Hi!
Ich kann mich den Vorrednern anschliessen, "Imprimatur" lohnt sich wirklich zu lesen. Der Nachfolger "Secretum" liegt schon auf meinem SUB...
Inhalt:
Rom, 1683. In einer kleinen Herberge herrscht nach einem Todesfall Pestverdacht und deshalb werden Personal und Gäste unter Quarantäne gestellt. Der in der Herberge anwesende Arzt Cristofano glaubt zwar nicht, dass der verstorbene Mourani wirklich an der Pest gestorben ist, sondern vermutet Gift im Spiel. Die anderen Gäste sind verunsichert: Unter ihnen ist ein Mörder.
Einen kühlen Kopf bewahrt in der Situation der geheimnisvolle Abbé Melani, der zusammen mit dem Hausburschen versucht, den Todesfall Mourani zu klären. Die beiden stossen auf unterirdische Gänge, die durch Roms Katakomben führen und stellen ausserdem fest, dass wohl jeder Gast in der Herberge so seine Geheimnisse hat.
Meine Meinung:
Ein historischer Roman, der eine Mischung aus Agatha Christie und «Der Name der Rose» bietet. Ein älterer Abbé (der auch so seine Geheimnisse hat) und ein junger, kluger, aber nicht sehr gebildeter Junge versuchen, einen Mordfall aufzuklären - wer sieht da nicht William von Baskerville und Adson von Melk vor seinem geistigen Auge? Da stellt sich schnell einmal die Frage, ob «Imprimatur» auch qualitativ mit dem Bestseller von Umberto Eco mithalten kann. Die Antwort: Ja, kann er schon. Das Autorenduo Monaldi & Sorti verwickelt den Leser in Intrigen, legt rätselhafte Spuren, erzählt aus der Geschichte des 17. Jahrhunderts und sorgt auch noch für Action. Und das alles beschrieben aus der Sicht des Hausburschen, der den Leser an seinen Überlegungen teilhaben lässt und so manchmal auch wieder Ordnung in die Denkstube des Lesers (und seine eigene) bringt.
Es ist eines der Bücher, die man sicher auch ein zweites und ein drittes Mal lesen kann und jedesmal noch etwas Neues darin entdeckt. Für einen ersten Durchgang ist es manchmal ein bisschen verwirrend, man gerät leicht mit Namen und Ämtern durcheinander und manchmal war es fast ein bisschen zu viel des Guten. Deshalb gibt es auch die Punkteabzüge. Dass man bei dieser Lektüre den Kopf bei der Sache haben muss, wird einem schnell mal klar und das ist ja auch nicht das Problem. Aber manchmal hatte ich das Gefühl, ich hätte mir besser Notizen gemacht, um die Geschehnisse ein wenig schneller zu verstehen. Monaldi & Sorti müssen sowas geahnt haben und sie helfen dem Leser immer wieder aus der Klemme, indem sie Hinweise einstreuen, der einem immer wieder ein Licht aufgehen lässt.
Schön auch, dass am Ende alle Fragen zufriedenstellend geklärt sind.
Bleibt noch eine Frage, die sich bei historischen Romanen immer wieder stellt, nämlich die nach der Authentizität. Denn auch in diesem Roman spielen Könige und Päpste eine Rolle und manchem werden Dinge unterstellt, die möglich sind oder eben auch nicht. Ich kann es nicht beurteilen, drum nur das Fazit: Wenns nicht wahr ist, ist es gut erfunden...
