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Autor Thema: [Saudi-Arabien] Turki al-Hamad – Adama  (Gelesen 227 mal)

Aldawen

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[Saudi-Arabien] Turki al-Hamad – Adama
« am: 19. August 2010, 08:35:38 »



Inhalt: Hischam steht kurz vor dem Schulabschluß und dem Wechsel auf die Universität. Ein Klassenkamerad, den er nicht besonders gut leiden kann, spricht ihn eines Tages an, um ihn für eine Geheimorganisation zu werben. Hischam will zunächst nichts davon wissen, aber seine Neugier, die sich auch in der Lektüre philosophischer Texte und dem Vergnügen an westlicher Literatur äußert, siegt schließlich. So gerät er in die baathistische Bewegung, wo er allerdings schon bald feststellen muß, daß zwar viel geredet wird (was ihm eigentlich zusagt), aber kritisches, selbständiges Denken eher verpönt ist, nach dem Motto: Die Partei hat immer recht. Zudem entfremdet ihn die Mitgliedschaft und die damit verbundene Geheimhaltung und Notwendigkeit zum Lügen von seinen Freunden. Einen davon rekrutiert er dann seinerseits, was ihm aber später noch eine ziemliche Enttäuschung beschert. Zunehmend von den Motiven, Methoden und Zielen der Partei enttäuscht, sinnt er auf eine Verlassen der Organisation, als ihm diese Entscheidung quasi von außen abgenommen wird.


Meine Meinung: Das erste Problem hatte ich bereits mit der zeitlichen Einordnung, die mir anfänglich überhaupt nicht klar war. Aus verschiedenen Hinweisen und der Tatsache, daß Nasser noch lebt, konnte ich die Handlung irgendwann zum Ende der 1960er Jahre lokalisieren, was mir dann zwar ein paar Dinge erklärte, aber es wäre sicher nicht schlecht gewesen, es etwas frühzeitiger zu erfahren. Über die Baath-Bewegung (die in Syrien und Irak im Hinblick auf eine Machtübernahme von den alten Eliten weitaus erfolgreicher als in Saudi-Arabien war) und ihr Programm, gerade auch in Abgrenzung zum Nasserismus, erfährt man nur sehr wenig. Vieles bleibt in Andeutungen stecken, die einem arabischen Leser reichen mögen, mir leider nicht, weil mir dafür schlicht das Detailwissen und der passende kulturelle Hintergrund fehlt. Der (eher magere) konkrete politische Hintergrund nimmt zudem bei weitem nicht den Raum ein, den man vermuten könnte, da sich Hischam zudem noch über seine Gefühle für die Nachbarstochter Nura klar werden muß und in Riad, wo er sein Studium beginnt, von seinem Cousin in die Geheimnisse der Stadt und der verbotenen Laster von Alkohol bis Sex eingeführt wird. Dieser Aspekt des Erwachsenwerdens nimmt einen mindestens ebenso großen Raum im Roman ein, ist aber – abgesehen von den anderen Moralvorstellungen als hierzulande – nun nichts ungewöhnliches.

Bei aller offensichtlichen Intelligenz, über die Hischam verfügt, benimmt er sich zudem mehrfach ausgesprochen dämlich, und dämliche Charaktere nerven mich nicht nur in Büchern, aber gerade dort, ziemlich. Gut, er wird auch von den älteren Parteigenossen teilweise arg unter Druck gesetzt, aber er müßte eigentlich in der Lage sein, Gegenstrategien zu entwickeln. Insgesamt bleibt für mich aus diesem Roman am Ende vor allem ein idealistischer Jugendlicher, der sich von seinen Träumen der Weltverbesserung verabschieden muß. Das könnte mit wenigen Unterschieden so ähnlich auch in einer deutschen Parteijugendorganisation passieren. Schade eigentlich ums Thema. Ein Regime, das einen solchen Roman verbieten läßt, wie wohl in Saudi-Arabien geschehen, muß sich meines Erachtens ziemlich unsicher fühlen, aber bei dieser Einschätzung mag wiederum mein fehlendes Detailwissen eine Rolle spielen. Die deutsche Fassung ist wohl, wenn ich das Impressum richtig deute, aus der englischen Übersetzung des arabischen Originals entstanden, was für die ein oder andere Schwäche mitverantwortlich sein mag.

 2ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:

Schönen Gruß,
Aldawen
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Kinywa ni jumba la maneno.
Der Mund ist der Palast der Worte. – Sprichwort aus Ostafrika