Mitten in den Proben zum Altusrieder Freilichtspiel "Wilhelm Tell", bei dem die halbe Gemeinde auf der Bühne steht, klingelt Kluftingers Handy. Nicht nur, dass er sich dadurch den Zorn des Regisseurs zuzieht, der Anruf ist auch der Beginn seines brisantesten Falls bisher. Ein junger Mann hat sich auf der Flucht vor der österreichischen Polizei in den Kopf geschossen.
Zunächst ist vor allem Kluftingers Chef stinksauer über das unabgestimmte Eindringen der Österreicher ins deutsche Hoheitsgebiet, doch bald stellt sich heraus, dass eine konstruktive Zusammenarbeit viel sinnvoller ist als Groll, denn der tote Student hatte offenbar Verbindungen zu russischen Waffenschiebern, und auf seinem Computer entdecken Kluftis Kollegen bald beängstigende Daten, die auf einen möglichen Terroranschlag hindeuten, weshalb auch noch das BKA ins Boot geholt wird.
Ein Alptraum für Klufti, dass in seinem beschaulichen Allgäu plötzlich die große weite Welt mit ihren globalen Bedrohungen durch Extremisten Einzug gehalten haben soll - kein Wunder, dass er manchmal das Gefühl hat, der neue Fall sei eine Nummer zu groß für ihn. Hinzu kommt Kompetenzgerangel im Büro, wo Maier zum Interims-Chef bestellt worden ist - und zu allem Überfluss hat Erika einen Tanzkurs mit Langhammers gebucht. Abschalten ist also auch an der privaten Front nicht wirklich drin ...
Der eher provinzielle Kluftinger und internationale islamistische Extremisten - kann das gutgehen oder hat man ihm da doch zuviel aufgepackt? Wer Klüpfel & Kobr kennt, kann sich der ersteren Variante sicher sein. Klufti mutiert, einem Spruch seiner Kollegen zum Trotz, nicht plötzlich zu "Null-Null-Klufti", dem Superhelden, sondern hat bei diesem Fall ganz besonders mit Ängsten und Zweifeln zu kämpfen, tritt auch wieder ins eine oder andere Fettnäpfchen und leistet dennoch insgesamt gute, solide Arbeit in Kooperation mit dem BKA (und dem ungeliebten österreichischen Kollegen Bydlinski).
Atemberaubende Spannung beim Wettlauf gegen die Zeit ist (fast) bis zur letzten Szene geboten, doch trotz des sehr ernsten und leider immer noch brandaktuellen Themas kommt der Humor nicht zu kurz, ob Kluftinger nun mit Mama und Erika zwangsweise Schuhe kaufen geht, beim Tanzkurs einen neuen Tanz erfindet oder seine Prahlerei über seine Grillkünste mit Tatsachen untermauern will.
Sämtliche Figuren sind herrlich gezeichnet, manche mit einem klitzekleinen Schuss Satire, aber immer lebensecht. Die Running Gags der Serie wie Dr. Langhammer, die große Trommel oder Kluftis völlige Ignoranz in Sachen Kleidung sorgen für hübsche Wiedererkennungs- und Wohlfühleffekte bei Liebhabern der Serie, während die kriminalistische Seite gerade dadurch besticht, dass nicht nur alleswissende Supermänner am Werk sind, sondern die handelnden Personen manchmal so ratlos sind, dass es beinahe wehtut.
Ein Hoch auf Klufti - im Herbst gibt's endlich Band 5, und ich kann's kaum erwarten!

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