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Autor Thema: Dorothy Parker - New Yorker Geschichten  (Gelesen 803 mal)

stefanie_j_h

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    • Das Schaf liest
Dorothy Parker - New Yorker Geschichten
« am: 07. Oktober 2008, 22:45:52 »

Dorothy Parker - New Yorker Geschichten



Dorothy Parker scheint nicht an glückliche Menschen oder Beziehungen zu glauben, zumindest schreibt sie nicht darüber. Alle Kurzgeschichten sind irgendwie tragisch oder traurig, beschrieben werden alkoholabhängige Frauen, Paare die ständig streiten oder sich nichts zu sagen haben, Frauen die sehnsüchtig auf einen Telefonanruf warten und so weiter. Auf jeden Fall werden in den "New Yorker Geschichten" viele Themengebiete behandelt, es wird nie langweilig, da alle Geschichten verschieden sind. Allerdings scheinen sie grob thematisch geordnet zu sein.

Ich muss dazu sagen, dass ich Kurzgeschichten normalerweise nicht mag, vor allem nicht, wenn sie so kurz sind wie diese. Ich brauche viel zu lange um mich in der Geschichte zurecht zu finden und mich mit den Figuren "anzufreunden" und kaum habe ich es geschafft, ist die Geschichte zu Ende. Aber bei diesem Buch war das nicht so. Ich fand es sehr interessant, verschiedene Aspekte von Beziehungen in dieser Form präsentiert zu kriegen, bei vielen Geschichten war ich auch froh, als sie vorbei waren und ich nicht noch mehr über das bedauernswerte Leben der Hauptfigur lesen musste.

Stilistisch ist das Buch auch abwechslungsreich, manchmal werden Bewusstseinsströme und Gedankengänge geschildert, ein anderes Mal ein Dialog zwischen zwei Personen oder es wird ganz normal erzälhlt, aus der Perspektive einer betroffenen Person oder auch eines Außenstehenden.

Erst zum Ende hin kam bei mir etwas Langeweile auf, das kann allerdings daran liegen, dass ich das Buch in sehr kurzer Zeit gelesen habe und ich dann einfach von dem Stil übersättigt war. Zum anderen geht es in den letzten Geschichten um Soldaten im Krieg, was für mich kein sonderlich aufregendes Thema ist.

Ich will nur kurz meine Lieblingsgeschichten erwähnen, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Morgenstund hat Gift im Mund (The Little Hours)
Diese Geschichte beschreibt die Gedanken einer Frau, die in den frühen Morgenstunden aufwacht und nicht wieder einschlafen kann. Eine Passage, in der es darum geht, dass die Protagonistin keine Schafe mag und sie auch nicht zählen will, um wieder einzuschlarfen, hat mich sehr zum Lachen gebracht:
Zitat
Die sollen sich bloß nicht einbilden, ich liege hier im Dunkeln und zähle ihre abscheulichen kleinen Gesichter für sie; und wenn ich bis Mitte nächsten August nicht wieder einschlafen können sollte. Angenommen, sie würden nie gezählt werden - was könnte da schlimmstenfalls passieren? Wenn die Zahl der imaginären Schafe dieser Welt eine ungelöste Frage bliebe, wer würde davon reicher oder ärmer? Nein, Chef; ich bin nicht deren Buchhüter. Die sollen sich doch selber zählen, wenn sie so wahnsinnig scharf auf Mathematik sind. Sollen doch ihre Dreckarbeit allein machen
Auch sonst fand ich diese Geschichte sehr witzig und zutreffend, denn jeder kennt wohl dieses Gefühl, wenn man gerne wieder einschlafen würde, sich die Gedanken aber um die sinnlosesten Dinge drehen.

