Ein freier Nachmittag ist etwas feines, dann kann man ein solches Buch auch mal in einem Zuge durchlesen – angesichts des Sogs, den Changez' Erzählung zumindest auf mich ausgeübt hat, eine willkommene Situation. Wie Hamid hier mit den Vorurteilen spielt, um sie zu entlarven, das ist einfach gut gemacht. Und auch diese merkwürdige Liebesgeschichte ist natürlich genauso nötig: Die einer – nein, nicht echten, denn für Erica ist Chris ja schließlich sehr echt – aber realen Gefühlswelt nicht mehr zugängliche, auf sich selbst fokussierte Amerikanerin gegenüber dem in dieser Beziehung unterlegenen, mitfühlenden Pakistani. Damit stehen sie schon als Sinnbilder dessen, was Changez auch allgemeiner auf die Völker überträgt, ohne daß der Autor hier allerdings zu sehr mit der Keule um sich schlägt.
Was den Titel angeht, auch den finde ich ausgesprochen passend. Eher scheint es mir erstaunlich, wie eng offensichtlich die Konnotation geworden ist, wenn der Begriff ausschließlich noch mit
religiös und
Islam verbunden wird. Schließlich ist doch mehr als einmal die Rede davon, daß das Credo des Unternehmens die Konzentration auf die
Fundamentals sei, genau das also, dem sich Changez durch die Rückkehr nach Lahore entzogen hat. Wenn man sich von der religiösen Einengung des Begriffs löst – die zwar möglicherweise zur Verwirrung des Lesers einkalkuliert ist, aber vermutlich nicht der Hauptintention des Romans entspricht, wie ich überhaupt finde, daß Religion gleich welcher Ausprägung eine bemerkenswerte Rolle des Kaum-Vorhandenseins einnimmt –, dann ist auch die Herkunft Changez' eigentlich nur noch von untergeordneter Bedeutung, und das ganze wird eher eine Kritik an einem die Menschen ignoriereden Finanz-Kapitalismus. Ich will nicht sagen, daß Changez' auch aus jedem beliebigen anderen Land hätte kommen können, das nicht, weil dann weder die Verbindung mit der politischen Ebene noch das Einfließenlassen der sich auf ihn auswirkenden Veränderung der Wahrnehmung der Menschen so möglich gewesen wäre. Aber das diente für mich mehr der Verstärkung sowie der Möglichkeit, eine bestimmte Art der Loslösung darzustellen – ganz abgesehen davon, daß es sicher auch von den Erfahrungen des Autors selbst beeinflußt und daher eine naheliegende Wahl war.

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Schönen Gruß,
Aldawen