Olivier Rolin ist ein französischer Schriftsteller, *1947. Sein Roman
„Meroe“ spielt hauptsächlich im Sudan. Nach der Lektüre der ersten 55 Seiten scheint es aber so zu sein, dass es kein typischer Handlungsroman ist. Ein Protagonist erzählt vom Nil, vom Sudan und verflechtet darin seine Erinnerung an seine große Liebe zu Alfa, die ihm in Paris im Jardin du Luxembourg begegnete, und zweitens integriert er in seinen Gedanken die geschichtlichen Ereignisse um den britischen Generalmajor und Generalgouverneur von Sudan
Charles George Gordon, der im Jahre 1885 während des dortigen Mahdi-Aufstandes geköpft wurde, kurz bevor englische Truppen eintrafen (es handelte sich um die genannte „Gordon Relief Expedition“ unter der Führung von Garnet Joseph Wolsey, die Charles Gordon aus seiner misslichen Situation retten sollte). Da es sich hier um Literatur handelt und nicht um ein Geschichtsbuch, werde ich wieder zum Buch zurückkehren:
Der Roman steht unter dem Motto eines Zitates von Rimbaud, aus dem Brief an seine Mutter, 20.02. 1891:
„Man altert hier sehr schnell, wie überhaupt im Sudan.“
Bevor der erste Teil des Buches beginnt, erzählt Olivier Rolin zur Einstimmung einiges über den Sudan. Es handelt sich nicht um ein typisches Vorwort, sondern es gehört schon zum Roman, darin wir erfahren, das „Bilal el Sudan“ das „Land der Schwarzen“ bedeutet und das größte Land Afrikas. Es werden die zahlreichen Länder aneinandergereiht, die am Sudan angrenzen. Erwähnt wird auch Wadi Halfa, „die Grenzstation zu Ägypten, wo Flaubert, Maxime du Camp zufolge, die Eingebung von Name und Vorname der Emma Bovary hatte.“ Dann auch wieder Infos zur Geschichte. 1820 eroberte Khedif Mohammed das Land (ägyptische Kolonisierung) und dann fällt erstmals der Name von Charles Gordon., „den man auch den 'Chinesen' nannte, weil er zuvor eine Armee von Glücksrittern gegen die T'ai -ping ins Feld geführt hatte...“ Zur Einstimmmung in den Sudan, sind solche historischen Einwürfe oder auch bestimmte Mentalitäten der Sudanesen sehr willkommen. So fällt ein sudanesisches Sprichwort, Allah, der nicht gerade für seinen Humor bekannt sei, sei nach der Erschaffung des Sudans in ein unstillbares Gelächter ausgebrochen und Gordon schrieb in sein Tagebuch (1884); „...It's a beautiful country for trying experiments with your patience.“ Das Britishe Empire währte bis 1955, heute eine islamische Militärdiktatur. Im ersten Buchteil, Kap.2 schreibt Rolin sehr spitz „ Allenthalben beginnt das Geplärre des Alleinigen Gottes, und mit ihm der Sturzangriff Seiner Untertanen, der Mücken. Wenn sie nicht wären und die bewaffneten Patrouillen, die jetzt die Straßen besetzen, wäre dies die schöne Tageszeit: kühl und melancholisch.“
Melancholisch an sich ist ja der Roman, denn hier wird erzählt von Niederlagen ( siehe Gordon) Verpassten Gelegenheiten (gescheiterte Beziehung zu Alfa) und die Landschaft des Sudan und ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht. Aufjedenfall kann ich jetzt schon sagen, dass ich ein sehr schönes Buch ausgewählt habe. Rolin kann die verschiedenen Handlungsebenen zu einem Ganzen verweben, sodass der Leser nicht von Handlungsbrüchen irritiert wird, sondern alles verschmilzt zu Einem. Wie sollt ich das anders sagen?, ich hoffe, es ist verständlich. Um dazu ein Beispiel zu geben. Der erste Buchtei Khartum, Kap. 1 fängst so an: „Die Liebe“, sagte ich zu Harald an jenem schon längst vergangenem Tag, an dem alles angefangen hat...Aber nein, es gibt keinen Anfang...“
Und dann philosophiert Rolin über den Ursprung des Nilsllen hat und landet schließlich bei den Abenteurern, „die auf der Suche nachg DER Quelle ihr Leben gelassen haben, dem unendlichen Abgrund, von dem Herodot spricht...“ Ich finde diese liebevollen Abschweifungen (die ja eigentlich keine Abschweifungen sind, sondern eine Demonstration des phantasievollen Erzählens) einfach herrlich.
Liebe Grüße
mombour