Heinrich Böll - Der Zug war pünktlich (Erzählung)
Kurzbeschreibung:Die erste Buchveröffentlichung Heinrich Bölls - eine erbitterte Anklage gegen den Krieg
»Ich will nicht sterben, aber das Schreckliche ist, daß ich sterben werde ... bald!« Mit dieser Gewißheit steigt der junge Soldat auf dem Bahnhof einer Stadt im Ruhrgebiet in den Fronturlauberzug, der ihn an die Ostfront zurückbringen soll. Es wird eine trostlose Fahrt. Männer, die der Zufall zusammengewürfelt hat, spielen Skat, teilen miteinander Brot und Wurst und versuchen ihre Angst mit Schnaps zu betäuben. Andreas erinnert sich an seinen Freund, an eine Frau, in deren Augen er nur für Bruchteile einer Sekunde blicken konnte, er denkt an seine früheren Verwundungen, und er haßt alle, die den Krieg als eine Selbstverständlichkeit empfinden. In Lemberg hält der Zug. Hier begegnet Andreas einer Spionin, die als Prostituierte Nachrichten für den polnischen Widerstand sammelt ...
Heinrich Böll hat diese Geschichte vom sinnlosen Sterben mit überzeugendem Realismus zu einer erbitterten Anklage gegen den Krieg verdichtet.
Meine Meinung:Mit ca. 140 Seiten handelt es sich um ein recht schnell gelesenes Buch, das aber dafür umso länger in Erinnerung bleibt. Ich habe versucht mir Ruhe und Zeit für dieses Buch zu nehmen, da es sehr bewegend geschrieben wurde.
Die Handlung erhält ihre Spannung nicht über irgendwelche Geschehnisse, sondern über Rückblicke und Gedanken, die sich Andreas bei seiner Zugfahrt macht. Zunächst weiss man über Andreas nichts außer dass er bald sterben wird. Im Laufe der Erzählung erzählt Andreas aber immer wieder Ausschnitte aus seinem Leben.
Am meisten fasziniert hat mich die Tatsache, dass er genau weiss, wo und wann er sterben wird. Zuerst kann er seinen Zeitpunkt des Sterbens nur ungefähr mit einem "Bald" definieren. Je näher dieser Zeitpunkt kommt, desto konkreter wird aber sein Wissen über den genauen Zeitpunkt und Ort. Obwohl Andreas dies nur über seine Gefühle weiss, kamen mir beim Lesen nie Zweifel, dass es nicht stimmen könnte, da es mit so einer Sicherheit von Andreas erzählt wird.
Die "Wandlung" von Olina (der polnischen Spionin) hat mich ein bißchen verwundert. Ich konnte nicht ganz nachvollziehen, warum sie sich so verhält. Aber so ist ein Funken Hoffnung entstanden, dass Andreas seinen Sterbezeitpunkt vielleicht doch falsch vermutet...
Mein Fazit:Ein leicht zu lesendes Buch, was aber einen langanhaltenden Nachgeschmack hinterlässt.
