Terry Pratchett: Maurice, der Kater
Inhalt:Maurice, ein geschäftstüchtiger Kater, zieht mit seiner Truppe intelligenter Ratten und dem flötespielenden Jungen Keith von Stadt zu Stadt und verdient Geld, indem er Keith als Rattenpfeifer die jeweilige Stadt von einer selbstinszenierten Rattenplage befreien läßt. Doch als sie in die Stadt Bad Blintz kommen, merken sie, daß hier etwas gewaltig nicht stimmt und gehen gemeinsam mit Malizia, der Tochter des Bürgermeisters, der Sache auf den Grund. Dabei kommt so einiges zutage und sowohl Keith, Malizia und Maurice als auch die Ratten müssen ein gefährliches Abenteuer bestehen...
Meine Meinung:Das Buch trägt den Titel
"Maurice, der Kater", doch die eigentlichen Helden der Geschichte sind für mich die Ratten. Sie sind mir beim Lesen sofort ans Herz gewachsen. Die Ratten wurden intelligent, nachdem sie von den Abfällen der magischen Universität gefressen hatten. (Wodurch Maurice intelligent geworden ist, wird ihm und den Ratten erst später klar.

) Ihre Namen wie z.B. Sonnenbraun, Pfirsiche, Gefährliche Bohnen, Nahrhaft haben sie auf weggeworfenen Verpackungen auf der Müllkippe gelesen. Mit der Zeit entwickeln sie eine soziale Gruppendynamik und eine Solidarität, daß die Menschen sich davon eine Scheibe abschneiden könnten. Anregungen dafür entnehmen sie aus dem Buch "Herrn Schlappohrs Abenteuer", das sie auch auf der Müllhalde gefunden haben und das für sie eine Art Bibel geworden ist.
Jede Ratte ist eine Persönlichkeit, die Albinoratte Gefährliche Bohnen zum Beispiel ein regelrechter Philosoph, die junge Rattendame Pfirsiche ist klug und mitfühlend. Wem bis hierhin noch keine Ähnlichkeiten zwischen Ratten und Menschen aufgefallen sind, der kann sich fragen, wer wohl gemeint ist mit
"...eine Spezies, die stiehlt, tötet, Krankheiten verbreitet und verdirbt, was sie nicht gebrauchen kann". (Zitat aus dem Buch)
Die Menschen (mit Ausnahme von Keith und Malizia) kommen hier reichlich schlecht weg und erscheinen fast nur als betrügerisch, korrupt und aggressiv. Das Buch steckt voll Ironie und Wortwitz, mich hat es beim Lesen sehr amüsiert und auch meine Tochter (die für Humor und Wortwitz sehr empfänglich ist) war begeistert. Sie las das Buch mit neuneinhalb Jahren.
Meiner Meinung nach ist dies ein Buch, das sowohl Kinder als auch Erwachsene mit Genuß lesen können. Es ist, in sehr schöner Aufmachung, Teil der ZEIT-Edition "Fantastische Geschichten für junge Leser". Kinder werden vielleicht nicht sämtliche sozialkritischen Anspielungen in allen Aspekten erfassen, werden aber auf jeden Fall ihr Vergnügen beim Lesen haben. (Meine Tochter und ich grinsen uns seit der Lektüre des Buches jedenfalls immer bedeutungsvoll an, wenn wir eine Büchse Pfirsiche öffnen.)
Dies war das erste Buch, was ich von Terry Pratchett gelesen habe, und es hat mir unbedingt Appetit auf mehr von diesem Autor gemacht.
Sehr zu dem Buch passend

vergebe ich:

Grüße,
kaluma