So, dann kopiere ich mal mit freundlicher Genehmigung ein paar interessante Statements aus dem Thread über historische Genauigkeit hier herein!
Bettina:Robin Hood: Da soll die historische Ungenauigkeit ja schon längst passiert sein (habe ich zumindest mal gelesen): Angeblich habe er gar nicht alle Taten begangen, die man ihm zuschreibt (man hat einfach die Taten anderer Wegelagerer oder Räuber hinzu gerechnet, weil die anderen in Vergessenheit gerieten). Und zudem soll er gar nicht der edle Held gewesen sein, sondern heimtückisch, mordend, rücksichtslos etc. Wenn das stimmt, ist das Kind dann nicht schon längst in den Brunnen gefallen?
Iris:Bei Robin Hood hingegen bin ich auf Experten angewiesen, da kenne ich mich nicht aus -- würde ihn aber als Archetypen einer ganzen Bevölkerungsgruppe ansehen: Angehörige niederen Adels, die ihre Lehen verloren und fortan auf Raubzüge zu ihrem Lebensunterhalt angewiesen waren, oder ein freier (Groß)Bauer, der enteignet wurde. Wenn so ein Vogelfreier bei seinen ehemaligen Leibeigenen und Hörigen beliebter war als sein Nachfolger, ist schnell die Legende vom Rächer der Enterbten geboren. Ob es einen solchen Vogelfreien mit Namen Robin Hood gegeben hat, steht in den Sternen, der bedeutungschwangere Name ("Hood" - "Kappe", man denkt irgendwie sofort an die Jakobiner und ähnliches) scheint mir allerdings mehr auf die Erzählfreude der Menschen zurückzuführen als auf eine reale Person.
Aber was soll 's! Es gab genügend seiner Art, warum sollte man nicht einen davon stellvertretend Robert of Locksley nennen? Auch Sophokles' Helden waren kein 100%igen historischen Figuren, aber sie dienten seinerzeit gut als glaubwürdige Exempel für menschliches Handeln.
(sehr interessant auch die
Wikipedia-Infos)
Grisel:Wie Iris das ableitet, so könnte ich mir das schon vorstellen. Einen Robin of Locksley hat es soweit ich weiß nie gegeben. Die ganze Geschichte vom Grafen, der sich mit Bauern gemein macht und stets vom Galgen bedroht ist, ist mir auch relativ suspekt.
Dazu kommt noch die Löwenherz-Legende, der monatelang im geheimen auf Dürnstein gefangengehalten wurde, bis Blondl ihn per Lied gefunden hat, blablabla.
Auf Dürnstein war er nur sehr kurz - was dort dem Tourismus zuliebe natürlich verschwiegen wird Breitgrins -, weil Leopold V von Österreich ihn bald an Kaiser Heinrich VI übergeben mußte. Und er ist natürlich auch nicht im geheimen nach England zurückgeschlichen. Und wenn die Engländer dieser Zeit unter der Herrschaft gelitten haben, dann weniger weil John I Lackland so ein Schwein war, sondern weil man ihnen das Lösegeld für ihren König abgepreßt hat.
Nur, um zum Thema zurück zu kommen. Wenn man einen Robin-Hood-Roman schreibt, dann gehört das halt alles hinein, ob authentisch oder nicht, weil es nun mal eine Legende ist. Wo da die Grenze zum historischen zu ziehen ist ...
Dankeschön für eure superinteressanten Beiträge!
Bluebell