Trotzdem immer dieser schale Beigeschmack, er will die Preise nicht annehmen, nimmt sie trotzdem wegen des Geldes an.
Warum nicht des Geldes wegen? Wenn jemand in einer Firma arbeitet, hat er ab und zu die Chance für gute Arbeit eine Prämie zu bekommen. Ein Preis ist nichts anderes als eine Prämie für einen freischaffenden Schriftsteller.
Ja, soll er doch wegen des Geldes, aber woraus ich hinaus will und versucht habe klarzumachen, ist, dass er diesen ganzen Preisveranstaltungsbetrieb hasst, die Leute reden Unsinn in den Ansprachen, und er will sich das ganze Brimborium nicht antun, tut es sich aber trotzdem an. Ich sehe hierin eine innere Gespaltenheit, die Bernhard sich sogar selber eingesteht.
Liebe Grüße
mombour
ich habe jetzt nur diesen kommentar zitiert, meine aber auch deinen ersten zu dem buch mit.
also, ich verstehe hier ueberhaupt nicht, wie man bernhard, und vor allem dieses schmale band "meine preise" mit so einem unnachgiebigen ernst lesen kann? und ich frage mich, wieso man sich die muehe macht, seine offenbare "charakterschwaeche" ueberlang zu analysieren, wo doch der autor selbst dies bereits im erwaehnten buch getan hat?
ja, er verabscheut den literaturbetrieb (und ist bestimmt nicht der einzige kuenstler, der sich sehr kritisch damit auseinandersetzt, und ein grosses problem mit der tatsache hat, dass die wenigsten der menschen, die im kulturleben mitmischen, ja es zur gaenze bestimmen, etwas von der kunst und kultur tatsaechlich verstehen, und sie nicht bloss zu eigenen profilierungszwecken nutzen).
ja, er will nur das mit dem preis verbundene geld, und nicht die ehre, die in dieser welt seiner einschaetzung nach ohnehin nicht existiert, und zwar aus folgenden gruenden:
-) weil der staat ohnehin milliarden zum fenster hinausschmeisst und der buerger sich ruhig mal etwas davon nehmen kann, wenn sich im die gelegenheit dazu bietet.
-) weil er selbst auch charakterlos und ein schwein und nicht zuletzt inkonsequent ist (wie ihm das seine "tante" sofort vorgeworfen hat, denn vor ihr hatte er die geldgier als das einzige motiv keinen moment lang verschwiegen).
ja, das geld gibt es nur inklusive gelaber (ausgenommen campe-preis natuerlich!

) und ja, das tut er sich an, allein wegen des geldes und trotz der intensiv empfundenen magenbeschwerden.
das steht alles so drinnen und bedarf keiner weiteren interpretation.
was fuer ein mensch ist also dieser bernhard?
einer, der zwar, wie auch zugegeben und von ihm selbst treffend formuliert, zur totalen selbstbeurteilung nicht faehig ist und sich noch immer besser waehnt, als er ist, aber durchaus ueber sich selbst kopf schuetteln und lachen kann! einer, der die kunst der uebertreibung bis zur spitze getrieben hat (und wieder zurueck!). einer, der das philosophische lachprogramm entwickelt, und es damit fier den leser zur herausforderung gemacht hat, an den richtigen stellen losprusten zu koennen.
just my 5 cents.

danke fuers lesen.
