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Autor Thema: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre  (Gelesen 2736 mal)

Aldawen

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B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« am: 17. Dezember 2008, 12:21:17 »



Inhalt: Dobbs, ein heruntergekommener und in Mexiko gestrandeter Amerikaner, schlägt sich mit Gelegenheitsjobs und Bettelei durch. Der Versuch, Arbeit auf den Ölfeldern zu finden, schlägt fehl und er landet wieder in der Stadt, wo er einem Contractor über den Weg läuft, der ihn vom Fleck weg zum Aufriggen eines Camps engagiert. Die Arbeit ist hart, aber gut bezahlt – wenn der Contractor zahlen würde. Dobbs und ein Kollege, Curtin, bekommen ihren Lohn erst nach Gewaltanwendung. Wiederum zurück in der Stadt lernen die beiden Howard kennen, einen alten, erfahrenen Goldsucher, und schon steht der Plan fest: Es wird noch etwas Geld aufgetrieben, eine Ausrüstung angeschafft und in eine abgelegene, aber laut Howard erfolgversprechende Ecke zum Goldgraben gezogen. Tatsächlich finden sie eine Stelle, wo sich aus dem Sand Gold auswaschen läßt. Die Arbeit ist hart, der Ertrag mäßig, aber immerhin sichtbar, das größte Problem ist das enge Zusammenleben und der Lagerkoller, der sich in Streitigkeiten aus nichtigem Anlaß äußert.

Aber sie bleiben unbehelligt von Polizei, Banditen und sonstigen Störungen, bis eines Tages Curtin aus dem nahegelegenen Indianerdorf zurückkommt und – ungewollt – im Schlepptau einen Eindringling mitbringt. Es gelingt zwar, die Mine vor diesem zu verbergen, aber eine Banditengruppe, Überreste eines großen Eisenbahnüberfalls, stellt auch das viel unmittelbarere Problem dar. Dieser Situation gerade noch entronnen, wollen Curtin, Dobbs und Howard ihr Glück nicht länger versuchen und beschließen, zusammenzupacken und aufzubrechen. Howard bleibt in einem Indianerdorf hängen, wo man ihn nicht ohne weiteres ziehen lassen will, nachdem er einen fast ertrunkenen Jungen wiederbelebt hat. Curtin und Dobbs sollen mit den Eseln nach Durango weiterziehen und das Gold sichern. Zwei Männer und eine Eselskarawane Gold – eine große Versuchung ...


Meine Meinung: Ein durchaus abenteuerliches Buch, das man ohne weiteres als „reinen“ Abenteuerroman lesen kann, auch wenn man ihm damit vielleicht nicht gerecht wird. Die Western-Atmosphäre ist nämlich trügerisch, hier liegt kein klassischer Western mit jeweils an der Hutfarbe zu erkennenden strahlenden Helden und reinen Schurken vor. Wie meist bei B. Traven ist die Erzählperspektive konsequent die von unten, vom Rand der Gesellschaft, wo sich Dobbs, Curtin und Howard gleichermaßen, aber mit Abstufungen befinden. Und diese Abstufungen sind das entscheidende, sie zeigen sich im Ausmaß von Gewissen, das den dreien trotz ihrer Lebenslage geblieben ist, und was sie weder eindeutig zum Helden noch zum Schurken taugen läßt. Moral ist durchaus ein Wert, aber Traven zeigt auch, wie leicht durch verschiedenste Dinge sie unterhöhlt werden kann: Kirche, Kapitalismus, Gier, ... 

Trotz ihres Alters wirken Travens Romane auf mich immer noch ausgesprochen frisch, was zum einen an ihrer unangestrengten Erzählweise liegt, die angesichts der (sozial-)kritischen Inhalte nicht selbstverständlich ist. Zum anderen scheinen sie mir angesichts der Wirtschaftsmeldungen in den Nachrichten eine neue Aktualität zu gewinnen, die sie in den vorigen Jahrhzehten etwas eingebüßt hatten. Traven läßt sich jedenfalls, wenn man so etwas wie Kapitalismus erklärt haben möchte, immer noch mit Gewinn lesen. Und wenn man daran nicht interessiert ist, dann bleibt ja immer noch das Abenteuer. Speziell hier gilt auch noch: Überhaupt nichts gegen Humphrey Bogart, der Film ist klasse, aber er hat mit dem Buch so wenig zu tun, daß dieses allemale auch noch bzw. erst recht eine Lektüre wert ist, wenn man ihn kennt. Und hoffentlich ringt sich irgendwann doch noch ein Verlag zu einer Traven-Gesamtausgabe durch, 2009 zum 40. Todestag wäre eigentlich ein guter Startpunkt.

 4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß,
Aldawen
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efka526

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #1 am: 18. Dezember 2008, 16:13:00 »

Danke für diese "Reaktivierung" und die Rezension. Traven/Marut/Maurhut etc muss ich unbedingt mal wieder lesen, ist schon über 10 Jahre her. Und mal schauen was die aktuelle Forschung zu dieser Person neues herausgefunden hat. So gut die Romane sind, so faszinierend ist die Geschichte dieses Mr. X. Einer der international meistgelesenen deutschen Autoren (was im Heimatland recht unbekannt ist aber das ist ja immer so, Prophet vs. "eigenes Land") ist bis heute ein Buch mit sieben Siegeln und niemand weis wer er ist (oder doch mittlerweile?).
« Letzte Änderung: 18. Dezember 2008, 16:20:38 von efka526 »
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Aldawen

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #2 am: 18. Dezember 2008, 17:34:13 »

Vieles an der Biographie wird wohl rätselhaft bleiben, Traven war ein Meister der Verdunkelung. Aber seine Witwe hat der Traven-Forschung etwas unter die Arme gegriffen, soviel ich weiß – zumindest für die mexikanische Zeit. Für die Jahre in Deutschland sind die Infos nach wie vor dünn, aber einige Eckpunkte scheinen mittlerweile gesichert. Auf der Webseite der Internationalen B. Traven-Gesellschaft gibt es einen recht ausführlichen Lebenslauf.



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efka526

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #3 am: 18. Dezember 2008, 17:57:58 »

Habe die letzten 2 Stunden mal gegoogelt und einige interessante neue Dinge gefunden. Unter anderem interessant daß er wie sein literarischer Kollege, Mit-Revolutionär in der Räterepublik und ebenfalls Anarchist Erich Mühsam (den ich persönlich sehr mag, alleine die Tagebücher sind Hammer, die Gedichte einfach wunderbar) nach der Sprachanalyse der Kasetten die seine Witwe den Forschern gegeben hat wohl in Wirklichkeit ebenfalls aus der Ecke Lübeck stammt.
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mombour

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #4 am: 19. Dezember 2008, 15:22:45 »

Hallo,

danke für die schöne Rezension. Weil nächstes Jahr ein Traven-Jahr ist, habe ich mir schon  für März B. Traven: Die Rebellion der Gehenkten, vorgemerkt.

Liebe Grüße
mombour
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Aldawen

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #5 am: 19. Dezember 2008, 16:13:41 »

Weil nächstes Jahr ein Traven-Jahr ist, habe ich mir schon  für März B. Traven: Die Rebellion der Gehenkten, vorgemerkt.

Hast Du denn die anderen Bände des Caoba-Zyklusses schon gelesen? Das ist ein Projekt, das ich noch versuchen werde, im nächsten Jahr unterzubringen ...

Schönen Gruß,
Aldawen
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mombour

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #6 am: 19. Dezember 2008, 17:47:48 »


Hast Du denn die anderen Bände des Caoba-Zyklusses schon gelesen?


Nein, habe aber schon überlegt, ob ich den ganzen Zyklus lese sollte. Ich weiß ja nicht, ob jeder Band in sich abgeschlossen ist. "Die Rebellion der Gehenkten" hat mir vor Jahren mal jemand empfohlen. Aufgeschlossen wäre ich schon, alle diese Bände zu lesen. Ich denke, der Autor ist interessant genug.

Liebe Grüße
mombour
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insekt

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B. Traven - Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #7 am: 20. Oktober 2010, 19:19:02 »

B. Traven - Der Schatz der Sierra Madre


Buchrücken:
Zitat
...Im Schatz der Sierra Madre wird das Zusammenleben dreier Goldgräber gezeigt, maulfaul und streitsüchtig; da ist eine Stelle, wie ihnen beim Abschied lange Gedankengänge in >Good bye<, >Good Luck< und >So long< gerinnen...
Alles klar? :breitgrins: Totaler Blödsinn oder?

Der Schatz der Sierra Madre war zwar erst mein drittes Buch von B. Traven, aber der gute Mann hat mich bereits völlig überzeugt und wenn das mit meiner Begeisterung für seine Bücher so weiter geht, ist ihm ein Platz unter meinen Lieblingsautoren sicher.

Um was geht's? Der Buchrücken erzählt ja nun neben einer kleinen Werbung für den Autor und einen Hinweis auf die Verfilmung mit Humphrey Bogart nicht wirklich viel über den Inhalt, was ja auch mal nicht schlecht sein kann, der Hinweis über 3 Goldgräber ist aber meiner Meinung nach nur die halbe Miete! Es geht hier um weit mehr als nur 3 Männer auf Schatzsuche. Diese 232 Seiten (meiner Ausgabe) sind mit viel mehr gefüllt als eigentlich auf 232 Seiten passen! Mitten im Buch gab es für mich zwar einen mehrere Seiten starken Hänger, aber den haben die letzten 60 Seiten mehr als vernichtet, eingeäschert und vergraben bzw. in alle Winde zerstreut. Da gibt der Autor nochmal richtig Gas, baut Wendungen in seine Geschichte ein die ich so nun wirklich nicht erwartet hätte und kann mich nicht nur dank diesen Überraschungen voll und ganz begeistern und überzeugen!

Das Buch selber, die Geschichte und die 3 Hauptdarsteller würde ich am besten mit 2 Zitaten daraus beschreiben:
Zitat
Um zu gewinnen, muss man wagen.
&
Zitat
Der Rücksichtslose überlebt den Zögernden.

Was mir an BT so außerordentlich gut gefällt sind seine Seitenhiebe! Seitenhiebe in alle Richtungen der Marke Traven sind ein absoluter Genuss!

5ratten
Auch trotz des kurzen Hängers in der Mitte! Ein Abenteuer Buch das sich gewaschen hat, hier gibt es keine Sunnyboy Helden, gute Laune verbreitenden Grinsekatzen oder anderes unnötiges Zeug. Und man kann trotzdem lachen! Auch wenn es die meiste Zeit bitter ernst, kalt und rauh zugeht. Lesen!
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Aldawen

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #8 am: 20. Oktober 2010, 19:35:07 »

Na, Dich hat's ja jetzt wirklich gepackt, das Traven-Fieber  :klatschen:  Trotzdem habe ich Deinen Kommentar aber mal an den bestehenden Thread angehängt, vielleicht interessiert Dich meine Meinung ja auch  :zwinker:
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insekt

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #9 am: 20. Oktober 2010, 19:36:31 »

:breitgrins: Sorry ich hab ganz vergessen zu schauen ob es dazu schon einen Thread gibt... :redface: Gleich mal lesen was ihr das so geschrieben habt!
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vallenton

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Re: B. Traven – Der Schatz der Sierra Madre
« Antwort #10 am: 26. August 2011, 09:11:28 »

Ich kenne zwar nicht das Buch, aber vor langer Zeit habe ich mal den Film mit Humphrey Bogart gesehen.
Vor allen Dingen fand ich die Charakterentwicklung der drei Goldsucher immer sehr faszinierend, wie sich
Reichtum auf die Psyche auswirkt. Wunderbar zu sehen wie aus dem Anfangs durchaus sympathischen
Dobbs ein Paranoiker wird, während die Freundschaft von Curtin und Howard, der ja dann komplett auf
das Gold verzichtet, gestärkt wird.

Das Ende ist böse und zynisch.
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EDIT: Habe den Satz zum Ende verspoilert. LG, Saltanah
« Letzte Änderung: 17. September 2011, 18:31:55 von Saltanah »
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