Da wären wir (Here We Are)
Ein junges Paar hat gerade geheiratet und ist auf dem Weg zur Hochzeitsreise. Das Gespräch dreht sich nur um wenige Dinge, z.B. dass der Bräutigam eine Brautjungfer schön fand, oder dass er mit der Hutmode nichts anfangen kann (was die junge Braut natürlich auf sich und ihren Geschmack bei Hüten bezieht) usw. Immer beschließen die beiden, dass sie von nun ab nicht mehr streiten wollen und doch fängt die junge Frau immer wieder damit an, dass ihm ihr Hut nicht gefällt, dass er die Brautjungfer schöner findet als sie usw. Dabei musste ich immer darüber nachdenken, ob wir Frauen wirklich so sind. Nun ja, ich hoffe ich nicht, aber ich kenne ein paar Exemplare, die aus dieser Geschichten stammen könnten  :breitgrins:

Jetzt hätte ich beinahe die Wertung vergessen, ich fand das Buch wirklich sehr schön und unterhaltsam zu lesen, es war genau die richtige Mischung zwischen witzig und traurig/melancholisch/nachdenklich und dafür gibt es von mir 4ratten
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mombour

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Re: Dorothy Parker - New Yorker Geschichten
« Antwort #1 am: 07. Oktober 2008, 23:01:01 »

Hallo stefanie_j_h

Ich bin ja auch dankbar über short-story- Empfehlungen. Also mich reizt es sehr, die Geschichten zu lesen. Dass es um tragische Figuren geht, stört mich überhaupt nicht. Ist ja meistens so in den Büchern, die ich lese.

Herzlichen Dank.
mombour
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Ninette

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Re: Dorothy Parker - New Yorker Geschichten
« Antwort #2 am: 10. Oktober 2011, 22:33:47 »

Dorothy Parker
New Yorker Geschichten
OT: The Portable Dorothy Parker
Erstveröffentlichung 1944
Aus dem Amerikanischen von Pieke Biermann und Ursula-Maria Mössner (2003)
Die Brigitte-Edition
423 Seiten

Inhalt
Dorothy Parker hat definitiv etwas übrig für tragische Gestalten. Im Mittelpunkt ihrer Kurzgeschichten stehen meist junge Frauen. Es geht um verschmähte Geliebte, wortlose Ehen, schicke High-society Damen und das unglücklich verliebte Mädchen von nebenan. Mit viel Spott und Sarkasmus für die einen und sanfteren Tönen für die anderen schreibt sie über das Leben in New York, in dem - glaubt man Dorothy Parker - für Liebe kein Platz ist.

Der erste Satz
Am 7. Juni 1967 starb die immer unbehauste amerikanische Schriftstellerin Dorothy Parker 73-jährig in ihrem Hotelzimmer im New Yorker Volney Hotel an einem Herzanfall.

Wie kam die Geschichte in meine Hände?
Sie lag auf einem Wühltisch mit vielen anderen Ausgaben der Brigitte Edition,...und auch noch reduziert.

Meine Meinung
Meine Ausgabe der Brigitte Edition beginnt mit einem Vorwort von Elke Heidenreich, durch das man einen guten Einblick in die Persönlichkeit Dorothy Parkers bekommt. Eine höchst sarkastische Frau mit einer sehr spitzen Zunge, bei der man sich nicht mal getraut auf die Toilette zu gehen, weil sie dann über einen redet.
Und so habe ich sie mir dann auch vorgestellt: Als eine junge schlagfertige Frau, welche die New Yorker Männerwelt in Angst und Schrecken versetzte. Eine Vorstellung, die ich sehr amüsant finde.

Die Geschichten selbst haben mir auch gefallen. Manche mehr, andere weniger. Obwohl sich die einzelnen Geschichten sehr voneinander unterscheiden, haben sie doch die Tragik als Gemeinsamkeit. Auffällig ist auch hier das große Maß an Sarkasmus. Obwohl bei den unglücklich verliebten Mädchen auch eine Spur Mitleid mitschwingt. Für sie konnte ich mich auch erwärmen, während ich für die Teekränzchen-Damen nichts übrig habe. Die gingen mit manchmal wirklich auf die Nerven mit ihrem arroganten Gehabe.
Gegen Ende erging es mir wie Stefanie. Es wurde immer langweiliger und kostete mich wirklich Überwindung die letzten drei Geschichten auch noch zu lesen. Irgendwann hat man dann doch genug von Tragik und Sarkasmus.

Bewertung: 3ratten
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Carlos Ruiz Zafón
:lesen:
Goethe - Die Leiden des jungen Werther
Jaques Cousteau - Der Mensch, die Orchidee und der Oktopus

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