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Autor Thema: Thomas Bernhard - Holzfällen. Eine Erregung  (Gelesen 2322 mal)

Kafkaesker Käfer

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Re: Thomas Bernhard - Holzfällen. Eine Erregung
« Antwort #15 am: 09. August 2010, 16:21:02 »

Liebe Freundinnen und Freunde,

Ich wusste gar nicht um den Skandal, der dem Buch 1984 zuteil wurde. In Österreich wurde vom Ehepaar Lampersberg eine einstweilige Verfügung erwirkt, da sie sich in den Auersbergern karikiert und veralbert sahen. Trotzdem oder gerade deshalb erhaschte Holzfällen eine große Popularität. Auch die Joana ist an Joana Thul angelehnt, die mit einem Tapisseristen verheiratet war. Würde man von einer Abrechnung Bernhards mit der Gesellschaft sprechen?
Eigentlich bin ich Gegner dieser schülerhaften Gleichungen zwischen Realität und Poesie, aber hier drängen sie sich ja geradezu auf.
Noch eine kleine Anekdote:
Auch in der Flauberts Madame Bovary bekommt der Apotheker eine Ehrennadel, obwohl er sie am wenigsten verdient hat.

Grüße aus dem Hochwald,
K.K.
« Letzte Änderung: 09. August 2010, 16:24:47 von Kafkaesker Käfer »
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Da wurde mir klar, dass entweder ich verrückt war oder die Welt. Und ich tippte auf die Welt. Und natürlich hatte ich recht. (Jack Kerouac)

cori

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Re: Thomas Bernhard - Holzfällen. Eine Erregung
« Antwort #16 am: 09. August 2010, 21:23:30 »

Alles miterlebt (wenn auch zu klein zum verstehen gewesen). Besonders den "Heldenplatzskandal". Wäre übrigens ein Buch für die Leserunde.
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Bluebell

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Re: Thomas Bernhard - Holzfällen. Eine Erregung
« Antwort #17 am: 18. Juni 2011, 21:50:47 »

Was soll ich zu diesem schrägen Buch noch schreiben, was nicht schon gesagt wurde!  :zwinker:

Obwohl in Prosa geschrieben, wirkt Holzfällen eher wie ein Kammerspiel als wie ein Roman. Der Ich-Erzähler beobachtet vom Ohrensessel aus in grimmigem Spott ein sogenanntes künstlerisches Abendessen. Während seines inneren Monologes erfährt der Leser, wie es zu dieser Situation kam, in welcher Beziehung der Erzähler zu den anderen Gästen steht und was er von ihnen hält.

Zugegeben, im Vorhinein war ich relativ skeptisch. Ich habe nicht gerade viel Ahnung von der Wiener Künstlerszene der 1980er Jahre, und da ich wusste, dass Thomas Bernhard die Abendgesellschaft aus Holzfällen ganz stark an reale Personen angelehnt hat, hatte ich so meine Bedenken.
Glücklicherweise hat das meinem Lesespaß aber keinen Abbruch getan. Zwar habe ich mich tatsächlich bei jeder Figur gefragt, wer das denn nun wieder sein könnte :clown: ... aber Bernhards Karrikatur funktioniert heute genauso wie damals. Auch knapp 30 Jahre später gibt es in Wien (und vermutlich nicht nur hier) diese Kreise, die sich Kunst und Kultur umhängen wie ein Accessoire, die Intellektualität verströmen wollen und dabei doch nichts zu bieten haben als pure Attitüde, dass einem schlecht werden könnte.

Was mir gefallen hat, ist die Rolle des Erzählers in diesem Spiel: obwohl er kritisiert und analysiert und urteilt, ist er keineswegs eine unfehlbare Autorität, sondern verhält sich in gewisser Weise genauso fehlerhaft wie die Opfer seines beißenden Zynismus. Dass er das (wenn auch nicht immer!) eingesteht, verleiht ihm zwar durchaus mehr Integrität als dem scheinheiligen Rest, aber nichtsdestotrotz bleibt er immer mit einem Bein in dem System verhaftet, das er hier auf rund 300 Seiten in der Luft zerreißt.

Stilistisch sind die Schachtelsätze und Wiederholungen perfekt darauf ausgelegt, das Grundkonzept des Buches auszudrücken. Eine mal eher schelmenhafte, mal eher zornige Parodie, auf jeden Fall ein Lesespaß und ein sprachlicher Leckerbissen! :daumen:

4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

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"Date a girl who reads. Date a girl who spends her money on books instead of clothes. She has problems with closet space because she has too many books. Date a girl who has a list of books she wants to read, who has had a library card since she was twelve."