Puh, ganz schön starker Tobak, den uns Crowley da vorsetzt.

Ich habe jetzt die beiden ersten Kapitel gelesen und es kam schon eine Menge philosophische Gedanken darin vor. Die Abhandlung von Simon Iff über das Wesen eines Genius finde ich sehr interessant. Im Grunde sagt er ja aus, dass nicht der "menschliche Wirt" den Genius beherrschen soll, sondern er sich zu einem Gefäß machen soll, durch das der Genius wirken kann. Sozusagen also ein unbewusstes Handeln, durch welches dann "geniale" Werke geschaffen werden. Shakespeare, dem Iff zusagte, dass er die Kraft des Genius nutzen konnte, ist mir bekannt. Bei Coleridge, dem Gegenbeispiel zu Shakespeare, musste ich aber erstmal
Wikipedia fragen. Dort gab es dann auch einen Link zu dem erwähnten Gedicht
"Der alte Matrose". Es soll ja die Vorlage zu Poes "Gordon Pym" sein. Das wurde doch auch in der Poe-Leserunde gelesen. Kannst du sagen, ob das Gedicht mit der Erzählung Ähnlichkeiten aufweist, insekt?
Mit den Absätzen über multiple Persönlichkeiten konnte ich nicht wirklich viel anfangen, da mir nicht klar wurde, was sie mit den vorherigen Ausführungen über den Genius zu tun haben. Gespannt bin ich aber darauf, was Iff wohl über den Homunkulus berichten wird. Mir ist da nur dunkel das künstlich geschaffene Wesen in einer Glasflasche in Erinnerung, was in Goethes Faust auftaucht.
Gegen Ende des zweiten Kapitels deutet sich dann möglicherweise die Gegenpartei zu Cyril Grey und Simon Iff an: Akhbar Pascha und Countess Helena Mottich. Die Art und Weise, wie Iff die Besucher behandelt, brachte mich zum Grinsen. Offensichtlich höflich, aber mit hintergründiger Ablehnung.

Keine Ahnung habe ich bisher, welche Rolle Lisa Giuffria in dem Spiel von Grey und Iff einnehmen soll.
Trotz der nicht leichten Lektüre, bei der ich bisher schon des öfteren Absätze doppelt lesen musste, um den Sinn zu verstehen, gefällt mir die Atmosphäre, die Crowley hervorruft. Ich kann beinah das mondäne Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor mir sehen, in der Wahrsagerei bei der Oberschicht beliebt war und der Besuch eines Paschas in Paris kein besonderes Ereignis darstellte.

LG Myriel
