

Brigitte Riebe - Palast der blauen DelphineInhalt: Kreta im Jahr 1500 v. Chr.: Der Hirtenjunge Asterios begegnet der schönen Königstochter Ariadne. Beide verlieben sich ineinander, doch dunkle Schatten liegen über ihrer Beziehung: Asterios ist der Auserwählte, und bald schon muss er der großen Göttin dienen und gefahrvolle Aufgaben bewältigen. Düstere Visionen, die Asterios nachts überkommen, künden außerdem von einer Naturkatastrophe …
Meine Meinung:Mir hat "Der Palast der blauen Delphine" sehr gut gefallen. Ich finde es sehr gekonnt, wie Brigitte Riebe hier einem Mythos menschliche Gesichter verleiht und eine spannende Geschichte daraus webt. Denn ehrlich gesagt, bin ich in der griechischen Mythologie nun nicht gerade die Bewandertste; deswegen hab ich mir zuvor auch die Geschichte um den Minotaurus und Theseus zu Gemüte geführt und mich gefragt, wie man aus diesem Stoff einen Roman machen kann, ohne dabei ins Phantastische abzugleiten. Umso überraschter war ich, dass Brigitte Riebe genau dies gelungen ist. Die mythischen, für mich kaum greifbaren Gestalten sind mit einem menschlichen Gesicht versehen worden und die mehr symbolhaft verschlüsselte Botschaft des Ausgangsmythos wird zu einer klar strukturierten Handlung.
Das Grundthema ist dabei der Kampf um die Ablösung des kretischen Matriarchats durch ein Patriarchat - ein spannender Stoff! Ich fand es überaus interessant zu verfolgen, wie sich eine Gesellschaft verhält, in der die Frauen die absolute Macht haben und die Männer vornehmlich eine passive Rolle einnehmen. Dass es hier zu Konflikten und revolutionären Ansätzen kommt, ist vorprogrammiert. Brigitte Riebe hat sich in ihrer typischen gründlichen, aber auch behutsamen Art an das Thema herangewagt und die Denkweise beider Parteien so herausgearbeitet, dass sich der Leser auch auf beide Seiten einlassen und ihre Beweggründe verstehen kann. Dazu dient vor allem die Hauptfigur Asterios, der eine Sonderstellung einnimmt, da er als Mann inmitten von Frauen gleichberechtigt ist und in seiner Priesterrolle sowohl eine männlichen als auch einen weiblichen Anteil repräsentiert. Eine wunderbarer Charakter, dessen Innenleben durch seine Stellung und auch durch eine unglückliche Liebe sehr vielschichtig gestaltet ist.
Die übrigen Figuren verkörpern sehr schön die Gesellschaftsschichten dieser damaligen Kultur und bieten Einblicke in das Gedankengut der Kreterinnen. Wunderbar bildhaft werden die Orte und Landschaften geschildert, die die Kulisse für den Roman bilden. Ein besonderer Augenmerk gilt den Palästen und Prachtbauten, in denen große Teile der Handlung stattfinden. Dass der Ausgang der Geschichte tragisch ist, ist wohl keine große Überraschung; aber trotz einiger niederschmetternder Szenen habe ich mit diesem Buch sehr wohl gefühlt und konnte richtig tief darin eintauchen. Eine echte Buchperle!

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