Hohlbein, Wolfgang - Das Buch

Leonie stammt aus einer alten Buchhändlerfamilie und soll einmal das Familiengeschäft übernehmen. Was sie nicht ahnt: Sie hat auch eine besondere Gabe, ist, wie ihre Großmutter eine "Hüterin der Wirklichkeit", die über ein riesiges Archiv auf der "anderen Seite" wachen soll, in dem sich unzählige Bücher, von dene eines jeweils das Leben eines Menschen widerspiegelt. Doch es kommt anders: Das Buch, mit dem die Wirklichkeit umgeschrieben werden kann, gelangt nach dem Tod ihrer Großmutter in die Hände ihres Vaters, der diese Macht sofort einsetzt. Doch obwohl dies in guter Absicht geschieht, kann das katastrophale Folgen haben. Außerdem versucht das mächtigste Wesen des Archivs - der "Archivar" - ebenfalls in den Besitz des Buches zu kommen...
Obwohl von Anfang an unheimlich viel geschieht und es somit eigentlich durchaus spannend wäre, konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen. Vor allem zu Beginn war es mir sogar ein bisschen zu viel des Guten, was so an mysteriösen Vorkommnissen beschrieben wurde.
Irgendwann nach dem ersten Viertel kriegt das Buch aber die Kurve und es wird richtig interessant, besonders als dann die verschiedenen Wirklichkeiten auftauchen. Allerdings wurde es hier auch an einigen Stellen etwas verwirrend. Ein paar mehr (oh nein!) oder weniger überraschende (hm, das war eigentlich eh mein erster Gedanke...) Wendungen zum Schluss gingen einer eher unbefriedigenden Auflösung voraus. Obwohl das Grundthema klar ist, habe ich nicht das Gefühl, dass mir das Ende eindeutig genug war. Da waren noch ein paar Punkte, bei denen ich mich immer noch frage, wieso das jetzt eigentlich funktioniert.
Ein paar Beispiele vielleicht:
Die Maus "Conan" finde ich klasse, der heimliche Held des Buches, sozusagen

. Aber:
Okay, dass die Maus und der Junge "Maus" etwas miteinander zu tun haben, war klar. Anscheinend hängt ja auch Leonies Bruder mit drin, bzw. ist Maus. Dann aber einfach zu sagen, dass die Geschichte, was da jetzt eigentlich los ist, ja nie geschrieben wurde? Hmpf. Nette Idee, zugegeben. Aber schon sehr unbefriedigend. Und was ist jetzt mit ihrem Bruder, der ja anscheinend irgendwann gestorben ist? Hatte bei dieser Gelegenheit jemand (ihre Großmutter) an der Wirklichkeit gedreht? Das wird allerdings wenn ich mich recht erinnere auch nicht wirklich erwähnt.
Aber wenn Maus ihr Bruder wäre, wieso ist dann sein Buch nicht das einer richtigen Person, sondern leer?
Dass ihrer Mutter die ganze Sache zu schaffen macht, sehe ich ein,
aber das mit dem Sanatorium kommt mir trotzdem komisch vor. Da muss doch mehr dahinterstecken als nur eine Depression. Und wenn nicht, dann bitte ich da um mehr Erklärung, denn so kaufe ich das nicht ab. Abgesehen davon, dass keine Rede mehr von ihr ist, nachdem sie mal im Sanatorium ist. Sorgen machen, vielleicht?
Ach ja, das Buch:
Wieso bitte kann Leonie dem Archivar das Buch geben? Ich hätte ja noch die Begründung (mit viel gutem Willen) gekauft, dass sie das Buch auf diese Art und Weise dem rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben kann. Aber der Archivar war ja nicht ihre Großmutter, also kann das nicht greifen. Und nur ihrem Vater das Buch stehlen reicht ja nicht, dass sie selbst es dann verwenden könnte.
So, wie gesagt: An sich fand ich das Buch letzten Endes dann nicht schlecht, aber so richtig vom Hocker gehauen hat es mich jetzt nicht.

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