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Autor Thema: Andreas Brandhorst - Äon  (Gelesen 2234 mal)

illy

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Antw:Andreas Brandhorst - Äon
« Antwort #15 am: 16. Januar 2010, 08:56:33 »

Der Klappentext von "Äon" klang ziemlich gut, die Rezis hier auch und von dem Autor hatte ich bisher auch eher Positives gehört. Dementsprechend motiviert bin ich an das Buch herangegangen, bin dann aber eher enttäuscht gewesen, ich fand den Roman recht durchschnittlich.

Gerade die Hauptfigur, Sebastian konnte meine Sympathie nicht gewinnen, eher im Gegenteil. Er verhält sich bis kurz vor Schluss engstirnig und stur und den Grund für seine Trennung von Anna, die ihn so aus der Bahn geworfen hatte, empfand ich einfach nur als selbstgerechte Arroganz.

Entweder habe ich einiges überlesen oder es gibt in der Geschichte ein paar Logiklöcher bzw. unaufgeklärte Details. Ich kann mir zum Beispiel nicht erklären, warum das Problem sich nur in der westliche Welt zeigt und auch praktisch keine Reaktion aus dem Rest der Welt erfolgt. Es handelt sich trotz der Verwicklung des Vatikans nicht wirklich um ein christliches Problem. Gut, es gibt einen christlichen Auslöser für den aktuellen Ausbruch, der in Europa "stationiert" ist, aber historisch betrachtet war die arabische Welt ursprünglich mit betroffen und verfügte auch über entsprechende Erkenntnisse. Die Möglichkeit, von dort Hilfe zu bekommen, wird in der aktuellen Bedrohung aber eigentlich völlig ignoriert.

Die Auswahl, die von den Bösen getroffen wird, wen sie überleben lassen und wen sie töten, wird nur teilweise von logischen Gesichtspunkten wie aktueller Bedrohung oder Notwendigkeit zum Untertauchen erklärt, größtenteils erscheint es mir willkürlich. Selbst den Fortgang der Geschichte betreffend liegt nicht immer Logik darin.

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Als Vorlage für einen Katastrophen-Action-Thriller-Film ist Äon sicher hervorragend geeignet, aber das ist halt nur Popcornkino.

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Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

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Re: Andreas Brandhorst - Äon
« Antwort #16 am: 03. März 2011, 16:18:53 »

Der Journalist Sebastian Vogler ist derzeit ganz unten - Scheidung, Alkohol, ständige Kopfschmerzen, Ärger im Job. Seine aktuellen Recherchen haben auch nicht gerade ein erfreuliches Thema: ein sehr blutiges Familiendrama war offenbar erst der Auftakt zu sich häufenden Gewalttaten der scheußlichsten Sorte, begangen von zuvor völlig unauffälligen und "normalen" Menschen. Gleichzeitig beherrscht ein kleines kalabrisches Dörfchen die Schlagzeilen, in dem der neunjährige Raffaele einen stetig wachsenden Pilgerstrom anzieht, weil er über besondere Heilkräfte verfügt und die hoffnungslosesten Fälle zu retten imstande ist.

Sebastians Redakteur schickt ihn schließlich nach Kalabrien, um Bericht über Raffaeles Wundertaten zu erstatten (außerdem hofft er, dass Sebastian sich wieder mit seiner italienischen Exfrau versöhnt, die in der Nähe lebt). Sebastian als Atheist und Skeptiker stellt vor Ort zu seiner größten Überraschung fest, dass wirklich etwas dran ist an Raffaeles Fähigkeiten.

Währenddessen ticken immer mehr Menschen aus, töten wahllos, bringen andere in Gefahr, laufen Amok ... und die Spuren führen in eine Richtung, mit der niemand gerechnet hätte ...

Das Positive zuerst: Andreas Brandhorst versteht es hier wie in seinen Science-fiction-Romanen, Spannung aufzubauen, erschreckende Szenarien zu entwerfen und den Leser ohne große Vorwarnung mitten ins Geschehen zu stürzen, gespickt mit blutigen Bildern, die nicht gerade für schwache Nerven geeignet sind. Sebastian Vogler ist mal wieder ein ganz gut gezeichneter klassischer Antiheld mit seiner Trinkerei und dem drohenden beruflichen Niedergang, allerdings kein übermäßiger Sympathieträger in meinen Augen.

Dass sich die Handlungsstränge um die mysteriösen Bluttaten, den wundertätigen Jungen und einige Abstecher in die Vergangenheit irgendwie verknüpfen, ist klar - was mich im Lauf der Zeit aber in zunehmendem Maße gestört hat, war die Mystery-Komponente (was möglicherweise an mir selbst liegt, weil ich darauf einfach nicht besonders stehe), und die sich vor allem in der zweiten Hälfte fast ununterbrochen aneinanderreihenden Kampfszenen und das mittlerweile ziemlich ausgelatschte Dan-Brown-artige "Schnitzeljagdmotiv". Sebastian und Co. hetzen irgendwann nur noch durch die Gegend, ständig knallt und brennt es irgendwo um ihn herum, wenn wieder irgendein untötbarer Bösling aufkreuzt - so geht das dann bis zum ziemlich an den Haaren herbeigezogenen Ende, einer unbefriedigend einfachen Auflösung.

Die ersten 150-200 Seiten ließen sich wirklich toll an, so dass ich sogar einen gewissen Mystery-Anteil "verziehen" hätte, dann wird aber immer mehr Potential verschenkt. Schade eigentlich.

2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:
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George Eliot: Middlemarch