klar! Nur ein ganz klein wenig mehr Realismus wäre hier gut gewesen.
Leider wirkte dann auch noch der Kriminalfall reichlich konstruiert und fast skizzenhaft.
Etwas Farbe bringen die Milieubeschreibungen in den Roman, aber selbst die waren mir oft zu vorurteilsbeladen.
Fazit: Müder Krimi, den man sich sparen kann. Vielleicht lieber einen späteren Maigret- Roman probieren!

+
