Zum Inhalt muss ich nichts mehr groß sagen, aber die Verrisse kann ich ganz und gar nicht teilen und bin wieder mal fasziniert, wie die Meinungen auseinander gehen... ich muss nämlich ein Loblied auf den Roman (und auch den zweiten, für den alles Folgende genau so gilt und für den ich deswegen keinen eigenen Thread aufmache) singen!
"Grabesgrün" und "Totengleich" sind seit wirklich ewiger Zeit die ersten Bücher, die mich richtig gepackt und in einen Sog gezogen haben und jetzt schon meine Lesehighlights 2010, im Grunde habe ich aber im ganzen Jahr 2009 kein besseres Buch und überhaupt noch nie einen besseren Krimi gelesen.
Von Klischees konnte ich nichts sehen - gerade das hat mich so begeistert. Ich lese gerne viele Krimis und Thriller, so gerne, dass mir das Muster (Frau, am besten Pathologin oder sonstige Spezialistin auf dem Gebiet ekliger, detailliert beschriebenen Tätigkeit, fängt Mörder im Alleingang, stets unter Gefährdung ihres Lebens, und am Ende gibt es einen schönen Showdown, bei dem die gute Frau fast getötet wird, aber in allerletzter Sekunde Rettung naht) zum Hals raushängt. Hier fand ich es wunderbar erfrischend, zurück zum guten alten Ermittlerteam zu gehen, das jedoch sehr menschelte. Rasen die Ermittler in anderen Thrillern nur so von einem zum anderen Hinweis und schlussfolgern aus jeder gefundenen Faser sofort ganze Szenarien (ein Hundehaar auf der Leiche ist natürlich niemals einfach ein Hundehaar, sondern eines von der seltenen Rasse XY, die nur in Südwales vorkommen und von 3 Züchtern gezüchtet werden...

), stecken Rob und Cassie hin und wieder wunderbar fest, verzweifeln, ergehen sich in mühevoller, langwieriger Kleinstarbeit, müssen die selben Personen immer und immer wieder befragen. Hört sich öde an, war es für mich aber ganz und gar nicht. Mir, die ich natürlich überhaupt keine Ahnung von Polizeiarbeit habe, kam das sehr viel realitätsnaher vor als alles, was ich sonst in der Richtung gelesen habe.
Rob, Cassie und die anderen Protagonisten sind weder perfekte Ermittler noch perfekte Menschen, was ich sehr angenehm fand. Fehler werden gemacht, und dazu noch plausibel begründet, Emotionen werden nachvollziehbar geschildert. Generell wurde jeder Faden, der im Laufe der Handlung gesponnen wurde, jeder Hinweis, jedes Detail, wieder aufgenommen und "geklärt", eine Detailliebe, die ich auch ganz großartig fand. Trotzdem wurde mir nie langweilig, ich musste mich ganz im Gegenteil dazu zwingen, die Romane hin und wieder wegzulegen, um nicht zu schnell zu lesen, und um mehr davon zu haben.
Mit der Idee des zweiten Romans, die hier schon bemängelt wurde, muss man sich anfreunden können, das gebe ich zu. Aber da ich das konnte, hat mich auch diesem Roman nichts gestört. Das Zusammenspiel der Figuren in beiden Romanen gefiel mir ausgesprochen gut, und von "flachen Charakteren" konnte ich auch nichts spüren, ganz im Gegenteil hatten vor allem Rob und Cassie für mich sehr viel Profil, Geschichte, ein breites Spektrum an Emotionen... und über allem lag diese Melancholie, die mich schwer beeindruckt hat, die wunderbare Sprache, die sich so flüssig liest, aber trotzdem niemals verflachte... zwei ganz tolle Bücher und die besten Kriminalromane, die ich bisher gelesen habe.
Ohne Zweifel gibt es:
