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Autor Thema: Meir Shalev - Fontanelle  (Gelesen 734 mal)

bane77

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Meir Shalev - Fontanelle
« am: 11. Dezember 2008, 11:59:57 »

Meir Shalev - Fontanelle



Klappentext:
Die bizarre Familiengeschichte des Joffe-Clans, erzählt aus der Sicht eines Mannes, dessen Fontanelle auch im Erwachsenenalter noch nicht geschlossen ist udn der dadurch mehr wahrnimmt, als ihm manchmal lieb ist.

Meine Meinung:
Dieser Klappentext hat mich damals ungeheuer neugierig gemacht. Ich war gespannt, was dieser Mann alles bei seinen Mitmenschen wahrnehmen wird, was sonst im Verborgenen bliebe. Doch am Ende des Buches musste ich leider feststellen, dass diese offene Fontanelle gar nicht wirklich relevant für die Geschichte war. Genauso gut hätte man die Familiengeschichte der Joffes auch ohne Michaels Fontanelle erzählen können.

Die Geschichte der Joffes ist wirklich an Skurrilität kaum zu überbieten. Die Großmutter, die auf den Schultern des Großvaters durch die Wüste reitet und den Ort bestimmt, an dem der Hof des Joffes begründet werden soll. Eine Tochter, die so schön ist und nicht altert, da ihr Mann ihr verbietet das Haus zu verlassen; eine Tochter, die nur mit einem Mann an der Seite schlafen kann; eine Tochter, die einem ganz besonderen Gesundheitswahn verfallen ist und eine Tochter, die einen Deutschen liebt - entstehen aus dieser Verbindung. Jeder Einzelne in dieser Familie, ob zugeheiratet oder darin geboren, hat etwas Besonderes. Diesen Teil des Buches zu lesen war ungeheuer aufregend. Leider wird die Geschichte nicht als ein chronologischer Faden erzählt, sondern Michael - die Fontanelle -  schreibt die Familiengeschichte auf, innerhalb des Buches. Dadurch wird das Ganze stellenweise ziemlich undurchsichtig, da sich Erinnerungen, Jetzt und Geschriebenes ohne Abgrenzung vermischen.

Daneben wird noch die Geschichte von Michael erzählt. Er ist der Enkel und Sohn der Hypervegetarierin. Als 5-jähriger verbrennt er fast in einem Feld, doch wird er von Anja, der Frau des Schulleiters - die an jenem Tag neu in den Ort kommen - gerettet. Diese Frau wird die Liebe seines Lebens. Die Entwicklung ihrer Beziehung zueinander fand ich extrem befremdlich. Da hätte ich gut und gerne darauf verzichten können.

Shalev hat meines Erachtens aus einer guten Idee, extrem wenig gemacht. Die Fontantelle spielt eine viel zu geringe Rolle. Er hätte sich entweder auf dieses Thema mehr einlassen sollen oder aber nur die Familiengeschichte schreiben. Die ersten 60 Seiten sind nur Vorläufer, für die wirklich Geschichte der Familie und wäre dieses Buch nicht ein Wettbewerbs-Sub-Buch, so hätte ich es in die Ecke geknallt. So aber habe ich mich durchgerungen und auch viele schöne Momente im Buch gehabt.

Die Geschichte der Joffes hätte 5 Ratten verdient, jedoch die Geschichte von Michael und Anja, sowie die stellenweise Undurchsichtigkeit, der extrem langweilige Anfang, haben mir das Lesevergnügen doch etwas vermiest. Deshalb gibts nur:

 3ratten

lg
bane

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tina

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Re: Meir Shalev - Fontanelle
« Antwort #1 am: 21. Juni 2011, 20:43:23 »

Meir Shalev - Fontanelle


OT: Fontanella   
OA: 2002   
574 Seiten
ISBN: 978-3257235548

Inhalt:

'Fontanelle' ist die bizarre Familiengeschichte des Joffe-Clans, erzählt aus der Sicht eines Mannes, dessen Fontanelle auch im Erwachsenenalter noch nicht geschlossen ist und der dadurch mehr wahrnimmt, als ihm manchmal lieb ist.

Eigene Meinung:

Meir Shalev erzählt die Geschichte der Familie Joffe mit „o“. Dieses Familie ist mir auf den 574 Seiten des Buches so sehr ans Herz gewachsen, dass ich das Gefühl habe, ich habe sie gekannt. Diese Familie ist eigentlich völlig verrückt, aber nicht minder liebenswert. Sie sind nicht perfekt, aber genau das macht sie so liebenswert und authentisch. Sie haben genau die Eigenschaften in ihrer Mitte versammelt, welche wir alle mehr oder minder auch von uns kennen. In so manchem Mitglied dieser Familie erkennen wir auch einen Teil von uns. Diese Familie, auch wenn wie oben schon erwähnt ist ein wenig schrullig und verrückt, aber niemals auch noch ansatzweise lächerlich dargestellt. Der Grund hierfür ist Shalevs Art Geschichten mit solch einer Herzenswärme, mit Liebe und Humor zu erzählen, wie ich sie von ihm bereits in vielen seiner Bücher kennengelernt habe. Es gibt Stellen, die sehr traurig sind, die nachdenklich machen, aber auch solche, die einen laut und herzlich lachen lassen. Es sind Geschichten des alltäglichen Lebens, welche uns erzählt werden, welchen der Autor einen ganz besonderen Zauber verleiht. Er schenkt seinen Protagonisten Würde und Werte welche heute leider oftmals an Bedeutung verloren haben. Er erzählt von dem Zusammenhalt einer Familie, auch in den unglaublichsten Situationen, von Freundschaft, einer großen Liebe, einer vergangenen Liebe, einer verlorenen Liebe, großen Sehnsüchten und dem Vertrauen zueinander.
Wie schon so oft, hat es auch dieses Mal Meir Shalev geschafft mich von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen, mit dem Zauber seiner Figuren berührt und mit seiner Geschichte meine Seele getroffen. Ein Buch von Meir Shalev zu lesen ist für mich, als würde mein Geist nach Hause kommen.

 5ratten und auf alle Fälle ein  :tipp:

Tina
« Letzte Änderung: 21. Juni 2011, 20:55:00 von tina »
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