So, ich krame jetzt mal diesen uralten Thread hervor und muss feststellen, dass es zu diesem wunderbaren Buch noch gar keine Rezension gibt. Diesen Missstand werde ich nun beseitigen
John Irving: Gottes Werk und Teufels Beitrag„Ihr Prinzen von Maine, Ihr Könige Neuenglands“ so verabschiedet sich Dr. Wilbur Larch tagtäglich von „seinen“ Kindern. Wilbur Larch ist Leiter des sehr entlegenen Waisenhauses „St. Clouds“. Aufgrund einer persönlichen (Jugend-)Erfahrung stellt er sein medizinisches Wissen verzweifelten Frauen zur Verfügung, die nach St. Cloud’s kommen, um ihr Kind zur Welt zu bringen („Gottes Werk“) und dort zu lassen, aber auch, um dort eine (damals in Amerika noch illegale) Abtreibung („Teufels Beitrag“) vorzunehmen.
Zu einem der Waisenkinder – Homer Wells – baut Wilbur Larch eine ganz besondere Beziehung auf. Vier Adoptionsversuche scheiterten und so war Homer bis ins Erwachsenenalter in St. Cloud’s, er war Wilburs „Lehrling“, war mit allen medzinischen Vorgängen vertraut und „machte sich nützlich“ – wie es Dr. Larch immer von ihm verlangt. Als er mitbekommt, dass auch Abtreibungen vorgenommen werden, lehnt er dies heftigst ab und schwört, niemals eine vorzunehmen.
Sein Leben als Nachfolger von Dr. Larch scheint vorbestimmt, bis eines Tages ein junges, wohlhabendes Pärchen St. Cloud’s aufsucht. Mit ihnen fährt Homer, findet auf der Apfelplantage Arbeit und lernt ein ganz anderes Leben kennen. Nach vielen Jahren, in denen er Erfahrungen des „richtigen“ Lebens sammelt, Abenteuer, Freuden und Enttäuschungen durchsteht, wird er dann doch wieder mit seinen „Wurzeln“ konfrontiert.
Persönliche Meinung:Es ist sehr schwer, die Handlung dieses Buches kurz zusammenzufassen, so vielschichtig sind die Stränge und die Charaktere. Besonders Wilbur Larch, der alleinstehende, schrullige, aber liebenswerte Arzt ist mir ans Herz gewachsen. Seine Bemühungen, dass es„seinen“ Kindern gutgeht, dass jedes einen guten Platz findet und er ihnen halbwegs ein „Zuhause“ bieten kann haben etwas Rührendes und Berührendes. Aufgrund des wunderbaren Erzählstils Irvings folgen den oft sehr beklemmenden Textstellen immer wieder sehr humorvolle und versöhnliche.
Die Abtreibungsfrage ist keineswegs das Hauptthema, vielmehr geht es um die Entscheidungsfreiheit der Frau in vielerlei Hinsicht.
„Dieser Roman ist universal. Von einem Mann geschrieben, mit einem Mann als Held, kein bisschen feministisch und doch ein flammendes Werk für Frauen. Das mache mal einer nach."(Die Zeit, Hamburg)
Im Jahr 1999 wurde der Roman verfilmt. Das Drehbuch, das ebenfalls John Irving schrieb und für das er einen Oscar bekam, wurde etwas adaptiert.
Für mich sind sowohl Buch als auch Film Meisterwerke!!
John Irving: (von wikipedia)John Winslow Irving, geb. am 2. März 1942 in Exeter, New Hampshire als Sohn eines Professors für russische Geschichte und einer Krankenschwester. Er beginnt mit 14 Jahren zu ringen und zu schreiben, hat aber wegen seiner Legasthenie in der Schule große Schwierigkeiten. Im Alter von 19 Jahren wusste er genau was er wollte: ringen und Romane schreiben.
John Irving lebt heute abwechselnd in Kanada und New-England.
Preise und Auszeichnungen:
1999 NBR Award für das Drehbuch zu der Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag
2000 Oscar für das Drehbuch zu der Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag
2000 Golden Satellite Award für das beste adaptierte Drehbuch zu der Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels
Werke:
Romane
1968 Setting Free the Bears (dt. Laßt die Bären los!)
1972 The Water-Method Man (dt. Die wilde Geschichte vom Wassertrinker)
1974 The 158-pound marriage (dt. Eine Mittelgewichts-Ehe)
1978 The world according to Garp (dt. Garp - und wie er die Welt sah)
1981 The hotel New Hampshire (dt. Das Hotel New Hampshire)
1985 The Cider House Rules (dt. Gottes Werk und Teufels Beitrag)
1989 A prayer for Owen Meany (dt. Owen Meany)
1993 Trying to save Piggy Sneed (dt. Rettungsversuche für Piggy Sneed)
1995 A Son of the Circus (dt. Zirkuskind)
1996 The imaginary Girlfriend (dt. Die imaginäre Freundin)
1998 Widow for one year (dt. Witwe für ein Jahr)
1999 My Movie Business
2001 The Fourth Hand (dt. Die vierte Hand)
2005 Until I Find You (dt. Bis ich dich finde)
Kinderbücher
2003 Ein Geräusch, wie wenn einer versucht, kein Geräusch zu machen (mit Zeichnungen von Tatjana Hauptmann)
Verfilmungen
1979 Garp (mit Robin Williams und Glenn Close)
1984 Hotel New Hampshire (mit Jodie Foster, Beau Bridges und Nastassja Kinski)
1998 Owen Meany unter dem Titel Simon Birch
1999 Gottes Werk und Teufels Beitrag (mit Michael Caine, Charlize Theron und Tobey Maguire)
2004 Witwe für ein Jahr unter dem Titel The Door In The Floor (mit Jeff Bridges und Kim Basinger)
