Inhalt:Kaum auf Hoher See wird das Schiff von Kapitän Gustave bereits von einem Siamesischen Zwillingstornado in Stücke gerissen und so steht der zwölfjährige Gustave plötzlich dem Tod und seiner irren Schwester gegenüber.
Doch so leicht lässt Gustave sich nicht unterkriegen. Der Tod gibt dem Jungen noch eine Chance. Wenn er sechs Aufgaben löst, wird der Tod Gustave verschonen.
So macht sich der junge Zeichner Gustave auf, um eine Jungfrau zu retten, das Schrecklichste aller Monster zu besiegen, die Namen von sechs Riesen zu erraten und sich selbst zu begegnen...
Meine Meinung:Der Titel in Walter Moers "Wilde Reise durch die Nacht" ist Programm. In diesem Buch geht es drunter und drüber und wir stolpern von einem Abenteuer ins Nächste. Der Leser wird sofort in die Geschichte hineingeworfen. Ein Zwölfjähriger ist Kapitän eines Schiffes? Es bleibt gar keine Zeit, darüber nachzudenken, denn schon wirbelt ein Siamesischer Zwillingstornado auf das Schiff zu und Gustaves Reise beginnt.
Nach Sinn und Unsinn sollte man erst nach einigen Seiten fragen. Denn Moers wahnwitzige Welten scheinen zwar auf den ersten Blick skurril, doch es steckt mehr dahinter. Die Geschichte ist stark philosophisch, dabei jedoch immer witzig und ironisch. Man kann den Sinn suchen - muss man aber nicht.
Nebenbei hat der Autor alles Mögliche zusammengemischt: Ein Märchen, ein Kinderbuch, ein Erwachsenenbuch, der Kleine Prinz, die Unendliche Geschichte, Don Quijote und Dantes Inferno. Das Ganze wird nun mit einer Prise Moers-Phantasie gewürzt und heraus kommt ein wunderbares Werk, das leider viel zu schnell wieder zu Ende ist.
Das Buch, das nur knappe 200 Seiten misst, ist mit Bildern von Gustave Doré ausgestattet, die perfekt zur Geschichte passen, die Moers um den berühmten Zeichner gestrickt hat.
Der Autor macht in "Wilde Reise durch die Nacht" nicht nur Andeutungen, was die Weltliteratur betrifft, sondern auch auf das Leben Gustave Dorés.
Somit ist das Werk auch ein Buch für Liebhaber des talentierten Künstlers.
Fazit: Ein phantastisches Werk, wie man es von Moers nicht anders erwartet. Tiefgründig, verzwickt, surreal und real zugleich. Ein Buch, das einen beständigen Tanz auf der dünnen Linie zwischen Traum und Wirklichkeit aufführt.
Es macht Spass, die feinen Andeutungen Moers aus dem Buch herauszufischen, aber man kann die Geschichte auch einfach so, pur sozusagen, geniessen.
"Wilde Reise durch die Nacht" kann durchaus von älteren Kindern gelesen werden, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Geschichte an manchen Stellen blutig ist. Ausserdem werden sie die philosophischen Hintergründe der Geschichte weniger fassen können als ein erwachsener Leser.
Fans von "Die Stadt der Träumenden Bücher" & Co. werden auch hier auf ihre Kosten kommen. Leser, die sich gerne Gedanken über Bücher und deren Inhalte machen, erhalten hier viele Denkanstösse und können sich richtig austoben. Auch die Psychologen unter den Lesern werden Diskussionsmaterial erhalten.
Ich habe mich in der Geschichte sofort wohl gefühlt, auch wenn mir Gustave ab und zu aufgrund seiner Naivität negativ auffiel. Doch dies gehört zur Geschichte und trübte den Lesegenuss nicht im Geringsten. "Wilde Reise durch die Nacht" ist eine rasante Geschichte voller Twists und schöner Ideen, von der ich nicht genug bekommen konnte.
