Was soll ich zu diesem schrägen Buch noch schreiben, was nicht schon gesagt wurde!

Obwohl in Prosa geschrieben, wirkt
Holzfällen eher wie ein Kammerspiel als wie ein Roman. Der Ich-Erzähler beobachtet vom Ohrensessel aus in grimmigem Spott ein sogenanntes
künstlerisches Abendessen. Während seines inneren Monologes erfährt der Leser, wie es zu dieser Situation kam, in welcher Beziehung der Erzähler zu den anderen Gästen steht und was er von ihnen hält.
Zugegeben, im Vorhinein war ich relativ skeptisch. Ich habe nicht gerade viel Ahnung von der Wiener Künstlerszene der 1980er Jahre, und da ich wusste, dass Thomas Bernhard die Abendgesellschaft aus
Holzfällen ganz stark an reale Personen angelehnt hat, hatte ich so meine Bedenken.
Glücklicherweise hat das meinem Lesespaß aber keinen Abbruch getan. Zwar habe ich mich tatsächlich bei jeder Figur gefragt, wer das denn nun wieder sein könnte

... aber Bernhards Karrikatur funktioniert heute genauso wie damals. Auch knapp 30 Jahre später gibt es in Wien (und vermutlich nicht nur hier) diese Kreise, die sich Kunst und Kultur umhängen wie ein Accessoire, die Intellektualität verströmen wollen und dabei doch nichts zu bieten haben als pure Attitüde, dass einem schlecht werden könnte.
Was mir gefallen hat, ist die Rolle des Erzählers in diesem Spiel: obwohl er kritisiert und analysiert und urteilt, ist er keineswegs eine unfehlbare Autorität, sondern verhält sich in gewisser Weise genauso fehlerhaft wie die Opfer seines beißenden Zynismus. Dass er das (wenn auch nicht immer!) eingesteht, verleiht ihm zwar durchaus mehr Integrität als dem scheinheiligen Rest, aber nichtsdestotrotz bleibt er immer mit einem Bein in dem System verhaftet, das er hier auf rund 300 Seiten in der Luft zerreißt.
Stilistisch sind die Schachtelsätze und Wiederholungen perfekt darauf ausgelegt, das Grundkonzept des Buches auszudrücken. Eine mal eher schelmenhafte, mal eher zornige Parodie, auf jeden Fall ein Lesespaß und ein sprachlicher Leckerbissen!


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